Top 10 Deutschlands reichste Großfamilien

Hueck, Porsche, Merck, Henkel: Deutschlands reichste Großfamilien im Überblick.
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Platz 10
Familie Hueck
Hella, Lippstadt
Autozulieferer
60 Familienmitglieder
4,2 Mrd. Euro (+ 0,2 Mrd.)

Was ein Unternehmen wirklich wert ist, weiß man ja erst, wenn man es verkauft – oder häppchenweise an die Börse bringt. Letzteres haben die Huecks aus Lippstadt in den vergangenen Jahren getan. Das war eine kleine Revolution nach 115 Jahren lupenreinem Familienunternehmertum, in denen sie allerhand Fahrzeugen das Leuchten ermöglichten, erst mit Petroleumlampen für Kutschen, heute etwa mit LED-Scheinwerfern für Limousinen. 60 Prozent behielt die Sippe unter dem Kommando von Ex-Hella-Chef Jürgen Behrend aber für sich – was ein schönes Ruhekissen ist angesichts eines Hella-Börsenwertes von etwa 5,5 Milliarden Euro.

Foto: Hella/ dpa
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Platz 9
Familie Freudenberg
Freudenberg, Weinheim
Autozulieferer, Konsumgüter
320 Familienmitglieder
4,4 Mrd. Euro (+0,5 Mrd.)

Die Bilanzen des Mischkonzerns aus Weinheim, einem Städtchen nahe Mannheim, sind seit eh und je blitzsauber. Was kein Wunder ist angesichts der Produktpalette, die (neben vielem, vielem anderen) Filter, Dichtungen und Putzzeug aller Art (etwa der Marke Vileda) auflistet. Der Ausstoß wird in alle Welt verkauft, was vergangenes Jahr 8,5 Milliarden Euro Umsatz einspielte, den siebten Rekord in Folge. Umsatzmarge? 9,3 Prozent. Der familienfremde CEO Mohsen Sohi, ein Amerikaner iranischer Abstammung, kann für Zukäufe zwecks Arrondierung des Portfolios mehrere Milliarden Euro ausgeben, alles kein Problem. Überwacht wird sein Schaffen übrigens von einem gewissen Martin Wentzler, der ist wie sein Vorgänger Wolfram Freudenberg ein Ururenkel von Firmengründer Carl Johann (1819 bis 1898).

Foto: DPA
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Platz 8
Familien Miele und Zinkann
Miele, Gütersloh
Hausgeräte
80 Familienmitglieder
4,7 Mrd. Euro (unverändert)

Mit dem, was Händler etwas despektierlich „weiße Ware“ nennen, haben die Mieles und Zinkanns reüssiert. Ihre Wasch- und anderen Maschinen haben Weltniveau. Sie sind sogar gut genug für einen Perfektionisten wie den 2011 verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs, der, als er eine neue Waschmaschine brauchte, nach zwei Wochen innerfamiliärer Diskussion bei Miele orderte. Wenn es auch hier und da mal knirscht im Geschäft und die beiden Anführer Markus Miele und Reinhard Zinkann recht gegensätzliche Charaktere sind, so schafft es die Sippe doch, dass die beiden Stämme friedliche Koexistenz wahren, und dass obwohl die Mieles 51 Prozent besitzen und damit theoretisch die Zinkanns überstimmen könnten. Kommt aber nie vor. Jedenfalls drang es noch niemals nach außen.

Foto: DPA
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Platz 7
Familie von Siemens
Siemens, München
Industrie
350 Familienmitglieder
6,2 Mrd. Euro (+ 0,8 Mrd.)

Wie angenehm sich Aufräumen auf das Vermögen auswirken kann, daran ergötzt sich die Familie von Siemens. Vor einigen Jahren noch, da steckte ihr Familienerbe fest: Erst kam der Korruptionsskandal, dann die geschäftliche Lähmung unter Konzernchef Peter Löscher. Seit Joe Kaeser den Österreicher 2013 ersetzte, geht es aufwärts: Der Börsenwert klettert und klettert, zuletzt notierte er bei gut 100 Milliarden Euro. Das Vermögen der Gründerfamilie, die noch 6 Prozent der Aktien hält, hat sich in den vergangenen Jahren daher sehr freundlich entwickelt. Wen die Geschichte des Konglomerats interessiert, der mag einmal das jüngste Buch über Gründer Werner von Siemens (1815 bis 1892) zur Hand nehmen, herausgegeben von seiner Nachfahrin und heutigen Aufsichtsrätin Nathalie von Siemens. Titel: „Der brodelnde Geist“.

Foto: Siemens
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Platz 6
Familie Heraeus
Heraeus, Hanau
Edelmetalle
200 Familienmitglieder
6,6 Mrd. Euro (+ 0,3 Mrd.)

Hinter den Heraeus in Hanau liegen recht turbulente Jahre. Das Geschäft rund um Edelmetalle wie Platin und alles Mögliche andere schrumpfte zwischenzeitlich um zehn Prozent, was wohl auch Folge eigener Versäumnisse war. Es musste also kräftig durchgefegt werden. Erschwerend kam hinzu, dass Altmeister Jürgen Heraeus unfreiwillig die Klatschpresse fütterte, weil er sich von seiner Frau Beate trennte. So was kommt natürlich in den besten Familien vor. Aber die Dynastie aus Hanau pflegt eine besondere Ethik aus Fleiß und Zurückhaltung – nur ein Viertel des Gewinnes darf ausgeschüttet werden und alle Familienmitglieder müssen für ihren Lebensunterhalt selbst arbeiten –, da passt so etwas nicht ins Image. Wenigstens hat Heraeus’ Schwiegersohn Jan Rinnert als CEO den Turnaround geschafft. Das ist doch schon mal was.

Foto: ARND WIEGMANN/ REUTERS
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Platz 5
Familie Haniel
Haniel, Duisburg; Metro, Düsseldorf
Handel, Rohstoffe
680 Familienmitglieder
6,8 Mrd. Euro (unverändert)

Reichstenlisten sind ein alter Hut. Schon im Kaiserreich verfasste ein verkrachter Ex-Beamter zahlreiche Bücher mit intimen Details über die Geldelite in Preußen und anderen deutschen Landen. Und wer stand anno 1913 im Deutschen Reich auf Platz 1? Die Haniels aus dem Rheinland, mit einem geschätzten Vermögen von 618,5 Millionen Mark, was heute ungefähr 3,2 Milliarden Euro entspricht. Zwei Weltkriege und gut 100 Jahre später gehört die Sippe aus Neuss noch immer zu den vielseitigsten Unternehmerfamilien. Man ist in allen möglichen Branchen unterwegs. Dass dabei auch einiges schiefgeht (die Beteiligung am Handelskonzern Metro war ein Schlag ins Kontor), mag man bedauern, ist aber wohl kaum vermeidbar. Bei 800 Firmen, in denen das Familiengeld ackert, gibt’s ja immer auch rentierliche Assets. Vormann Stephan Gemckow, vormals Highflyer bei der Lufthansa, sortiert nun im Auftrag von Familienoberhaupt Franz Markus Haniel das Sippenportfolio neu: Kaufen und verkaufen, so wie es die Haniels immer getan haben. Mittel sind reichlich vorhanden.

Foto: Haniel
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Platz 4
Familie Porsche
Volkswagen, Wolfsburg; Porsche, Stuttgart
Auto, Beteiligungen
20 Familienmitglieder
8,5 Mrd. Euro (+ 1,5 Mrd.)

Bei den Porsches hat sich in den vergangenen drei Jahren so viel verändert, dass eine Aufzählung nur in Stichworten möglich ist: Topmann Martin Winterkorn weg, Cousin Ferdinand Piëch weg, beim Dieseln geschummelt, Milliardenstrafen in den USA berappt, unter Kartellverdacht geraten. Und überhaupt soll der Verbrennungsmotor ja ein Auslaufmodell sein wie damals die Pferdekutschen, als die ersten Autos lostuckerten. Angesichts dieser Umstände haben sich die Porsches gut geschlagen. Der Wert ihrer Beteiligung an Volkswagen –gemeinsam mit dem zweiten Familienstamm, die Piëchs aus Österreich, nennt man 52 Prozent der VW-Stammaktien sein Eigen – hat sich wieder erholt. Und selbst der Verkauf des 15-prozentigen Pakets von Ferdinand Piëch an der Porsche SE, in der die Familie ihre VW-Anteile bündelt, ging dieses Jahr recht friedlich über die Bühne. Spannend dürfte es trotzdem bleiben, schon weil der Generationswechsel ansteht. Clanchef Wolfgang Porsche ist 74. Höchste Zeit also, dass sich sein Sohn Christian (43) sowie dessen Cousins Mark Philipp (40), Sohn von 911-Designer Ferdinand Alexander Porsche (starb 2012), sowie Peter Daniell Porsche (44), Sohn von Hans-Peter Porsche (75), einbringen. Gut, dass es im automobilen Weltreich mit seinen zwölf Marken von Bentley bis Seat genug Aufsichtsratsposten für Familien-Azubis gibt.

Foto: ERIC PIERMONT/ AFP
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Platz 3
Familie Merck
Merck, Darmstadt
Pharma, Chemie
200 Familienmitglieder
15 Mrd. Euro (+ 3 Mrd.)

Mit einer Apotheke hatte 1668 alles angefangen. Nächstes Jahr feiern die Mercks aus Darmstadt also ihr 350. Jubiläum. Damit es ein fröhliches wird, hat die Familie zuletzt fast manisch zu- und verkauft – für insgesamt 38 Milliarden Euro. Und die Portfoliooptimierung ist noch immer nicht abgeschlossen. Aber die Ergebnisse geben den Mercks recht. Nach einigen schlappen Jahren sprudeln die Gewinne mit aller Art von Medikamenten und Laborequipment wieder. Und weil endlich auch ein paar neue Pillen mit einer Zulassung rechnen dürfen, ist auch die Hoffnung auf einen weiteren Gewinnschub groß. Clanchef Frank Stangenberg-Haverkamp (69) kann den 200 Familienmitgliedern, die sich hinter Familiennamen wie Berglar, Baumhauer oder Baillou verbergen, also viel Gutes berichten. Die Sippe hält übrigens etwa 70 Prozent der Konzernanteile, muss sich also mit keinem anderen Aktionär beraten, wenn sie dem neuen Konzern-CEO Stefan Oschmann etwas mit auf den Weg geben will.

Foto: DPA
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Platz 2
Familie Brenninkmeijer
C&A, Düsseldorf; Cofra, Schweiz
Textilhandel, Immobilien, Beteiligungen
1800 Familienmitglieder
20 Mrd. Euro (- 1 Mrd.)

Im Jahre des Herrn 1841 machten sich Clemens und August Brenninkmeijer als fahrende Händler auf, allerlei Textilien unters Volk zu bringen. Heute gebieten ihre Ahnen unter der Marke C&A über etwa 2000, meist ziemlich große Klamottenläden in 21 Ländern. Das ist stattlich, aber weit weniger einträglich als früher. Denn gegen Zalando, Primark, Zara oder H&M fiel den Brenninkmeijers bisher wenig mehr ein außer Schrumpfen und Streichen. Kürzlich haben sie für das Business in Europa Ex-Rewe Chef Alain Caparros verpflichtet: Der soll jetzt die Trendwende schaffen. Gottlob gibt es bei den streng katholischen Brenninkmeijers noch weitere Standbeine. Die Sippe kann vor allem fest aufs Immobiliengeschäft vertrauen. Auf 7,5 Milliarden Euro taxiert der familieneigene Verwalter Redevco den Wert des Portfolios. Vor einem Jahr waren es nur 6,4 Milliarden. Meist vermietet man an Eins-a-Marken wie Starbucks oder H&M. Da kann wenig schiefgehen.

Foto: DPA
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Platz 1
Familie Henkel
Henkel, Düsseldorf
Konsumgüter
200 Familienmitglieder
24 Mrd. Euro (+ 0,5 Mrd.)

Die Henkels sind eine der immer noch wenigen deutschen Unternehmerfamilien, die voll auf Frauenpower setzen. Und das lohnt sich: Seit Simone Bagel-Trah (im Bild) 2009 die Oberaufsicht über den Hersteller von Pattex, Pril und Persil übernahm, erlebt die Familie einen erstaunlichen Vermögenszuwachs: Der Marktkwert von Henkel hat sich verfünffacht. Dass in den vergangenen zwölf Monaten nicht viel hinzukam, kann die Sippe daher gut verschmerzen. Zumal es fürs vergangene Jahr zur großen Freude aller eine Rekorddividende von 250 Millionen Euro gab. Das allein ist schon Grund genug, Stammvater Fritz Henkel (1848 bis 1930) zu danken. Mit seinem ersten Hausfrauenrenner, dem Natriumcarbonat – vulgo: Bleichsoda – legte er die Basis für das heutige Vermögen. Weiter mehren soll das CEO Hans Van Bylen. Gegen das mangelnde Kampfgewicht im globalen Wettbewerb hat der Topangestellte schon mal mit der 3,2-Milliarden-Euro-Übernahme des US-Rivalen Sun Products reagiert. Bloß nicht knausern! Knausern müssen auch die Henkels auf absehbare Zeit wohl nicht: Die Familie hält gut 60 Prozent der Aktien, und mindestens bis zum Jahr 2033. So lange läuft ein Aktienbindungsvertrag, mit dem Anführerin Bagel-Trah die Familie zusammengeklebt hat wie ein Tropfen Pattex zwei Blatt Papier. Blendende Aussichten also.

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP
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