RWE in Trümmern Aufstieg und Absturz einer westdeutschen Industrie-Ikone

Noch vor wenigen Jahren strotzte RWE vor Macht. Doch Energiewende und Atomausstieg den Energiekonzern an den Rand des Abgrundes gebracht. manager-magazin.de dokumentiert den Niedergang eines einst stolzen Unternehmens.
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Es ist eine Art Offenbarungseid vor den Aktionären: Für 2015 streicht RWE die Dividende radikal zusammen, hat RWE-Chef Peter Terium verkündet. Anleger fliehen in Scharen. Was für ein Absturz, was für ein neuer Tiefpunkt des Essener Energieversorgers, der sich zuvor zu einem der mächtigsten deutschen Konzerne überhaupt aufgeschwungen hatte.

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In Essen 1898 gegründet, war die Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk AG aufs Engste mit der Ruhrindustrie verbunden - die Grundlage für den beispiellosen Aufstieg des Unternehmens.

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Das Erfolgsrezept: RWE förderte Kohle in eigenen Zechen und erzeugte vor Ort daraus günstigen Strom. So gewann das Unternehmen wichtige und zahlungskräftige Industriekunden. Schon vor mehr als 100 Jahren nutzte RWE nach der Stein- auch Braunkohle.

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In den 20er-Jahren gelang RWE ein historischer Coup, der Bau von Europas erster langen 220-Kilovoltleitung. Die Leitung transportierte nachts überschüssigen Braunkohlestrom aus dem Ruhrgebiet in die Alpenregion und tagsüber...

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...Elektrizität aus Wasserkraftwerken und Speichern zurück in die heimische Industrieregion. So konnte RWE seine Kohlekraftwerke und -Bergwerke optimal auslasten.

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Dieses Geschäft funktionierte auch noch in der jungen Bundesrepublik, doch die Atomkraft änderte alles. RWE entschied sich 1969 für den Bau des Kernreaktors Biblis A. Damit begann auch die Zeit, in der der Konzern zur Zielscheibe für Umweltschützer wurde.

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Unter Druck geriet RWE auch wegen seiner Braunkohlekraftwerke, die Umweltschützer für das so genannte Waldsterben verantwortlich machten.

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Doch der Essener Konzern ließ Kritik abprallen. Als Dänemark Anfang der 80er-Jahre verstärkt auf Windkraft setzte, baute auch RWE eine Versuchsanlage namens Growian auf. Ziel des Vorhabens: "Zeigen, dass es nicht geht", wie ein damaliger RWE-Manager bemerkte. Eine historische Fehleinschätzung.

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Auch für die Solarenergie hatten RWE-Topmanager lange nur Verachtung übrig. Noch etwa 2011, als Bürger bereits zu Hunderttausenden Fotovoltaikanlagen auf ihre Dächer schraubten, erklärte der damalige RWE-Chef Jürgen Großmann, Solaranlagen in Deutschland seien so sinnvoll wie die Ananaszucht in Alaska.

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Statt auf saubere Energieträger zu setzen, hatte RWE schon länger versucht, sich als internationaler Allround-Versorger zu positionieren. Doch Ausflüge ins Geschäft mit der Telekommunikation (Telliance, später Otelo) und der Wasserversorgung blieben fruchtlos, der zugekaufte Versorger Essent (Niederlande) erwies sich als teuer.

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Endgültig verspielte RWE seinen Reichtum mit einem milliardenschweren Großinvestitions-Programm für Kohlekraftwerke. Anlagen wie die in Hamm wurden später kaum benötigt.

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Und dann auch noch Fukushima. Die Atomkatastrophe führte dazu, dass Deutschland den Ausstieg aus der Atomkraft beschleunigte.

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Unter dem Druck der Straße ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zahlreiche Meiler sofort abschalten. Alle weiteren bekamen ein festes Laufzeitende vorgeschrieben. Für RWE ist am 31.12.2022 endgültig Schluss mit der Kernkraft - dann geht der Meiler Emsland vom Netz.

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Ein weiterer Sargnagel für RWE: Etwa zu der Zeit des Atomunglücks von Fukushima begannen die Preise für Solaranlagen rapide zu sinken. Die Nachfrage explodierte in Deutschland, weil die festen Vergütungssätze nicht schnell genug gesenkt wurden. Der Börsenstrompreis brach wegen des Überangebots ein, Kraftwerke liefen immer seltener. Die Wirtschaftskrise dämpfte die Nachfrage nach RWE-Strom ebenfalls.

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Inzwischen ist fraglich, ob die laufenden Einnahmen des Unternehmens noch für den kostpieligen Rückbau der Atomkraftwerke reichen.

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Auch der klimaschädlichen Braunkohle geht es inzwischen an den Kragen: Demonstranten hielten zuletzt einen Tagebau besetzt, Politiker fordern einen Ausstiegsplan.

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Rolf Martin Schmitz (l.) und Peter Terium: Diese zwei Herren sollen nun das unmöglich scheinende möglich machen - RWE retten. Dazu hat sich der Konzern aufgespalten und konventionelle Kraftwerke vom Geschäft mit Ökostrom und Netzen getrennt. Doch nach dem Dividenden-Schock muss sich zeigen, ob die kommunalen Großaktionäre noch zu den Topmanagern stehen.

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