DFB-Gegner im Entscheidungsspiel Das sollten Sie über Südkorea wissen

Südkorea und Deutschland im Fußball- und im Wirtschaftsvergleich.
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Mit "rote Teufel" (Bulgeun Angma) meinen die Südkoreaner keineswegs die Nordkoreaner, die Belgier oder die Lauterer, sondern ihre eigene Nationalmannschaft. Das Entscheidungsspiel um den Einzug ins WM-Achtelfinale (in Seoul mitten in der Nacht, aber am deutschen Nachmittag) kostet die deutsche Wirtschaft laut dem arbeitgebernahen Institut IW 130 bis 200 Millionen Euro, weil nach 16 Uhr nur noch eine Minderheit etwas leiste. Wir gehen davon aus, dass die liegen gebliebene Arbeit dann einfach später erledigt wird. Wenn nicht ...

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... würde das verlorene Geld theoretisch reichen, um die Südkoreaner einfach wegzukaufen. Laut transfermarkt.de kommt der gesamte WM-Kader auf einen Marktwert von 87,53 Millionen Euro (die Deutschen sind zehnmal so teuer), 50 Millionen davon allein für Tottenham-Star Son Heung Min. Mit Fifa-Rang 57 (Deutschland: 1) ist Südkorea eines der nominell schwächsten Teams im Turnier (nach Russland, Saudi-Arabien und Japan).

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Für Nike sind sie jedoch der viertteuerste Vertreter der Marke hinter Frankreich, England und Brasilien. Der Ausrüstervertrag ist laut PR Marketing mit 9,4 Millionen Euro pro Jahr dotiert. Noch mehr kosten die Nike-Teams USA, China und Niederlande, die sich alle erst gar nicht für die WM qualifizierten.

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Der Sport hilft bei Koreas Kurs zu einer Annäherung - und damit zum wichtigsten Gegenbeispiel des 2018 vorherrschenden Trends, dass sich eine globalisierungsmüde Welt voneinander entfremdet. Seit den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang im Februar entwickelt sich die Diplomatie zwischen Nordkorea (im Bild von April links Staatschef Kim Jong Un) und Südkorea (Moon Jae-in). Das weckt Hoffnungen auf Frieden und Wohlstand.

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Als Volkswirtschaft steht Südkorea mit zwei Billionen Dollar Bruttoinlandsprodukt für 2017 - umgerechnet in Kaufkraftparität - global auf Rang 14 laut Internationalem Währungsfonds (Deutschland mit mehr als doppelt so hoher Wirtschaftsleistung auf Platz 5). Pro Kopf gerechnet, ist das Land seit 1970 von einem der ärmsten zu einem der reichsten Staaten aufgestiegen (während der Norden, damals noch mit leichtem Vorsprung, zumeist stagnierte).

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Eine prägende Rolle spielt dabei das Militär - im Bild von Montag auf einer Gedenkveranstaltung zum vor 68 Jahren begonnenen und nie offiziell beendeten Koreakrieg. Das Wachstumsmodell einer Entwicklungsdiktatur wurde von den Koreanern perfektioniert: der Aufbau einer nationalen Industrie gelang anfangs dank Billiglöhnen und einem gegen ausländische Konkurrenz abgeschotteten Markt. Noch bis 1987 sorgte dafür eine Militärdiktatur, deren Vertreter auch später oft in freien Wahlen gewannen. 2017 wurde Diktatorentochter Park Geun-hye nach einem Skandal um Günstlingswirtschaft als Präsidentin gestürzt und in diesem April zu 24 Jahren Haft verurteilt.

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Heute ist Südkorea eine der mächtigsten Handelsnationen: fünftgrößter Exporteur und achtgrößter Importeur (vor allem von Öl und Gas). Dementsprechend hat das Land einen Handelsüberschuss von 90 Milliarden Dollar (2016) - aber nicht gegenüber Deutschland: Laut Statistischem Bundesamt wurden südkoreanische Waren für 6,4 Milliarden Dollar nach Deutschland verschifft, dafür aber deutsche Produkte für 18,9 Milliarden Dollar eingekauft - macht ein Defizit von 12,5 Milliarden Dollar.

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Südkorea gelang es als bislang letztem Land, eine eigenständige große Autoindustrie auf dem Weltmarkt zu etablieren. Die Autonation verkörpert inzwischen aber nur noch der Hyundai-Kia-Konzern, mit rund 8 Millionen Fahrzeugen pro Jahr die Nummer fünf hinter Renault/Nissan/Mitsubishi, Volkswagen, Toyota und General Motors. Daewoo, Kia und Ssangyong überlebten frühere Krisen nicht.

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Das Aushängeschild der südkoreanischen Wirtschaft schlechthin ist das Konglomerat Samsung, das vor allem als Elektronikkonzern dominiert - unter anderem auf dem Markt für Smartphones oder Fernseher. Jahresumsatz für 2017: 184 Milliarden Euro. Die Elektronikindustrie (auch LG zählt zu den wichtigsten Global Playern) bringt den Großteil der Exporte und macht Südkorea zu einem der führenden Länder nach Patentanmeldungen.

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Allerdings wird der Stolz der Industrie durch allerlei Skandale geschmälert, von brennenden Smartphone-Akkus bis zur Verurteilung von Konzernkronprinz Lee Jae-Yong wegen Korruption 2017. Die Chaebol genannten südkoreanischen Konglomerate werden von einem komplizierten Machtgeflecht gesteuert, oft haben nominell nur mit einer Aktienminderheit ausgestattete Familien wie die Lees im Fall Samsung das Sagen. Patriarch Lee Kun-hee, schon 2008 wegen schwarzer Kassen verurteilt, regierte später weiter, ist aber seit Jahren wegen schlechter Gesundheit abgetaucht.

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Südkorea führt die Welt mit dem am besten ausgebauten mobilen Internet an. LTE ist fast zu 100 Prozent verfügbar. Die durchschnittliche Download-Geschwindigkeit ist mit 42,7 Millionen Bits pro Sekunde inzwischen nicht mehr Weltspitze (da steht Norwegen mit 62,7 Millionen Bits pro Sekunde) - aber weit vor Deutschland mit 27,15 Millionen Bits pro Sekunde. Bei der Netzinfrastruktur der nächsten Generation (5G) will Südkorea wieder die Führung übernehmen.

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Eines der Ziele: Die Koreaner sollen in den inzwischen auf 370 km/h Regelgeschwindigkeit ausgelegten Hochgeschwindigkeitszügen - auch das internationale Bestzeit - ruckelfrei Filme streamen können. Der (mit anfänglicher Starthilfe von Alstom) von Hyundai gebaute Korea Train Express (KTX) stärkt das Selbstbewusstsein der Industrienation.

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Eine eher zweifelhafte Führungsrolle hatte die 52-Millionen-Nation in der Bitcoin-Blase des Winters 2017/2018. Zeitweise waren zwei Drittel der Kryptowährungsbörsen dort angesiedelt, jeder dritte Angestellte hatte Geld in Bitcoin, Ethereum und Co. verwandelt - bis die Regierung "ernste Störungen und pathologische soziale Phänomene" diagnostizierte und den Handel eindämmte.

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Auch in traditionellen Branchen ist Südkorea groß - im Schiffbau zwar inzwischen nur noch die Nummer zwei hinter China, aber für das weltgrößte Schiff ist die Samsung-Werft in Geoje immer noch gut: Die Flüssigglasplattform "Prelude", die zugleich als Bohrinsel und Verflüssigungsanlage fungiert, ist 488 Meter lang (und heute mit Aufbauten deutliche höher als auf dem Bild). Seit 2017 ist das 14-Milliarden-Dollar-Vehikel im Indischen Ozean vor Australien in Betrieb.

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Im Fußball wird Südkorea wohl nicht bald so groß. Der bislang größte Erfolg war das Erreichen des Halbfinales der WM 2002 als Co-Gastgeber (zusammen mit Japan). Der Gegner hieß Deutschland, Michael Ballack schoss in Seoul das 1:0 - und kassierte eine Gelbe Karte, die ihn für das Finale gegen Brasilien sperrte.

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