Stephan Kalhamer Fünf Verhandlungstipps vom Poker-Profi

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Stephan Kalhamer (Mitte): Der studierte Mathematiker und Präsident des Deutschen Poker Sportbunds arbeitet als Poker-Coach, Redner und Autor. Für Kalhamer bildet Poker reale wirtschaftliche Entscheidungsmechanismen ab: "Zahler zocken. Könner kalkulieren" ist sein Motto. Mit seinen fünf Profi-Tipps gehen Sie optimal vorbereitet in die nächste Verhandlung.

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Mindset: Stets mutig und respektvoll, nie hochmütig oder ängstlich. Wer eine Verhandlung beginnt, der muss sich einer möglichen Niederlage bewusst sein. Wer dazu nicht bereit ist, hat bereits verloren und sollte besser erst gar nicht in den Ring steigen, denn dort ist kein Platz für Gedanken an eine Niederlage. Man ist angetreten, um zu gewinnen. Diese Einstellung zeigt man und handelt entsprechend. Dann - und nur dann - hält man die Balance zwischen Angst und Arroganz.

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Risikokalkül: Wann geht man eigenes Risiko ein und wann nicht? Die Einschätzung der eigenen Lage ist hier von zentraler Bedeutung. Ist man überlegen, reduziert man das Risiko auf ein Minimum, bleibt fokussiert und lässt die Zeit - den Standard - für sich laufen. Befindet man sich dagegen in der unterlegenen Position, nutzt man die daraus entstehende Freiheit und versucht, den natürlichen Verlauf über die Akzeptanz von zusätzlichem Risiko positiv zu verändern.

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Umgang mit Pech und Glück: Man muss vor allem zwischen Leistung und Erfolg unterscheiden, denn diese beiden Faktoren hängen zusammen, sie korrelieren. Starke Leistung und hohe Entscheidungsqualität führen quasi per Definition vielversprechend zum Erfolg - aber eben nicht immer. Es existiert auch der Misserfolg nach brillanter Leistung, genauso wie der große Erfolg trotz traurigem Input. Die beeinflussbare Komponente ist nicht der Output, der Erfolg. Es ist einzig der Input, die Leistung. Nur darauf achtet man und geht seinen Weg, egal ob gerade Bulle oder Bär regiert.

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Siegermentalität: Favorit zu sein ist ein wahres Privileg. Es gibt keine positive Sensation. Gewinnen ist für einen Champion nur Standard, verlieren dagegen eine Katastrophe. An der Spitze zu sein, bedeutet, stets angegriffen zu werden. All das spricht eine klare Sprache: Emotional verliert man als Favorit. Es ist das scheinbare Privileg des Underdogs, nach oben blicken zu dürfen, dort hin, wo der Champion schon ist: ins Reich der Angst. Angst ist der wahre Freund. Sie zeigt, dass man etwas zu verlieren hat, dass man etwas besitzt, jemand ist. Hoffnung hingegen ist ein falscher Freund. Sie zeigt, dass man noch nichts erreicht hat. Hoffen heißt hinten sein.

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Verhalten bei Erfolg und Misserfolg: Nichts im Übermaß, denn jeder positive Abschluss überhöht die eigene Fähigkeit. Auch die Mitbewerber hatte ihre Momente, welche im Ergebnis nicht gegriffen haben. Dankbar sollte man jeden Sieg genießen. Man hat ihn voll zugestanden bekommen, obwohl er einem - gemessen an der Leistung - nur mehrheitlich (und nicht vollständig) zugestanden hätte. Diese Demut hilft, in der Niederlage souverän zu bleiben und schneller wieder aufzustehen.

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