Aderlass in Führungsriege Elon Musk verliert seinen wichtigsten Mitstreiter

Offiziell steht bei Tesla nur ein Mann im Mittelpunkt: Elon Musk. Weniger bekannt sind seine wichtigsten Vertrauten, die das Unternehmen trotz am Laufen halten. Bei der Vorlage der Zahlen zum 2. Quartal hat jedoch Musks langjähriger und wohl wichtigster Mitstreiter,Tesla-Mitgründer JB Straubel, seinen Abschied erklärt. Immerhin hat Musk hochkarätigen Ersatz gefunden. Dennoch hat sich der innere Tesla-Führungskreis seit Ende 2018 drastisch verändert. Unsere Übersicht zeigt, wer Musk aller von der Fahne lief - und wer noch an Bord ist.
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Ausgeschieden: Jeffrey Brian (JB) Straubel, Teslas Technikchef

Der 42-jährige studierte Ingenieur mit Abschluss der Stanford University war jahrelang Musks wichtigster Mitstreiter und trat auch gelegentlich an seiner Seite auf. Straubel hat Tesla gemeinsam mit Musk im Jahr 2003 mitgegründet, er gilt als technisches Mastermind des Elektroauto-Herstellers - vor allem bei der Batterietechnologie und dem Design des Antriebssystems. Ohne ihn, so meinen Beobachter, hätte Tesla kaum Hochleistungs-Elektroautos in Massenproduktion herstellen können: Straubel hält viele Patente bei Tesla und machte sich früh für das Tesla-eigene Netzwerk an "Supercharger"-Schnellladestationen stark. Ende Juli 2019, nach 16 Jahren bei Tesla, gab er seinen Rückzug aus dem operativen Geschäft bekannt. Nach schlechten Quartalszahlen und seiner Rückzugs-Ankündigung sackte die Tesla-Aktie kräftig ab. Künftig will Straubel Tesla als Berater zur Seite stehen. Seinen Posten als Technikchef übernimmt ...

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Aufgerückt: Drew Baglino, neuer Technikchef, bislang Vice President Technology

Der an der Eliteuni Stanford ausgebildete Elektroingenieur zählt zu Musks frühen Mitstreitern: Laut seinem LinkedIn-Profil arbeitet er seit 2008 bei Tesla. Medienberichten zufolge soll er bereits seit 2004 für den Elektroauto-Hersteller tätig sein. Baglino arbeitete jahrelang sehr eng mit CTO Straubel an der technischen Entwicklung der Tesla-Elektroautos. Ab Februar 2016 leitete er als Vice President Technology Teslas Ingenieursteam für Energieprodukte - und kümmerte sich auch um die Forschungsaktivitäten rund um Batteriezellen, Motoren und die Sicherheit der Akkus. Nun folgt er Straubel als Gesamt-Technikchef bei Tesla nach. Wie Straubel gilt Baglino als eher bodenständiger Techniker und damit als Gegenpol zum teils abgehoben auftretenden Musk.

Foto: linkedin/baglino
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Ausgeschieden: Peter Hochholdinger, Vice President Production

Der Autoproduktionsprofi kam Mitte 2016 von Audi zu Tesla. Er galt als eine Schlüsselfigur beim Produktionshochlauf des Model 3 und hatte mächtig Druck, weil der Wagen nicht in so hohen Stückzahlen vom Band lief wie geplant. Doch das war nichts, was der Audi-Veteran nicht schon kannte. 22 Jahre lang war der gelernte Werkzeugprüfer und diplomierte Werkstoffwissenschaftler in Ingolstadt tätig, vor seinem Tesla-Engagement war er bei Audi für die Produktion von rund 400.000 Fahrzeugen der Audi-Modelle A4, A5 und Q5 zuständig. Ende Juni 2019 verließ Hochholdinger Tesla. Anfang Juli meldete das kalifornisch-chinesische Elektroauto-Start-up Lucid Motors, dass Hochholdinger nun Lucids neuer Produktionschef sei.

Foto: youtube/automotiveit
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Ausgeschieden: Deepak Ahuja, Herr über die Tesla-Finanzen

Der 54-Jährige Finanzchef war eine Konstante bei Tesla, allerdings mit einer Unterbrechung. Autoindustrie-Veteran Ahuja kam bereits 2008 von Ford zum Elektroautobauer. Im Sommer 2015 verabschiedete er sich aber zwischenzeitlich aus dem Unternehmen. Ahuja bezeichnete seine Zeit bei Tesla als "Nonstop-Adrenalin-Kick". Es sei an der Zeit, sich anderen Zielen zuzuwenden. Der Vorsatz hielt nicht lange - Nachfolger Jason Wheeler, von Google geholt, ging nach 15 Monaten, und Ahuja übernahm erneut. Im Februar 2019 verließ Ahuja Tesla aber endgültig.

Foto: vimeo/EVANNEX Tesla News
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Ausgeschieden: Gilbert Passin, Vice President Manufacturing

Er meisterte bei Tesla einige "Produktionshöllen": Ab Januar 2010 stand Passin in Teslas Diensten. Der Mittfünfziger hat jahrzehntelange Erfahrung im traditionellen Autobau: Vor seiner Zeit im Silicon Valley arbeitete der gebürtige Franzose unter anderem als Produktionsexperte für Toyota und Volvo. Als Vice President Manufacturing arbeitete Passin mit Ex-Audianer Peter Hochholdinger daran, Teslas Model 3-Produktion auf Massenfertigungs-Niveau hochzujazzen. Im September 2018 warf Passin bei den Kaliforniern hin - seit Dezember 2018 ist er CEO des Elektrotruck-Spezialisten Wrightspeed.

Foto: Tesla Motors
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Ausgeschieden: Jens Peter Clausen, Vice President Gigafactory 1

Der Däne war Elon Musks "Mr. Gigafactory" - in Nevada war er für den Aufbau der größten Batteriefabrik der Welt zuständig. Zuvor hatte er bis 2015 bei Lego unter anderem dafür gesorgt, dass es in Fabriken rund läuft. Angesichts seiner riesigen Aufgabe gab sich Clausen freundlich-zurückhaltend und etwas selbstkritisch. Tesla müsse unter anderem "Teamarbeit stärken und echte Werte für die Menschheit schaffen", um langfristig Erfolg zu haben und "ein toller Ort zum Arbeiten" zu werden, schrieb er einst auf seiner LinkedIn-Seite. Im Dezember 2018 verließ Clausen Tesla - und heuerte als Produktionschef bei dem Biotech-Start-up Zymergen an.

Foto: youtube/Engineer the future
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Ausgeschieden: Doug Field, Senior Vice President Engineering

Bis Mitte 2018 galt Teslas Fahrzeugentwicklungschef Field als einer von Musks wichtigsten Managern. Der ehemalige Apple-Manager arbeitet seit fünf Jahren für Tesla, 2017 übernahm er auch die Verantwortung für die Produktion. Mitte Mai 2018 nahm Field jedoch überraschend eine Auszeit - Anfang Juli verließ er Tesla komplett und kehrte zu Apple zurück. Einen Nachfolger für Field hat Tesla bislang nicht benannt.

Foto: linkedin/dougfield
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Offenbar ausgeschieden: Jan Oehmicke, Vice President Tesla Europe

Offenbar nur ein Jahr lang hielt sich Teslas oberster Europa-Statthalter im Sattel: Der Ex-BMW-Manager Jan Oehmicke, der im Juli 2018 sein Amt als Teslas Europa-Chef antrat, soll laut "WirtschaftsWoche" Ende Juni 2019 hingeworfen haben. Dabei hatte Tesla damals gerade einen Auslieferungsrekord für das 2. Quartal verkündet. Laut "WirtschaftsWoche" soll Oehmicke über den Marktstart des Model 3 in Europa mit Elon Musk aneinandergeraten sein. Tesla wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Ohemicke ist Finanz- und Vertriebsexperte, vor seinem Wechsel zu Tesla arbeitete er fast zwei Jahrzehnte lang für BMW.

Foto: JENS SCHLUETER/EPA-EFE/REX
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Ausgeschieden: Ganesh Srivats, Leiter Marketing und Tesla Energy

Von Februar 2015 bis Juli 2018 arbeitete der Marketingexperte für Tesla, zuvor war er für den Luxusmode-Hersteller Burberry's tätig. Srivats hat einen Abschluss einer Londoner Universität in strategischer Modevermarktung, mit der Autobranche hatte vor Tesla nichts zu tun. Er ist nun CEO des Luxus-Onlinehändlers Moda Operandi.

Foto: Bloomberg via Getty Images
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Ausgeschieden: Cal Lankton, Vice President Energy Sales and Operations

Der ehemalige Manager beim Elektrokonzern ABB verantwortete von Mitte 2017 bis Juli 2018 als Vizepräsident den Verkauf und Betrieb von Energiespeichern. Vor seinem Aufstieg in den kleineren Führungskreis kümmerte er sich unter anderem um das Supercharger-Netzwerk. Bei ABB war Lankton ebenfalls für Elektroauto-Ladeinfrastruktur zuständig. Seit August 2018 arbeitet er als Vice President Infrastructure Operations für den Mobilitätsanbieter Lyft.

Foto: youtube/ABB North America
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Ausgeschieden: Sarah O'Brien, Vice President Communications

. Von Apple zu Tesla - diesen Sprung wagte die Kommunikationsexpertin Sarah O'Brien im September 2016. Davor arbeitete O'Brien acht Jahre lang für den IT-Riesen, wo sie unter anderem die Public Relations für das iPhone mitverantwortete. Im August 2017 stieg sie zur obersten Kommunikatorin bei Tesla auf - wohl kein ganz einfacher Job, wie zahlreiche Abgänge früherer Tesla-Kommunikationschefs belegen. Im September 2018 verließ O'Brien den Elektroautohersteller - ihre Posten übernahm Dave Arnold, bislang Senior Director Global Communications. O'Brien heuerte Anfang 2019 bei Facebook an - als Vice President of Executive Communications.

Foto: LinkedIn/ Sarah OBrien
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Einige Getreue halten Musk aber nach wie vor die Treue. Etwa Franz von Holzhausen, Chefdesigner.

Er gab sämtlichen Tesla-Modellen seit dem Model S ihr schickes äußeres Gesicht: Seit 2008 arbeitet der 50-jährige Amerikaner mit deutschen Vorfahren für Tesla. Zuvor hat Holzhausen unter anderem für Volkswagen, Mazda und General Motors Fahrzeuge entworfen. Holzhausen tritt gelegentlich bei öffentlichen Terminen an der Seite von Elon Musk auf.

Foto: REUTERS
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Jerôme Guillen, Leiter von Teslas Lkw-Sparte

Den gebürtigen Franzosen Guillen hat Musk im Jahr 2010 von Daimler geholt, wo Guillen das Carsharing-Programm Car2Go aus der Taufe hob. Bei Tesla stieg Guillen zunächst schnell auf: Bis Mitte 2013 war Guillen als Baureihenleiter für das Model S verantwortlich. Danach beförderte ihn Musk zum Verantwortlichen für den weltweiten Vertrieb und Service - samt Vorstandsposten. Mitte 2015 nahm Guillen überraschend ein mehrmonatiges Sabbatical. Seit Januar 2016 ist Guillen als Vice President für Teslas Elektro-Truck zuständig. Einen Sitz im Vorstand oder Aufsichtsrat hat Guillen aber nicht mehr.

Foto: ERIC PIERMONT / AFP
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Steve Jurvetson, Aufsichtsratsmitglied

Der 50-Jährige Elektro-Ingenieur und Risikokapitalgeber (Draper Fisher Jurvetson) wettet seit 2009 auf Tesla, wo er im Board of Directors sitzt, dort allerdings in keinem Ausschuss operativ tätig ist. Er ist unter anderem auch bei Musks Raumfahrt-Firma SpaceX aktiv. Jurvetsons starke Stellung bei Tesla und seine Nähe zu Musk wurde auch 2012 deutlich - damals erhielt er das erste Model S, das in der Fabrik in Fremont fertig wurde.

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Antonio J. Gracias, Aufsichtsratsmitglied

Der Gründer und Chef des Finanzinvestors Valor überwacht Tesla ebenfalls als Mitglied im Board of Directors. Dort sitzt er in den Ausschüssen Buchprüfung, Nominierung sowie Vergütung. Gracias (46) gilt als umtriebiger Firmenjäger, der schon mal nach Übernahmezielen Ausschau hält, die zu Tesla passen. Er gilt als eng mit Musk verbunden.

Foto: youtube/Crains Chicago Business
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Kimbal Musk, Aufsichtsratsmitglied

Der Bruder (44) von Elon Musk ist selbst als Unternehmer tätig und führt eine Firma in der Nahrungsbranche, "The Kitchen". Ziel ist es, Restaurants Zugang zu frischen Lebensmitteln aus der Region zu verschaffen. Kimbal Musk ist ein weiterer Gefolgsmann des Chefs im Board of Directors. Investoren fordern seit Längerem mehr unabhängige Mitglieder des Aufsichts- und Strategiegremiums.

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James Murdoch, Aufsichtsratsmitglied

Als ein solcher, unabhängiger Mann im Board wurde der Sohn (44) des Medienmagnaten Rupert Murdoch berufen. Der Chef des Imperiums 21st Century Fox hat sich in dem Unternehmen seines Vaters hochgearbeitet und war unter anderem Chef von Sky Deutschland. Manchem Investor ist aber auch der von außen zum Unternehmen hinzugestoßene Murdoch nicht recht – als Laie in Sachen Autoindustrie sei er kein adäquates Gegengewicht zum Musk-Fanclub in dem Gremium.

Foto: AFP
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