Steigender Ölpreis Wo das Öl noch sprudelt

Vor allem wegen der steigenden Nachfrage ist der Ölpreis über die Marke von 100 Dollar gestiegen. Das rückt das Angebot wieder in den Blick. manager magazin zeigt, in welchen Ländern der Welt noch Reserven zu holen sind.
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Die Unruhe am Ölmarkt ist groß. Ein Leck der Trans-Alaska-Pipeline hatte zeitweise ein Sechstel der nordamerikanischen Ölproduktion blockiert. Nun ist der Preis pro Barrel wieder über die Marke von 100 Dollar gestiegen, weil Händler eine Schließung des Suez-Kanals befürchten. Dies zeigt, wie anfällig die wieder boomende und ölhungrige Weltwirtschaft für Störungen in der Produktion oder Versorgung ist.

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Im April 2010 war das noch anders, die Katastrophe auf der BP-Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko hatte weniger Einfluss auf den Ölpreis, weil die Nachfrage noch auf reichlich Lagerbestände traf. Bald soll aus der Region wieder neues Öl kommen. Die US-Regierung verzichtet auf eine strengere Umweltprüfung für manche Bohrprojekte in der Tiefsee.

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Noch immer sind die Öllager gefüllt, seit November 2010 nehmen die Lagerbestände der USA aber rapide ab - ein Zeichen, dass die Nachfrage der weltgrößten Volkswirtschaft in Schwung kommt. Trotzdem ist der Preis für das US-Leichtöl West Texas Intermediate (WTI) weniger gestiegen als für andere Ölsorten, denn die WTI-Lager in Oklahoma sind noch voll. WTI spielt im physischen Handel eine geringe Rolle, galt bisher aber als Leitsorte im Ölmarkt. Diesen Status verliert es nun.

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Nordseeöl der Sorte Brent ist derzeit um mehr als sieben Dollar teurer als das etwas leichtere und süßere WTI. Seit dem Jahr 2000 nimmt die Produktion der wichtigsten Förderregion Europas ab, inzwischen beschleunigt. Damit wird Nordseeöl knapper. Heute werden nur noch rund drei Millionen Fass pro Tag aus der Nordsee gefördert, vor der Krise waren es noch vier Millionen. Nun hat auch noch Norwegen bekanntgegeben, dass deutlich weniger Öl aus neuen Quellen in der Tiefsee zu bergen ist als bisher geschätzt.

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Das Maß der Dinge aber bleibt die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec), die 42 Prozent der Ölproduktion und den Großteil der Reserven kontrolliert. Besonders vom saudi-arabischen Staatskonzern Saudi Aramco, dem größten Unternehmen der Welt, hängt die zukünftige Ölversorgung ab. Vertreter der Abnehmerländer wie Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur, flehen die Opec an, ihre in der Krise gekürzte Produktion wieder anzuheben. Doch die Opec will erst im Juni darüber beraten.

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Zu den großen Unbekannten des Ölmarkts zählt Opec-Mitglied Irak, dessen Produktion in den Kriegsjahren brachlag. Im Oktober schätzte die Regierung erstmals seit den 70er Jahren ihre Ölreserven neu. Angeblich liegen unter der Wüste des Zweistromlandes mehr als 140 Milliarden Fass, ein Viertel mehr als bisher angenommen. Damit hätte der Irak die zweitgrößten konventionellen Ölreserven nach Saudi-Arabien, mehr als Nachbar Iran. Allerdings werden immer wieder Zweifel an den Schätzungen der Opec-Staaten laut, die nicht unabhängig überprüft werden und die Macht der Lieferanten unterstreichen.

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Auch Venezuela hat seine Vorkommen neu geschätzt. Hier spielt neben dem konventionellen, wirtschaftlich leicht zu fördernden Öl auch Schwerstöl im Orinoco-Becken eine große Rolle. "Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass wir jetzt die Nummer eins der Ölreserven sind", verkündete Präsident Hugo Chavez im Januar. Sein Land könne 250 Milliarden Fass fördern. Allerdings meldet Saudi-Arabien Reserven von mindestens 260 Milliarden Fass. Unbestritten ist nirgendwo Benzin so billig wie in dem südamerikanischen Land.

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Große Hoffnung ruht auch auf den unkonventionellen Reserven Kanadas. Hier handelt es sich um Teersand, der etwa seit 2000 im großen Stil im Tagebau gewonnen wird. Allerdings sind die wirtschaftlichen und ökologischen Kosten der Produktion viel höher als in der konventionellen Ölförderung. Insgesamt hat Kanada seine Ölproduktion seit 2006 kaum steigern können, sie ist wegen des Wechsels zu Teersand nur teurer geworden.

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Etwas größer ist der Optimismus in Brasilien. Dort wurden 2007 große Leichtölvorkommen unter einer 2000 Meter dicken Salz- und Felsschicht in einer Meerestiefe von 4000 Metern nachgewiesen - der größte Ölfund der vergangenen Jahrzehnte. Vom Unglück im Golf von Mexiko lässt sich der Staatskonzern Petrobras nicht beirren, er sieht sich als führend in der Tiefseefördertechnik und will zum größten börsennotierten Energiekonzern aufsteigen. Erste Felder der neuen Pré-sal-Reserven werden bereits erschlossen, Brasilien sorgt derzeit für den größten Angebotszuwachs.

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Im Jahr 2010 sind die weltweit nachgewiesenen Ölreserven um 8,5 Prozent auf 1,47 Billionen Fass gewachsen, der größte Zuwachs seit zehn Jahren. Das größte Plus kam aus afrikanischen Ländern wie Uganda. Auf dem Kontinent ist das Ölgeschäft aber auch mit schweren sozialen, politischen und Umweltproblemen verbunden. Im nigerianischen Niger-Delta scheint die wichtigste gegen Regierung und internationale Ölkonzerne kämpfende Rebellengruppe Mend ihre Waffen inzwischen abgegeben zu haben.

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Nicht mehr zur Verfügung stehen wohl große Ölvorkommen im Amazonas-Urwald von Ecuador, wo die bisherige Produktion starken Schaden verursacht hat. Das Opec-Land will den Nationalpark Yasuní schützen und 20 Prozent seines Öls im Boden lassen, wenn es dafür eine Entschädigung von den Industrieländern gibt. Internationale Organisationen sehen darin schon ein Modell für den weltweiten Klimaschutz, doch manche Länder wie Deutschland sperren sich dagegen.

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Auch wenn der Ölpreis nicht dauerhaft über 100 Dollar steigen sollte - für die Verbraucher wird es trotzdem teuer. Benzin kostet bereits jetzt so viel wie zuletzt bei einem Ölpreis von 130 Dollar - ein weiteres Zeichen, dass vor allem die steigende Nachfrage etwa im asiatischen Automarkt den Markt bewegt. Das ist gut für die Betreiber von Raffinerien wie der weltgrößten, der neu gebauten Raffinerie Jamnagar des indischen Reliance-Konzerns. Die Gewinnmargen in der Verarbeitung und Vermarktung steigen wieder, nachdem in den vergangenen Jahren nur die Förderung des Öls einträglich war.

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