Chronologie Rupert Stadler und der Dieselskandal

Vier Monate lang lernte Rupert Stadler ein Gefängnis von innen kennen: Münchner Staatsanwälte nahmen den Audi-Chef im Juni 2018 fest und steckten ihn in Untersuchungshaft. Ende Oktober 2018 wurde Stadler gegen Auflagen entlassen. Gegen Audi ermittelten Juristen seit 2017, nach mehreren Durchsuchungen der Audi-Zentrale filzten die Ermittler auch die Privatwohnung von Stadler. Eine Chronologie der Ereignisse.
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Im September 2015 kommt der Dieselskandal ins Rollen. Während VW-Chef Winterkorn und Audi-Cheftechniker Ulrich Hackenberg binnen Tagen ihre Posten räumen müssen, bleibt Rupert Stadler Chef der VW-Premiummarke Audi. Der Manager Stadler beteuert, dass er bis kurz vor Aufkommen des Abgasskandals nichts von den illegalen Abschalteinrichtungen in Audi-Dieseln gewusst habe. Vorwürfe der Trickserei wies er lange zurück. Das tat er zuletzt nicht mehr, sondern entschuldigte sich jedes Mal deutlich für Verfehlungen im Konzern.

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Obwohl bald klar ist, dass Audi die Keimzelle der Software-Manipulationen ist, bleibt Stadler weiterhin im Amt. Deutlich näher kommen die Einschläge für ihn erst im Jahr 2017. Im März 2017 - just während Stadler Jahreszahlen präsentiert - lässt die Staatsanwaltschaft Audi-Büros in Ingolstadt und Neckarsulm durchsuchen. Es geht zunächst um 80.000 Fahrzeuge, ...

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... die für den US-Markt bestimmt waren. Im Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen Verdacht des Betrugs und der strafbaren Werbung soll die Durchsuchung vor allem dazu dienen herauszufinden, welche Personen beteiligt waren und sind. Kurz zuvor hatte Volkswagen als Mutterkonzern von Audi bei den US-Behörden eigene Verfehlungen eingeräumt sowie zugegeben, dass auch Audi an der Täuschung der US-Behörden mitgewirkt habe.

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Anfang Februar 2018 führt die Staatsanwaltschaft München II erneut Razzien in der Ingolstädter Zentrale der Volkswagen-Tochter Audi und im Audi-Werk in Neckarsulm durch. Es geht mittlerweile um den Verdacht, Audi könne womöglich mehr als 200.000 Dieselfahrzeuge für den europäischen und den US-amerikanischen Markt manipuliert haben. Nur wenige Tage zuvor waren auch die Wohnungen von sechs heutigen oder früheren Audi-Motorentechnikern durchsucht worden.

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Am 30. Mai 2018 weitet die Staatsanwaltschaft München II die Ermittlungen erneut aus. Die Untersuchungen richten sich nun auch gegen Audi-Chef Rupert Stadler und ein weiteres Mitglied im Vorstand ...

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... beiden Managern wird Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung zur Last gelegt. Dabei geht es um den Vorwurf, dass Dieselfahrzeuge mit manipulierter Software auf den europäischen Markt gebracht wurden. Staatsanwälte verdächtigen Stadler, den Verkauf solcher Wagen in Europa auch nach Aufdeckung der Betrügereien in den USA 2015 geduldet zu haben. Die Ermittler kamen Stadler noch näher, ließen dann im Juni 2018 die Privatwohnung von Stadler und eines weiteren aktiven Audi-Vorstands filzen - und Telefongespräche abhören.

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In einem von den Ermittlern abgehörten Telefonat soll Stadler erwogen haben, einen Zeugen im Ermittlungsverfahren der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen Porsche zu beeinflussen. Das war Grund genug für einen Haftbefehl. Als eine Haftrichterin am Montag, 18. Juni 2018, Stadler damit konfrontiert, verweigert er nach verschiedensten Berichten die Aussage. Die Richterin schickte den 55-jährigen Manager deshalb ins Gefängnis in Untersuchungshaft. Sie sah akute "Verdunkelungsgefahr" in dem Fall.

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Am 19. Juni 2018 bestimmt Audi den bisherigen Marketingvorstand Bram Schot (im Bild) zum Interims-CEO. Stadler blieb vorerst pro forma im Amt, sein Funktion ruhte. Erst Anfang Oktober 2018 gab der Volkswagen-Konzern die endgültige Trennung von Stadler bekannt und erklärte damals, dieser Schritt sei einvernehmlich. Mitte Oktober akzeptierte Audi eine Strafzahlung über 800 Millionen Euro in Deutschland. Die Ermittlungen gegen das Unternehmen Audi sind damit von der Staatanwaltschaft abgeschlossen, jene gegen Personen gehen weiter ...

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... doch knapp zwei Wochen nach der Bußgeldzahlung ist auch der langjährige Audi-Chef Stadler aus der der Untersuchungshaft entlassen: Am 30.10.2018 teilte Oberlandesgericht München mit, der Haftbefehl vom Juni sei nun gegen Auflagen außer Kraft gesetzt. Stadler muss den Kontakt zu den für das Ermittlungsverfahren relevanten Personen vermeiden und eine Kaution hinterlegen. Der Betrugsverdacht im Zusammenhang mit der Abgasaffäre bestehe weiter, erklärten die Staatsanwälte.

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Ohne Ämter hatte Stadler mit seiner Haftbeschwerde beim Oberlandesgericht Erfolg, die vom Landgericht im August noch abgewiesen worden war. Stadler war elf Jahre lang Audi-Chef gewesen, seit 2007. Wegen des Dieselskandals sitzen bereits seit vergangenem Jahr ein ehemaliger Audi-Manager sowie der ehemalige Porsche-Motorenchef in Untersuchungshaft. In den USA gibt es zudem einen Haftbefehl gegen Ex-Volkswagenchef Martin Winterkorn (Bild). Dieser ist in Deutschland aber bislang vor einer Auslieferung sicher.

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