Von Arnbruck an die Siemens-Spitze Der Aufstieg des Joe Kaeser

Mit Joe Kaeser übernimmt ein echter Siemensianer das Ruder bei dem Münchener Weltkonzern. Siemens kennt der 56-Jährige wie kaum ein anderer. Er hat dort sein gesamtes Berufsleben verbracht. Die wichtigsten Stationen seines Aufstiegs im Überblick.
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Von Arnbruck in die Welt: Geboren als Josef Käser im 2000-Einwohnerort Arnbruck im bayerischen Wald, heuert Joe Kaeser 1980 nach dem Fachochschulstudium in Regensburg bei Siemens an. Sieben Jahre später zieht es den Betriebswirt ins Ausland - erst nach Malaysia, 1995 folgt ein erneuter Auslandseinsatz an der US-Westküste.

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Aus Sepp wird Joe: 1999 kehrt Kaeser nach Deutschland zurück, um den Börsengang in den USA vorzubereiten. Die Auslandserfahrung hinterlässt Spuren: Aus Josef, oder Sepp, wie ihn Freunde in seinem Heimatort Arnbruck nennen, wird Joe. Auch der Familienname wird internationalisiert - der deutsche Umlaut verschwindet. Dabei bleibt Kaeser aber heimatverbunden. Der Vater zweier Töchter wohnt noch immer in Arnbruck, wo seine Frau im Gemeinderat sitzt, und nimmt dort - sofern Zeit bleibt - am örtlichen Leben teil.

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Der Durchbruch in München: Konzernchef Heinrich von Pierer delegiert Kaeser zurück nach München, wo der Bayer im Controlling anheuert und bei der Umsetzung neuer Transparenzregeln mitarbeitet. Danach geht der Aufstieg unaufhörlich weiter: 2001 wechselt Kaeser in die Netzausrüster-Sparte. 2004 beerbt er schließlich den späteren Siemens-Chef Klaus Kleinfeld als Strategieschef.

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Aufstieg und Krise: 2006 steht der nächste Karriereschritt an. Kaeser folgt dem scheidenden CFO Heinz-Joachim Neubürger auf den Posten des Finanzchefs und rückt in den Zentralvorstand auf. Die Korruptionsaffäre fliegt auf. Joe Kaeser muss vor Gericht aussagen und wirft der alten Konzernführung Versäumnisse vor. Selbst übersteht er die schwere Krise allerdings ohne erkennbare Blessuren. Wie seine Vorgänger schafft sich auch Kaeser immer mehr eine Machtposition im Konzern - die Basis dafür bilden neben seinem über die Jahre geschaffenen Netzwerk auch gute Kontakte zu den Arbeitnehmern. Mit denen hatte er schon früh in seiner Karriere harte Kämpfe auszufechten, hat sich aber auch deren Respekt verschafft.

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In Löschers Schatten: 2007 geht Klaus Kleinfeld als Siemens-Chef. Siemens Chefaufseher Gerhard Cromme holt von außen den Österreicher Peter Löscher. Und Siemens zieht mit einer Milliardenbuße einen Schlussstrich in der Korruptionsaffäre. In der Finanzkrise profiliert sich Kaeser weiter. Für den Konzern besorgt er eine Banklizenz, um sich von den strauchelnden Banken unabhängiger zu machen. Im Topmanagement ist er mittlerweile fast der letzte der alten Garde.

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Der Bart ist ab: Kaeser sagt offen nie ein Wort gegen Löscher, aber eine gewisse Rivalität, wie sie bei Siemens schon Tradition hat, ist durchaus spürbar. Kaeser liebt den großen Auftritt - und er hat nie Zweifel daran gelassen, dass er sich für den Vorstandsvorsitz geeignet hält. Er ist locker, kennt die Zahlen wie kein Zweiter, wird von außen geschätzt.
Den letzten Schritt macht Kaeser, der "Omar Sharif vom Wittelsbacher-Platz" wie sie ihn nennen, Ende 2012. Zum Dinner am Vorabend der Bilanzpräsentation erscheint er noch mit gewohntem Schnauzbart. Am nächsten Morgen auf dem Podium ist der weg. Ein Symbol? "Wenn Sie das als Aufbruch deuten, freut uns das", entgegnet er. Und übt - wenn auch indirekt - Kritik an Löscher, der angesichts der enteilenden Konkurrenz Sparprogramm und Stellenabbau verkünden muss. "Es wäre günstiger gewesen, wenn wir etwas früher eingebremst hätten", sagt er. Jetzt kann er zeigen, wie man es besser macht.

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