Kräftiger Pkw-Absatzrückgang in Russland Wie die Autokonzerne auf das russische Absatzdrama reagieren

Um rund 43 Prozent sind die Pkw-Verkäufe in Russland zuletzt eingebrochen. GM und Opel ziehen deshalb die Reißleine, manche Konkurrenten stoppen die Produktion vorübergehend. Wie die großen Player auf die dramatische Lage reagieren - und wer vorerst verschont bleibt.
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Lange galt Russland als nächster großer Hoffnungsmarkt der Autobranche, nun jedoch befindet sich das Land auf großer Talfahrt: Im März sind nach Angaben des Branchenverbands AEB mit knapp 140.000 Neuwagen 42,5 Prozent weniger verkauft worden als ein Jahr zuvor. Damit beschleunigte sich die Talfahrt weiter, nachdem der Absatz im Februar schon um 38 Prozent zurückgegangen war. Westliche Hersteller ziehen deshalb teils drastische Konsequenzen.

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Opel zieht sich bis Dezember 2015 vollständig aus dem russischen Markt zurück. Die Perspektive sei nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig nicht gut, begründete Opel seinen Rückzieher. Alleine im Januar und Februar sind Opels Verkäufe um 82 Prozent zurückgegangen. Die Produktion im Werk in St. Petersburg, wo auch der Astra vom Band läuft, wird bereits Mitte des Jahres eingestellt.

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Die Opel-Mutter General Motors nimmt ihre Massenmarke Chevrolet fast vollständig vom russischen Markt. Opel und Chevrolet setzt der Verfall des russischen Rubels zu, zudem ist der Lokalisierungsgrad der Produktion in St. Petersburg vergleichsweise gering. Mehr als die Hälfte aller Teile müssen importiert werden. Der Abschied aus Russland kostet Opel bis zu 600 Millionen Dollar.

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Ford hat wegen der Russland-Absatzkrise das Ziel aufgegeben, noch in diesem Jahr Gewinne in Europa zu schreiben. Im vergangenen Jahr machte Ford in Europa eine Milliarde Dollar Verlust - vor allem wegen der Rückgänge in Russland. „Wir sehen viel stärkere Auswirkungen aus Russland“, gab Finanzchef Bob Shanks Ende Januar zu.

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Im Januar und Februar verkaufte Ford um 70 Prozent weniger Pkw in Russland als noch im Vorjahreszeitraum. In einem Ford-Werk in Russland streiken Mitarbeiter, weil sie wegen Produktionsausfällen kräftige Lohneinbußen hinnehmen mussten - und nun wissen wollen, wie es in diesem Jahr weitergeht. Ein Rückzug sei jedenfalls keine Option, heißt es bei Ford.

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Auch Volkswagen hat mit der Absatzkrise zu kämpfen. Um 40 Prozent gingen die VW-Verkaufszahlen in diesem Jahr bereits zurück. Das Russland-Geschäft habe im vergangenen Jahr "dreistellige Millionenbeträge" gekostet, sagte VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh vor einigen Wochen. In Summe sei Russland aber kein Verlustgeschäft. VW betreibt seit 2006 eine Fabrik im russischen Kaluga (im Bild) und will bis 2018 rund eine Milliarde Euro in Russland investieren. Dennoch fährt VW die Produktion in Kaluga vorerst zurück.

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Eine erste Konsequenz hatte der Volkswagen-Konzern schon im November gezogen: Die Konzernmarke Seat zieht sich noch in diesem Jahr komplett aus Russland zurück. Merken werden das nur wenige, Seat war in Russland bisher eine Nischenmarke. Einigermaßen gut läuft es dagegen für Skoda: Die tschechische VW-Tochter hielt ihre Verkaufszahlen in Russland zuletzt stabil. Auch ...

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... die Lkw-Tochter MAN zog jüngst Konsequenzen: MAN setzt die Produktion in Sankt Petersburg aus, wo der Konzern mit 88 Mitarbeitern eine dreistellige Zahl an Lastwagen pro Jahr herstellt.

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Auch Russlands meistverkaufte Automarke Lada, die mittlerweile zu Renault-Nissan gehört, kämpft mit kräftigen Verkaufsrückgängen: In diesem Jahr ging der Absatz um 25 Prozent zurück - und das trotz mehrerer neuer Modelle wie etwa dem gemeinsam mit Renault entwickelten Granta (im Bild). Zu etwaigen Produktionskürzungen hat sich Lada bislang noch nicht geäußert.

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Nissan ist Russlands viertgrößte Automarke, die ebenfalls unter dem darbenden Markt leidet. Zuletzt gingen die Verkäufe um ein Drittel zurück, Nissan stoppte deshalb die Produktion in seinem St. Petersburger Werk bis Ende März.

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Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn (im Bild) rechnet damit, dass der russische Automobilmarkt in diesem Jahr um mindestens 20 Prozent schrumpft. Renaults Pkw-Verkaufszahlen gingen in den ersten zwei Monaten um satte 40 Prozent zurück. Pläne für etwaige Produktionskürzungen hat er noch nicht bekanntgegeben. Doch es gibt auch eine Handvoll Marken, die bisher von der Krise wenig spüre.

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Hyundai etwa konnte seine Verkaufszahlen in diesem Jahr um 2 Prozent steigern, die Tochter Kia stieg mit einem moderaten Minus von 4 Prozent ebenfalls noch relativ gut aus. Ein Grund dafür: Trotz des stark gefallenen Rubel haben die beiden koreanischen Marken ihre Verkaufspreise einigermaßen stabil gehalten. Der Marktanteil ist damit drastisch gestiegen, viel verdient haben die Koreaner aber wohl kaum daran.

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Mercedes trotzt dem allgemeinen Abwärtssog - und legte in Russland zuletzt bei den Verkäufen sogar um 18 Prozent zu. Ein möglicher Grund dafür: Wohlhabende Russen sehen Autos in Krisenzeiten als Anlageobjekte - und schlagen noch schnell zu. Doch ewig wird dieser Effekt nicht anhalten. Daimler-Finanzchef Bodo Uebber erklärte bereits, dass die Marktsituation zunehmend schwieriger wird – bei Lkws geht die Nachfrage bereits stark zurück.

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Deutlich trüber ist die aktuelle Lage für Audis Russland-Geschäft: Die Ingolstädter verkauften im Januar und Februar um 23 Prozent weniger Autos als noch vor einem Jahr. Lokale russische Medien berichten, dass die Ingolstädter die Fertigung dreier Audi-Modelle im russischen Kaluga vorerst gestoppt haben.

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BMW hingegen hat sich in diesem Jahr vergleichsweise gut geschlagen - in den ersten zwei Monaten stiegen die Verkaufszahlen in Russland um 3 Prozent. Die BMW-Führungsriege weiß allerdings um die Risiken im Russland-Geschäft und gibt sich deshalb vorsichtig. Pläne für Produktionskürzungen wurden bisher noch nicht bekannt.

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Vertreter des AEB üben sich derweil in Zweckoptimismus. In diesem Jahr werden zwar nur noch 1,89 Millionen Neuwagen in Russland verkauft. Das werde schwer, aber nicht so schlimm wie 2009, heißt es bei dem Verband. Vor sechs Jahren war der Pkw-Absatz um fast die Hälfte eingebrochen auf 1,46 Millionen Fahrzeuge.

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