Thyssenkrupp - Streit eskaliert Das sind die wichtigsten Akteure

Sanieren oder zerschlagen? Mit dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Ulrich Lehner eskaliert der Streit um die künftige Ausrichtung von Thyssenkrupp. Das sind die wichtigsten Akteure im Überblick.
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Führungskrise bei Thyssenkrupp: Die Fusion der Stahlsparte mit Tata Steel Europe ist beschlossen, doch zur Ruhe kommt der Ruhr-Konzern nicht - im Gegenteil. Anfang Juli trat Vorstandschef Heinrich Hiesinger zurück, kurz darauf kündigte auch Aufsichtsratschef Ulrich Lehner seinen Rücktritt an. Aktivistische Investoren versuchen, den Machtkampf für ihre Zwecke zu nutzen. Die wichtigsten Akteure im Überblick:

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Paul Singer (rechts), Gründer des US-Hedgefonds Elliott, ist erst in diesem Jahr mit einer Minderheitsbeteiligung bei Thyssenkrupp eingestiegen. Der aktivistische Investor gilt als aggressiv und habe auf die Absetzung von Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger (l.) gedrängt, heißt es. Vor allem an dem von Hiesinger ausgehandelten Joint Venture übte Elliott lautstarke Kritik. Damit steht Elliott nicht alleine da ...

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.. der schwedische Finanzinvestor Cevian mit seinem Deutschland-Chef Jens Tischendorf fordert ebenfalls Veränderungen, um die Rendite bei Thyssenkrupp zu steigern. Cevian kaufte sich Ende 2013 bei Thyssenkrupp ein und ist mit gut 18 Prozent zweitgrößter Aktionär. Der zunächst wohlwollende Begleiter der Linie von Heinrich Hiesinger drängt mittlerweile darauf, lukrative Sparten heauszulösen. Cevian-Gründer Lars Förberg bemängelte in der Vergangenheit öffentlich, Hiesingers Strategie habe nicht annähernd die versprochenen Gewinnmargen gebracht. Man warte seit Jahren darauf. Nun sollten auch die lukrativen Sparten wie das Aufzuggeschäft vom Konzern getrennt werden. Einzeln seien die Thyssenkrupp-Teile mehr wert als das Ganze. Unmittelbar vor der Hauptversammlung 2018 schmähte er noch die Konzernzentrale als "Wasserkopf". Mit seinem Antrag auf Zerschlagung des Konzerns konnte sich Cevian dort jedoch nicht durchsetzen.

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Viel wird nun davon abhängen, welche Position der größte Aktionär von Thyssenkrupp einschlägt: die Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, vertreten im Aufsichtsrat durch Stiftungschefin Ursula Gather. Für sie dürfte gelten: Rendite und die (allmählich wieder fließenden) Dividenden sind wichtig für die Kulturarbeit der Stiftung, zugleich gilt Gather aber auch als Garantin für den Bestand des letzten großen Industriekonzerns im Revier.
Die Rektorin der TU Dortmund zog Anfang 2018 in den Aufsichtsrat von Thyssenkrupp. Nach dem Rücktritt Hiesingers warfen Mitarbeiter ihr in einem Brief Desinteresse an dem Unternehmen vor. Klar ist: Chefaufseher Ulrich Lehner will sie nicht beerben, wie die Stiftung mitteilte. Die IG Metall kündigte an, gemeinsam mit der Krupp-Stiftung den Konzern wieder auf Spur bringen zu wollen.

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Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger trat vor rund zwei Wochen zurück. Trotz aller Kritik - er kann es als Erfolg verbuchen, dass es den Konzern überhaupt noch gibt. In seiner Amtszeit seit 2011 wurden die verlustreichen Stahlwerke in Brasilien und den USA verkauft und die Überschuldung Thyssenkrupps knapp abgewendet. Auch hatte er nach jahrelangem Ringen die Fusion mit Tata Steel der jeweiligen europäischen Stahlgeschäfte durchgesetzt, um Kosten zu sparen und Kapital für Investitionen in renditestärkere Sparten freizumachen. Doch die Aktionäre hat das nicht befriedigt. Im Kampf um die künftige Ausrichtung und die Macht zog Hiesinger sich zurück.

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"Eine Zerschlagung des Konzerns ist überhaupt kein Thema", versicherte der bisherige Aufsichtsratschef Ulrich Lehner noch im vergangenen Dezember - und schlug scharfe Töne gegenüber Investoren wie Cevian und Elliott an: Deren Kurs "schade dem Unternehmen". Nun hat Lehner nach CEO Hiesinger ebenfalls seinen Rückzug verkündet. Wer nun Chefaufseher wird, ist offen. Ziel müsste es sein, das zerstrittene Gremium wieder zusammenzuführen.

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Der Interims-Vorstandsvorsitzende Guido Kerkhoff hat keine leichte Aufgabe. Der bisherige Finanzvorstand muss die Zeit überbrücken, bis der Aufsichtsrat in "einem strukturierten Prozess zur Findung eines Nachfolgers" einen Nachfolger gefunden hat. Das Votum für Kerkhoff sei einstimmig gefallen, hieß es. Der Aufsichtsrat will als Zeichen dafür verstanden wissen, dass wieder Ruhe einkehren soll. Doch kaum ist Kerhoff im Amt, da drängt Elliott in einem Brief an den Aufsichtsrat bereits auf eine rasche Neubesetzung des CEO-Postens durch einen neuen, externen Kandidaten.

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Der stellvertretende Aufsichtsratschef Markus Grolms ist Gewerkschaftssekretär der IG Metall. Der 47-jährige Sozialpsychologe und Politikwissenschaftler führt nach dem Abschied von Ulrich Lehner als Vorsitzender die Geschäfte im Gremium.

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ThyssenKrupp-Betriebsratschef Wilhelm Segerath warnt vor einer Zerschlagung des Konzerns. Anfangs zeigte er klare Kante gegen Thyssen-Tata: "Das machen wir nicht mit." Dann vereinbarten Unternehmen, Gewerkschaft und Betriebsrat einen Tarifvertrag, der Standortschließungen und betriebsbedingte Kündigungen für 9 Jahre ausschließen soll. Am Dienstag sagte Segerath, den Beschäftigten gehe es nun um die Sicherung der Arbeitsplätze. "Wir wollen gemeinsam mit der Stiftung und allen Aktionären versuchen, das Unternehmen zu erhalten."

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Oliver Burkhard verdankt seine Berufung zum Vorstand von Thyssenkrupp der IG Metall, die er früher in Nordrhein-Westfalen führte - eine Besonderheit der Montanmitbestimmung. Das half Burkhard sicher, die heikelste Aufgabe in Hiesingers Team zu bewältigen: die über die Stahlfusion aufgebrachten Arbeiter zu beruhigen. Kurz vor Weihnachten 2017 konnte Burkhard ein Paket präsentieren, das zumindest die Gewerkschaft ruhig stimmt - mit Beschäftigungsgarantien bis 2026 und einem bis dahin garantierten Thyssenkrupp-Anteil von 50 Prozent an dem Joint-Venture sowie Mindestsummen an Investitionen.

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Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat von Anfang an kapitalfreundliche Signale gesendet: Thyssenkrupp habe durch die Fusion mit Tata die Chance, "mehr Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen". Sogar die Standortfrage - Thyssenkrupp Tata Steel Europe soll in den Niederlanden residieren - tat der Landespolitiker lapidar ab: "Ich hätte mir gewünscht, dass das Unternehmen hier bleibt." Laschet zieht nun auch ins Kuratorium der Krupp-Stiftung ein. Zu Cevian äußerte er sich bisher nicht. In der vergangenen Woche hatte er noch ein Treffen mit Vertretern der Unternehmensleitung und der Arbeitnehmerseite angesetzt.

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