Studie - bis 2030 fallen hunderttausende Auto-Jobs weg Elektroautos bedrohen langfristig 270.000 Jobs in Europa

Autos mit Elektroantrieb fahren deutlich sauberer - sie stellen die Autohersteller aber auch personell vor enorme Herausforderungen. Eine Studie der Unternehmensberatung PA Consulting beschreibt detailliert, wie viele Jobs bei Autoherstellern in Europa bis 2030 auf der Kippe stehen - und welche deutschen Autobauer am besten für die Umwälzungen gerüstet sind.
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Die Prognose hat es in sich: In den kommenden 12 Jahren, so beschreibt es die Unternehmensberatung PA Consulting in einer Studie, wird sich die Autowelt in Europa kräftig ändern. Im Jahr 2030, so nehmen die Studienautoren an, halten reine Elektroautos bereits bei 30-40 Prozent Marktanteil, Hybridautos kommen auf 15-25 Prozent. Benziner und Dieselfahrzeuge zusammengenommen machen dann nur mehr ein Drittel aller Neuwagenverkäufe aus.

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Dieser Wandel hat auch enorme Auswirkungen auf die Autoproduktion, prognostizieren die Unternehmensberater, deren Studie manager-magazin.de vorliegt. Sie haben durchgerechnet, wie viele Jobs dadurch bei 16 Automarken auf der Kippe stehen, die in Europa produzieren - und kommen dabei teils auf noch höhere Zahlen als IG-Metallchef Jörg Hoffmann (zum Artikel), der alleine in der deutschen Autoindustrie 70.000 Arbeitsplätze in Gefahr sieht.

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Aktuell arbeiten laut den PA-Consulting-Daten bei den 16 großen Autoherstellern in Europa rund 840.000 Menschen. Bis 2030 können davon 141.000 Mitarbeiter umgeschult werden - doch für insgesamt 267.000 Mitarbeiter bei den Autoherstellern sehen die Studienautoren schwarz. Deren Jobs dürften komplett wegfallen.

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Denn Elektroautos sind deutlich einfacher zu bauen als herkömmliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. "Bei einer stärkeren Elektrifizierung benötigen die Autohersteller etwa deutlich weniger Mitarbeiter für Getriebe", meint Thomas Göttle, Leiter der Automobilsparte bei PA Consulting Group und einer der Studienautoren. Konventionelle Getriebe sind laut Göttle "etwa drei bis fünf Mal so komplex" wie jene Ein- oder Zweiganggetriebe, die für Elektroautos reichen. Die Konsequenz: Von den europaweit 83.100 Mitarbeitern, die mit dem Bau von Getrieben beschäftigt sind, dürften bis 2030 gut 38.000 Jobs wegfallen, nur 13.600 lassen sich umschulen.

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Dafür benötigen Autohersteller mehr Mitarbeiter für Elektrik, "die dann auch Hochvolt-Anwendungen beherrschen müssen", so Göttle. Am größten dürften die Einschnitte für die Autohersteller im Bereich Motorenbau werden. Ein Verbrennungsmotor sei "mindestens sieben Mal so komplex wie ein Elektromotor", sagt Göttle. Zudem fällt bei reinen E-Autos auch noch die Abgasanlage weg. Von den aktuell 75.800 Mitarbeitern europaweit, die im Motorenbau arbeiten, lassen sich wohl nur 11.600 auf neue Aufgaben umschulen. 51.900 Jobs, prognostizieren die Berater, fallen komplett weg.

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Die Unternehmensberater brechen ihre Zahlen auch auf ausgesuchte deutsche Automarken herunter. Hart wird es bei der Volkswagen-Kernmarke VW: Von den europaweit 167.000 VW-Mitarbeitern stehen bis 2030 wohl 56.000 Mitarbeiter zur Disposition, 30.000 lassen sich requalifizieren. "Die Marke VW wird sich schwertun wegen der schieren Menge an wegfallenden Arbeitsplätzen", schätzt Göttle ein.

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Die VW-Nobeltochter Audi hat europaweit aktuell rund 81.000 Mitarbeiter. Bis 2030 dürften bei der Vier-Ringe-Marke rund 23.000 Jobs komplett wegfallen, 12.000 können umgeschult werden, prognostiziert PA Consulting. Das ist weniger als bei manchen anderen, dennoch dürfte das für Audi hart werden ...

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... zum einen haben die Ingolstädter derzeit einen sehr jungen Altersschnitt von 40,8 Jahren, was den Abbau von Arbeitsplätzen über natürliche Fluktuation schwieriger mache. Zudem werde Audi in den kommenden Jahren verstärkt investieren, um seinen Rückstand zu den beiden Konkurrenten aufzuholen. Bis 2025 dürfte Audi mehr Mitarbeiter einstellen - ab dann wird es aber besonders hart, die Mitarbeiterzahlen in mehreren Bereichen stark zu senken.

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Daimler liegt aktuell bei 89.000 Mitarbeitern in Europa. Davon lassen sich rund 17.000 für neue Aufgaben umqualifizieren, doch rund 31.000 Jobs dürften in den kommenden Jahren komplett wegfallen, meint PA. Was den Handlungsbedarf betrifft, sieht PA die Stuttgarter im guten Mittelfeld ...

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... den Stuttgartern kommt zwar beim Arbeitsplatzabbau bis 2030 ihr hoher Altersschnitt von derzeit 44,7 Jahren zugute. Doch Daimler baue Getriebe, Achsen und Motoren noch selbst - was die unumgänglichen Einschnitte in diesen Bereichen für das Unternehmen härter mache.

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Noch etwas leichter bei den anstehenden Veränderungen dürfte sich Erzkonkurrent BMW tun, meinen die Studienautoren. Für BMW arbeiten europaweit aktuell 66.000 Mitarbeiter. Bis 2030 können die Münchener wohl 13.000 Angestellte umschulen, doch 21.000 Jobs muss BMW ersatzlos streichen. Einen solchen Arbeitsplatzabbau kann die Premiummarke über die kommenden zwölf Jahre durchaus schaffen, meint Göttle ...

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... der Kontakt zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat sei bei BMW gut - die Arbeitnehmervertreter hätten sich bislang kooperativ gezeigt, wenn sie die Notwendigkeit sehen. "Das dürfte relativ geräuschlos gehen", meint Göttle.

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Vergleichsweise gut positioniert für die anstehenden Umwälzungen bei den Arbeitsplätzen ist auch der Sportwagenbauer Porsche. Die VW-Tochter hat europaweit aktuell 25.000 Mitarbeiter. Bis 2025 lassen sich rund 5000 Porschianer für neue Aufgaben qualifizieren, rund 9000 Jobs fallen laut PA-Consulting-Berechnungen komplett weg. Die Anpassungen dürften Porsche aber ...

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... eher leichter fallen, meint Göttle. Denn der Sportwagenhersteller dürfte bis 2030 auch in Europa bei den Stückzahlen nochmals kräftig zulegen – und stelle bereits jetzt die Weichen in Richtung Elektromobilität.

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