Siemens und die Kohle Was Adani in Australien vorhat

Ein neues Kohlerevier erschließen, während Australien brennt - das scheint nicht in die Zeit zu passen. Der indische Milliardär Gautam Adani zeigt sich unbeirrt, und zieht Siemens mit.
1 / 10

Gautam Adani ist laut "Forbes" der zweitreichste Inder. Der Sohn eines Textilunternehmers aus Ahmedabad wurde als junger Mann im Diamantenhandel reich, half dann seinem Bruder beim PVC-Import und baute schließlich sein eigenes Imperium auf. Kohle spielt dabei eine große Rolle. Aktuell trotzt Adani dem Trend und will inmitten der Klimakrise mit Milliardeneinsatz noch mehr von dem fossilen Brennstoff aus der Erde holen.

Foto: REUTERS
2 / 10

Das geplante Carmichael-Bergwerk soll ein neues Kohlerevier in der australischen Provinz Queensland erschließen. Das Bild zeigt den einst größten Tagebau in der Region, die vom Rohstoffkonzern Rio Tinto 2012 aufgegebene Blair Athol Mine. Viele in Queensland hoffen auf neue Arbeitsplätze im Bergbau, auch wenn aus den neuen Anlagen nur Kohle minderer Qualität zu holen sein dürfte, zu heutigen Preisen kaum profitabel. Carmichael soll ab 2021 zehn Millionen Tonnen pro Jahr produzieren, mit einer später möglichen Spitzenleistung von 40 Millionen Tonnen.

Foto: ? Ho New / Reuters/ REUTERS
3 / 10

Das Projekt ist in Australien hochumstritten. Im Juni 2019 kam nach neun Jahren Warten die Umweltfreigabe aus Queensland - einen Monat, nachdem der konservative Kohlefreund Scott Morrison überraschend die Parlamentswahl gewonnen hatte. Morrison steht jetzt wegen der verheerenden Buschbrände und seiner Klimapolitik unter Druck. Adani aber sieht eine Gelegenheit, sein Vorhaben schnell durchzuziehen.

Foto: Pool/ Getty Images
4 / 10

Es war schon die zweite für ihn gewonnene Parlamentswahl im vergangenen Jahr: In Indien konnte die nationalistische Regierung von Narendra Modi ihre Mehrheit ausbauen. Modi stammt wie Adani aus dem westindischen Bundesstaat Gujarat. Der Aufstieg der beiden zur nationalen Macht verlief weitgehend synchron. Adani profitiert von staatlichem Wohlwollen. Die oppositionelle Kongresspartei hatte gedroht, Adanis Geschäfte zu erschweren.

Foto: ADNAN ABIDI/ REUTERS
5 / 10

Adanis Stolz ist der 2001 eröffnete Hafen Mundra in Gujarat, der erste und größte privat betriebene Hafen Indiens. Mehrere große Industrieanlagen wurden angesiedelt, auch BASF will Milliarden investieren. In Mundra errichtete Adani ein Kohlekraftwerk mit neun Blöcken und fast 5 Gigawatt Leistung. Zusammen mit weiteren seitdem gekauften und neu gebauten Anlagen ist Adani heute der größte private Stromproduzent Indiens - dafür wird die Kohle aus Australien gebraucht.

Foto: AMIT DAVE/ REUTERS
6 / 10

Das Carmichael-Projekt hat vor allem in Australien viele Gegner. Aus Sorge vor einem Rufschaden haben etliche Großkonzerne und auch die meisten internationalen Banken eine Zusammenarbeit mit Adani ausdrücklich ausgeschlossen. Die Proteste reichen auch in Touristenorte wie Airlie Beach an der tropischen Küste von Queensland.

Foto: Lisa Maree Williams/ Getty Images
7 / 10

Genau dort nämlich wird die Kohle in die asiatischen Zielländer verschifft. Mehrere große Schiffsrouten verlaufen quer durch das Große Barriereriff, das auch wegen des Klimawandels stark gefährdete größte tropische Korallenriffsystem der Welt.

Foto: Getty Images
8 / 10

Adani verweist darauf, dass Carmichael nur verhältnismäßig wenig zu den schon existierenden starken Kohletransporten addieren würde. Das Bild zeigt den Kohleterminal von Hay Point. 2013 hatte die australische Regierung der UNESCO zugesagt, weitere Ausbauten der Kohleschifffahrt zu stoppen, um den Status als Weltnaturerbe zu schützen. Adani will etwas nördlich in Abbot Point eine bestehende Anlage ausbauen.

Foto: HANDOUT / REUTERS
9 / 10

Um die Kohle aus Carmichael nach Abbot Point zu schaffen, ist zunächst ein Bahnanschluss nötig. Adani hat das australisch-malaysische Joint-Venture Martinus/Gamuda beauftragt, eine 200 Kilometer lange Verbindung zum bestehenden Schmalspurnetz zu bauen. Den Job, diese Linie mit Signaltechnik auszustatten, bekam im Dezember Siemens. Das Volumen wird auf 31 Millionen australische Dollar (19 Millionen Euro) geschätzt, Adani spricht von 50 Jobs - aber die Symbolkraft ist riesig.

Foto: Ian Waldie/ Getty Images
10 / 10

Siemens schaffte es noch, das PR-Desaster zu vergrößern. Konzernchef Joe Kaeser versprach zuerst, die Investition zu prüfen. Dann schien er Klimaaktivistin Luisa Neubauer mit einem Aufsichtsratsmandat kaufen zu wollen. Als diese ablehnte, beschloss Siemens dann doch, an Adani festzuhalten - Vertrag ist Vertrag. Jetzt sind aus "Fridays for Future" eigene Anti-Siemens-Demos entstanden.

Foto: Christian Charisius/ dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.