Siemens, Daimler, Ferrostaal Die größten Korruptionsfälle Deutschlands

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Wer sich mit Korruption in der deutschen Wirtschaft beschäftigt, kommt am Siemens-Konzern nicht vorbei. Im Herbst 2006 stürmten mehrere hundert Beamte in Siemens-Geschäftsräume an zahlreichen Standorten sowie in Privatwohnungen hoher Mitarbeiter. Die Razzia bildet den Auftakt zur wohl größten Korruptionsaffäre der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

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Einige Topleute - darunter der ehemalige Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt - kamen vorübergehend in Untersuchungshaft. Erst Jahre später wurde ein Verfahren gegen Ganswindt gegen Geldauflage eingestellt.

Der Vorwurf gegen Siemens: Bei dem Konzern soll es jahrelang ein umfangreiches System von Schmiergeldzahlungen gegeben haben, mit denen sich der Konzern lukrative Aufträge beschafft haben soll. Das Unternehmen wurde deshalb später zur Zahlung einer dreistelligen Millionenstrafe verurteilt, was Siemens akzeptierte. Zudem überwies Siemens einen hohen dreistelligen Millionen-Dollar-Betrag in die USA, um auch die dortigen Behörden zufrieden zu stellen.

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Im Zuge der Korruptionsaffäre gab "Mr. Siemens" Heinrich von Pierer 2007 den Vorsitz des Aufsichtsrates auf und verließ das Unternehmen. Von Pierer war zuvor seit 1969 bei Siemens tätig gewesen, unter anderem von 1992 bis 2005 als Vorstandschef.

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Auch Klaus Kleinfeld, Siemens-Chef von 2005 bis 2007, trat während der Korruptionsaffäre ab. Kleinfeld hatte eine vorzeitige Vertragsverlängerung gefordert, was der Aufsichtsrat ihm jedoch angesichts der laufenden Enthüllungen über das Unternehmen verweigerte.

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Mit einer Razzia begann im Frühjahr 2009 auch die Korruptionsaffäre des Lkw-Bauers MAN. Die heutige Tochter des Volkswagen-Konzerns soll sich mit unerlaubten Zahlungen in mehr als 20 Ländern Großaufträge etwa für Busse und Lkw beschafft haben.

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Mehrere MAN-Topmanager verloren im Laufe der Affäre ihren Job, darunter auch Håkan Samuelsson, von 2005 bis 2009 Vorstandschef des Unternehmens. Die MAN AG bezifferte den Schaden, der dem Konzern durch die Schmiergeldaffäre entstanden sei, später auf mehr als 250 Millionen Euro, davon allein rund 150 Millionen Euro an Geldbußen.

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2010 kam die Korruptionsaffäre um den Industriedienstleister Ferrostaal ins Rollen, bei der die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bis hinauf zur Vorstandsspitze reichten. Das frühere MAN-Tochterunternehmen soll sich Auslandsaufträge in Milliardenhöhe mit Schmiergeldern beschafft haben. Unter anderem ging es dabei den Vorwürfen zufolge um U-Boot-Lieferungen an Griechenland.

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Nachdem sie die Vorwürfe eingeräumt hatten, wurden im Dezember 2011 zwei Topmanager von Ferrostaal zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt. Ferrostaal erhielt eine Geldstrafe von weit mehr als 100 Millionen Euro.

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Die gescheiterte "Hochzeit im Himmel" mit dem US-Autobauer Chrysler ist nicht die einzige unerfreuliche Episode der Daimler AG in den Vereinigten Staaten: 2010 wollte die US-Justiz den Konzern wegen Schmiergeldzahlungen in 22 Ländern verklagen.

Von 1998 bis 2008, so die US-Behörden in ihrer bereits ausformulierten Klageschrift, habe Daimler Regierungsbeamte vor allem in Süd- und Osteuropa, in Afrika sowie in Asien bestochen, um Lastwagen, Kleintransporter, Busse und Pkw besser verkaufen zu können. Laut US-Börsenaufsicht SEC erzielte das Stuttgarter Unternehmen auf diese Weise zusätzliche Gewinne von beinahe 100 Millionen Dollar.

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Ein langwieriges und öffentlichkeitswirksames Gerichtsverfahren in den Vereinigten Staaten wollte Dieter Zetsche, seit 2006 Vorstandschef von Daimler, seinem Unternehmen seinerzeit offensichtlich ersparen. Er einigte sich mit den US-Behörden auf einen Vergleich, wonach Daimler 185 Millionen Dollar Strafe zu zahlen hatte. Damit war die Affäre für Daimler beendet.

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Die Korruptionsaffäre, die die Fantasie der Beobachter am meisten angeregt haben dürfte, war vermutlich jene von Volkswagen. Es ging unter anderem um Luxusreisen und käufliche Damen für Betriebsräte von Europas größtem Autobauer - auf Unternehmenskosten versteht sich. So wollte das VW-Management offenbar das Wohlwollen der Arbeitnehmerseite gewinnen.

2005 hatte der "Spaß" allerdings ein Ende, da kamen die Interna an die Öffentlichkeit.

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Eine der Hauptfiguren der VW-Affäre: Der seinerzeitige Personalvorstand Peter Hartz (l., neben ihm sein Anwalt). Der Mann, dessen Name mit den von ihm erfundenen Sozialleistungen in den alltäglichen Sprachgebrauch einging, musste im Juli 2005 seinen Posten im VW-Vorstand räumen. Später wurde er zudem noch zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt.

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Noch übler erging es dem früheren VW-Betriebsratschef Klaus Volkert. Er musste nicht nur als Arbeitnehmervertreter abtreten, sondern kam vorübergehend auch in Untersuchungshaft. Volkert wurde später ebenfalls wegen Untreue verurteilt.

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Mit Damen aus dem Rotlichtmilieu haben auch Vertriebskräfte des Versicherers Ergo ihre Erfahrungen gemacht. Das "Handelsblatt" enthüllte 2011 eine Sex-Party in Budapest, zu der das Unternehmen seine besten Leute eingeladen hatte. Später kamen weitere Details über derartige "Incentive-Events" an die Öffentlichkeit.

In diesem Fall dürfte der Tatbestand der Korruption allerdings kaum erfüllt sein. Die Ergo Versicherung hatte die Kosten für Prostituierte und Zuhälter, mit denen sie ihre Mitarbeiter motivieren wollte, vielmehr ganz offiziell als Betriebsausgaben von der Steuer abgesetzt.

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Und schließlich Bilfinger: Bei dem Mannheimer Bau- und Servicekonzern hat es offenbar deutlich mehr Korruptionsfälle gegeben als bislang bekannt. Der Compliance-Bericht des Unternehmens für das erste Quartal 2015 liste insgesamt 29 neu aufgedeckte Verdachtsfälle seit April 2014 auf, berichtet das manager magazin in seiner neuen Ausgabe, die ab Freitag (19. Juni) im Handel ist.

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