Der Lockruf der Polder-Holding Diese Konzerne sind jetzt niederländisch

Thyssenkrupp und Tata wollen ihre fusionierte Stahlsparte in den Niederlanden registrieren - nicht der erste internationale Konzern, den es in das steuergünstige Königreich zieht.
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Thyssenkrupp und Tata Steel wollen ihre europäische Stahlproduktion in einer neuen Gesellschaft zusammenlegen, mit Hauptsitz in den Niederlanden. Dort können Dividenden, Kapitalbeteiligungen und Lizenzgebühren steuerfrei vereinnahmt werden. Laut einer Studie der Universität Amsterdam ist das Land die wichtigste Steueroase für Konzerne. Damit habe die Standortwahl aber nichts zu tun, beharrt Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger. Vielmehr liege das Königreich geografisch günstig in der Mitte der wichtigsten Standorte.

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ThyssenKrupp Tata Steel soll eine Holding mit Sitz im Großraum Amsterdam bekommen, wenn die Fusion in trockenen Tüchern ist. Immerhin steht dort, am Nordseehafen Ijmuiden, bereits eines der großen Stahlwerke - neben Duisburg und dem walisischen Port Talbot.

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Fiat Chrysler Automobiles ist bereits seit der Fusion von Fiat und Chrysler 2014 als Naamloze vennootschap registriert. Das Hauptquartier sitzt aber in London, die alten Zentralen in Turin (im Bild) und Auburn Hills, Michigan, spielen auch noch eine Rolle.

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Zwei Jahre zuvor hatte Fiat die Übung bereits mit seinem Kapitalgütergeschäft vorgemacht. Fiat Industrial einschließlich Iveco wurde mit Case New Holland zur CNH Industrial NV zusammengelegt, ebenfalls trotz des niederländischen Firmenregisters, der italienischen und amerikanischen Wurzeln mit Zentrale in London und Börsennotierung in London, Mailand und New York.

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Weniger bekannt ist, dass die Konkurrenten von der Renault-Nissan B.V. ebenfalls Niederländer sind. Obwohl die Allianz, inzwischen noch um Avtovaz (Lada) und Mitsubishi vergrößert, bereits seit 1999 besteht und 2002 in den Niederlanden residiert, wird sie immer noch eher als eigenständige französische oder japanische Konzerne wahrgenommen, die untereinander überkreuz beteiligt sind. Das Alliance Board sitzt in Amsterdam. Konzernchef Carlos Ghosn lebt die Globalisierung vor. Der gebürtige Brasilianer hat auch einen libanesischen und einen französischen Pass, er pendelt zwischen Paris und Tokio.

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Die Airbus SE - zunächst als "European Aeronautic Defence and Space Company" - nahm nach der Fusion der deutschen Dasa, der französischen Aérospatiale-Matra und der spanischen Casa 2000 ihren Sitz in der niederländischen Universitätsstadt Leiden. Das wurde auch als Signal der europäischen Kooperation präsentiert: ein neutraler Ort im sorgsam austarierten deutsch-französischen Proporz. Inzwischen sitzt die Zentrale aber klar beim südfranzösischen Hauptwerk Toulouse.

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Der Großteil der produzierten Flugzeuge wird nicht direkt an Fluggesellschaften verkauft, sondern an Leasing-Gesellschaften. Als deren größte mit mehr als 1500 Maschinen sieht sich die Aercap Holdings N.V., die trotz des Firmenregisters in den Niederlanden ihren Hauptsitz im irischen Dublin hat und ansonsten mit wenigen Büros rund um den Globus auskommt - aber so große Vermögenswerte belegt, dass damit die irische Wirtschaftsstatistik verzerrt wird.

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Patrick Drahi gilt als einer der reichsten Franzosen, auch weil er mit dem Internetanbieter Numericable und dem Mobilfunkbetreiber SFR zu den Mediengrößen im Land zählt. Der gebürtige Marokkaner mit israelischem Pass will selbst aber gar nicht als Franzose gesehen werden. Seine Holding Altice N.V., die inzwischen auch Multi-Milliarden-Kabeldeals in den USA stemmt, sitzt seit 2015 im kleinen niederländischen Ort Woerden, die Aktien werden an der Amsterdamer Börse gehandelt. Zuvor war Altice eine Luxemburger Gesellschaft.

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Schon länger eine Naamloze Vennootschap niederländischen Rechts ist die STMicroelectronics N.V., einer der größten europäischen IT-Konzerne. Der Chiphersteller entstand schon 1987 aus einer Fusion der SGS Microelettronica aus Mailand und der Thomson Semiconducteurs aus Grenoble. Der Hauptsitz liegt neutral dazwischen im schweizerischen Genf.

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International präsent ist Ikea mit seinen Möbelhäusern. Der Konzernsitz könnte da fast egal sein, wäre da nicht die starke schwedische Identität, die von den Produktnamen bis zu den Farben der Gebäude das Markenimage prägt. Allerdings hat Gründer Ingvar Kamprad sich schon in den 70er Jahren in die Schweiz abgesetzt, unverhohlen aus Steuergründen. Da passt es ins Bild, dass an der Spitze der zahlreichen Einzelgesellschaften der Ikea-Gruppe die Ingka Holding B.V. in den Niederlanden steht, die wiederum der Stiftung Stichting Ingka gehört, ebenfalls niederländisch. Die Landesgesellschaften überweisen Lizenzgebühren für die Nutzung der Markenrechte, so verschwindet der Gewinn aus ihrer Bilanz dort, wo er andernfalls versteuert würde.

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