Reimann, Schaeffler, Quandt Das sind die reichsten Deutschen

Von Reinhold Würth bis Susanne Klatten: Das sind die 10 reichsten Deutschen.
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Platz 10: Familie Würth
Würth-Gruppe, Künzelsau (Befestigungstechnik, Werkzeughandel), 9 Mrd. Euro (+ 0,2 Mrd.)

Den Begriff Schraubenkönig, möge er auch noch so zutreffend sein, mag Reinhold Würth gar nicht. Dabei hat er doch in fünf Jahrzehnten aus dem beschaulichen Künzelsau ein Handelsimperium rund um die kleinen (und natürlich auch großen) Festmacher zusammengenietet, das seinesgleichen sucht. Mehr als 10 Milliarden Euro Umsatz wurden zuletzt registriert. Nun gut, dann ernennen wir den 81-Jährigen eben zum Schraubenkaiser. Solche Herrscher amtierten ja in der Vergangenheit ewig und von Gottes Gnaden. Um seinem Reich auch für die überschaubare Zukunft den Platz ganz oben in der Schraubenweltrangliste zu sichern, stellt sich dem Patriarchen auf seine nicht mehr ganz jungen Tage allerdings die Herausforderung der Digitalisierung. Denn in einer Zeit, in der alles, wirklich alles, (auch) online verkauft wird, bleibt die Würth-Gruppe bei ihrem Leisten und setzt vor allem auf des Kaisers Vertreterheer. Das hat den großen Vorteil, dass er es, wenn er denn Anflüge von Sesselkleberei unter seinen Truppen wittert, in regelmäßigen Abständen mit kernigen Ansprachen wieder raus zum Kunden treiben kann. Aber Schrauben sind, alles in allem, auch nur Dutzendware. Deshalb preschen der US-Konkurrent Grainger und diverse andere WWW-Unternehmungen ins Onlinegeschäft mit der Gewinde-Ware. Und auch Handelsgigant Amazon, mutmaßen Netzkundige, zieht für seinen Schraubenauftritt gerade die letzten Muttern fest. Im Internet hat schon mancher Platzhirsch seinen Meister gefunden. Würth, muss sich also sputen, wenn er verhindern will, dass sein liebevoll angeschraubtes Ruhmesportrait in nicht allzu ferner Zukunft von der Wand fällt.

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Platz 9: Klaus-Michael Kühne
Kühne + Nagel, Schweiz; Hapag-Lloyd, Hamburg (Logistik, Schifffahrt), 9,4 Mrd. Euro (+ 1,5 Mrd.)

Klaus-Michael Kühne (79) gehört zu den wenigen Milliardären, die auch in irrationale Branchen investieren. Anders ist sein Engagement beim Fußballclub Hamburger SV nicht zu erklären. Seit Jahren pumpt er Millionen in den Verein, aber außer zwei haarscharf abgewendeten Abstiegen ist bislang wenig dabei herausgesprungen. Immerhin: Beim Fußballgeschäft zählt immer auch die emotionale Rendite, und die kann nach einem Sieg etwa gegen den Nordrivalen Werder Bremen schon wieder ganz anders aussehen. Leisten kann sich Kühne die Überweisungen an den HSV allemal. Sein Logistikkonzern Kühne + Nagel läuft so gut, dass sich der knorrige Patriarch sorgenfrei diversen anderen Unternehmungen widmen kann: Ob er nun ein neues Luxushotel in Hamburg bauen lässt, bei der Güterbahnfirma VTG einsteigt oder sein (allerdings ebenfalls bisher wenig erbauliches) Investment in die Reederei Hapag-Lloyd pflegt. Das alles dient, so ließ Kühne wissen, der Diversifizierung. Denn die Holding in der Schweiz, unter der Kühne seine Assets gebündelt hat, sei doch arg abhängig von den Dividenden von Kühne + Nagel (Umsatz: 18 Milliarden Euro), wo er die Mehrheit der Anteile in seinem Depot sicher verwahrt weiß. Die brachte Kühne zuletzt etwa 300 Millionen Euro Dividende ein, womit sich ja noch das eine oder andere anfangen lässt. Beispiel gefällig? Im Frühjahr hat er sich für 400 Millionen Dollar einen 141 Meter hohen Wolkenkratzer mitten in Vancouver geleistet. Dessen Name ist Programm: Royal Centre. Wer mal vorbeischauen will: Die Adresse lautet 1055 W Georgia St, Vancouver, BC V6E, Kanada.

Foto: Christian Charisius/ picture alliance / dpa
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Platz 8: Heinz Hermann Thiele
Knorr-Bremse, München; Vossloh, Werdohl (Autozulieferer, Bahntechnik), 9,5 Mrd. Euro (unverändert)

Unverzagt macht Heinz Hermann Thiele (75) damit weiter, was er immer gemacht hat: Blick nach vorn und Vollgas. Über Hindernisse, die weniger robuste Geister verzagen ließen, braust er einfach hinweg. So kommt man schneller ans Ziel, jedenfalls wenn man sich um Kollateralschäden nicht schert. Gerade liefert er sich einen erbitterten Bieterkampf mit dem Autozulieferer ZF Friedrichshafen um den schwedischen Konkurrenten Haldex, Ende offen. Mit seinem anderen Fuß steht er auf dem Gas beim Bahntechnikkonzern Vossloh, den er, ebenfalls gegen erheblichen Widerstand uneinsichtiger Geister, unter seine Kontrolle gezwängt hat. Mit seiner Methode, das sei eingestanden, hat Thiele Großes geschaffen. Seit er die marode Bremsenfirma Knorr 1985 übernahm (fast komplett auf Pump, übrigens), trieb er den Umsatz von 254 Millionen Euro auf 5,8 Milliarden. Seine Technik sorgt dafür, gewaltige Massen wie Lkw oder Züge verlässlich zu stoppen. Ob sie auch den Tatendrang der Konzerneigners stoppen könnten, ward noch nicht erprobt, muss aber ernsthaft bezweifelt werden. Denn dem Senior den Schwung zu nehmen, gelingt ja nicht mal seiner eigenen Familie. Im Sommer 2015 verließ sein Sohn Henrik (48) Knall auf Fall den Knorr-Konzern, weil er mit dem Vater, der pro forma nur noch den Aufsichtsrat führt, aneinander geraten war. Das war nicht einfach nur ein Familienzwist, schließlich gehören Thiele junior formell 36,6 Prozent des Konzerns. Aber für alle Fälle hat sich Thiele senior die Stimmenmehrheit in die Statuten gießen lassen. Sicher ist sicher.

Foto: Knorr-Bremse
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Platz 7: Familie Otto (im Bild Michael Otto)
Otto Versand, ECE, Hamburg, 12 Mrd. Euro (+ 3,8 Mrd.)

Bei der altehrwürdigen Otto Group wird neuerdings hierarchieübergreifend geduzt. Das soll, natürlich, den Kulturwandel fördern, also den Laden auf Zack bringen, damit der Familienbetrieb gegen Onlineriesen wie Amazon nicht noch weiter zurückfällt. Mehr als 120 Unternehmen zählen die Ottos zu ihren Besitztümern, darunter neben dem Versandhandel den Paketdienst Hermes, die Filialisten Sport-Check, My Toys oder Crate & Barrel in den USA sowie den Einkaufszentren-Betreiber ECE. Und man muss ihnen zugute halten, dass sie dem Sterben des deutschen Kataloggeschäfts (Quelle ist tot, Neckermann fristet als kleinerer Webshop ein karges Dasein) entronnen sind. Bisher, jedenfalls. Natürlich haben sich die Ottos dem Internet längt verschrieben, und die Hälfte des erhandelten Umsatzes kommt bereits aus dem Netz. Aber ob das zum Überleben reicht? Schließlich ist der Umsatz, zuletzt gut zwölf Milliarden Euro, in den vergangenen 15 Jahren auf gut die Hälfte zusammengeschnurrt. Patron Michael Otto (73) glaubt jedenfalls so fest an seinen Betrieb, dass er die Mehrheit der Anteile in die Hände einer Stiftung gelegt hat. Sie dämmt auch Familienzank ein, der den Laden lahmlegen könnte. Das Stiften fiel Otto aber auch deswegen leicht, weil sein Sohn Benjamin (41), Enkel der 2011 verstorbenen Wirtschaftswunder-Ikone Werner Otto, vergangenes Jahr darauf verzichtet, wie einst sein Vater CEO zu werden. Ob die Duzerei neue Kräfte entfacht oder nicht: Großkapitalisten werden die Ottos bleiben, schon wegen ihres üppigen Immobilienbesitzes in Nordamerika. Da gebieten sie über fast 9 Millionen Quadratmeter Büroflächen (etwa in New York oder San Francisco), 8300 Wohnungen in Toronto und mehr als eine Million Quadratmeter Gewerbefläche. Für die Rente dürfte es also reichen.

Foto: Otto
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Platz 6: Familie Theo Albrecht Jr. (im Bild Babette Albrecht)
Aldi Nord, Essen (Einzelhandel, Immobilien) 17,2 Mrd. Euro (+ 0,3 Mrd.)

Jahrzehntelang war das Discountimperium der Albrechts ähnlich abgeschottet wie Nordkorea. Über Eigner, Umsätze und Gewinne ließ sich trefflich orakeln, denn nichts Genaues wusste man nicht. Nur dass die Brüder Theo und Karl Albrecht die Gründer von Aldi waren und sie sehr, sehr vermögend sein mussten, das war einigermaßen klar. Aber wie, zum Beispiel, sahen die Herren aus? Niemand wusste es. Die Handelsherrscher, die ihr Reich früh in Aldi Nord und Aldi Süd aufgeteilt hatten, zogen es vor, Phantome zu bleiben. Das gelang ihnen und ihren Familien bis zu ihrem Lebensende vortrefflich: Theo verschied 2010, Karl 2014. Seither poppen die Indiskretionen aus dem Albrecht-Reich heraus wie das Popcorn aus der heißen Pfanne. Als die, die den Deckel angehoben hat, verdächtigen diejenigen Albrechts, die lieber alles so verschwiegen gelassen hätten wie gehabt, Babette Albrecht, die Witwe des 2012 verstorbenen Berthold, einem Sohn von Theo. Erst ging sie in die Öffentlichkeit, als sie ihren gutgläubigen Gatten vom einem Kunstberater geprellt sah. Dann verkeilten sich die Familienstränge in einem Machtkampf darüber, wer in den Stiftungen, die die wahre Macht bei Aldi haben, das Sagen hat. Die mandatierten Rechtsanwälte, sicherlich keine aus dem Discounterregal, reiben sich die Hände. Zwecks Verteidigung gegen die wildgewordene Witwe brach Theo Albrecht junior gar mit einem Tabu und gab tatsächlich ein Interview, um seine Schwägerin zu beschimpfen. All das lenkt bei Aldi Nord davon ab, dass man in den vergangenen Jahren immer weiter hinter die Konkurrenz von Lidl zurückgefallen ist und dringend aufholen muss, wenn man nicht im Reichen-Ranking noch weiter nach hinten durchgereicht werden möchte.

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa
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Platz 5: Dieter Schwarz
Lidl, Kaufland, Neckarsulm (Einzelhandel, Immobilien), 19 Mrd. Euro (+ 2 Mrd.)

Liebe Mamis und Papis, künftig gibt es auch bei Lidl endlich Kundentoiletten mit Wickeltisch. Solch ein Service mag vielerorts selbstverständlich sein, er ist es aber im deutschen Discount noch immer nicht. Die Windelrevolution signalisiert, dass die Billigheimer weniger billig daherkommen müssen, wollen sie weiter wachsen. Sie müssen sich also mühsam aus der Schnäppchen-Schublade herauszwängen, die sie selbst geschaffen haben. Denn beim Wachsen zusehen will Lidl-Gründer Dieter Schwarz (77) seinem Konzern noch eine ganze Weile: 100 Milliarden Euro Umsatz sollen es in einigen Jahren sein, fast 20 Prozent mehr als heute. Da das Potenzial in Märkten wie Deutschland oder Frankreich bereits mehr oder weniger ausgereizt ist, hat Lidl-Chef Sven Seidel (41) 200 Getreue in die USA geschickt, um (gleichsam auf den Spuren von Kolumbus) den attraktivsten Einzelhandelsmarkt der Welt für Lidl zu erschließen. 2018 soll es mit ein paar Dutzend Filialen losgehen. Das ist spannend für die Handelstruppe aus Neckarsulm, aber (erst mal) weniger spannend für den großen Konkurrenten Aldi Süd. Denn der unterhält zwischen New York und L.A. bereits 1540 Läden, die sogar einem Giganten wie Walmart das Leben schwer machen. New York und L.A.? Lidl-Gründer Schwarz schlendert lieber durch seine Heimatstadt Heilbronn, und das unerkannt, denn der Milliardär hat es vermocht zu verhindern, dass irgendwelche brauchbaren Fotos von ihm kursieren. Darin ist und bleibt er seinen großen Konkurrenten von Aldi zum Verwechseln ähnlich.

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Platz 4: Familien Albrecht und Heister
Aldi Süd, Mülheim/Ruhr (Einzelhandel, Immobilien), 20 Mrd. Euro (+ 1 Mrd.)

Der Aldi-Stamm, der in Mülheim an der Ruhr zuhause ist und den südlichen Teil des Handelsimperiums betreibt, kann sich sowohl das wilde Treiben der Nord-Familie als auch den Expansionsdrang der Konkurrenz aus Neckarsulm verhältnismäßig gelassen anschauen. Mit dem Erledigen der strategischen Hausaufgaben hat die Sippe unter Führung von Karl Albrechts Schwiegersohn Peter Heister (69) recht frühzeitig begonnen, oft in Reaktion auf den findigen Wettbewerber Lidl, aber das meist ruckzuck. Markenprodukte in die Regale, raus mit dem Billigheimer-Image und der Palattencharme, und dank der Backstationen riecht es in vielen Filialen (fast) so lecker wie in einer Bäckerei. Letzteres führte zwar zu einem jahrelangen Kampf mit dem stolzen Bäckerhandwerk. Aber unterdessen liefen die Brotbräunungskisten ja weiter heiß, lockten Kunden an und brachten Umsatz. Die Backautomaten sollen nun zwar bald schon wieder ausgedient haben. Aber weder benötigt Aldi Süd eine Windelrevolution wie Lidl noch eine umfangreiche Modernisierungswelle wie die Kollegen von Aldi Nord. Zumal das Auslandsgeschäft in den USA, Großbritannien oder Australien läuft wie geschnitten Brot. So lehrt uns das Beispiel der Albrechts und Heisters, dass man es mit Sparen zu einem erstaunlichen Vermögen bringen kann, dass man aber, um reich zu bleiben, hin und wieder auch mal Geld ausgeben muss. Die Kunst ist es zu wissen, wann und wo.

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images
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Platz 3: Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler
INA-Holding Schaeffler, Herzogenaurach; Continental, Hannover (Maschinenbau, Autozulieferer), 21,5 Mrd. Euro (+ 1,5 Mrd.)

Die Schaefflers könnten, wenn sie denn wollten, wieder mal hadern mit dem Schicksal. Als sie vor einem Jahr einen kleineren Teil ihres Industrieimperiums an die Börse brachten, schütteln sich die Finanzmärkte gerade unter dem Dieselgate-Schock. Also brachte der IPO deutlich weniger Geld ein als erhofft. Andererseits: Was solls? Schließlich hatten Georg (51) und Maria-Elisabeth Schaeffler (75) auch schon viel, viel mehr Pech. Die versuchte Übernahme des Reifen- und Autoteilekonzerns Continental 2008 unmittelbar vor der Finanzkrise hätte die beiden beinahe bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag ruiniert. Doch dank Cleverness, Chuzpe und stählernen Nerven sind die Inhaber des fränkischen Wälzlagerimperiums wieder obenauf. An Conti besitzen sie 46 Prozent, was genügt, um dort oben in Hannover die Straßenschilder aufzustellen. Und die Schulden haben Mutter und Sohn, auch dank des Börsengangs der Schaeffler AG, auf schlappe sieben Milliarden Euro gedrückt. Finanzierungstechnisch stehen die Schaeffler wieder 1a da: ein Happy-End wie in Hollywood. Besonders schön ist das für den Filius. Der Jurist, der sich jahrelang in Texas verborgen hielt, ehe ihn die Mutter heim nach Herzogenaurach kommandierte, hält 80 Prozent an der gemeinsamen Holding, Maria-Elisabeth den Rest. Korrekt heißt George übrigens Georg Friedrich Wilhelm Schaeffler, trägt also immer die Namen mehrerer deutscher Kaiser mit sich herum. Manche dieser Herrscher wirkten recht glorreich, manche bekanntlich weniger.

Foto: DPA
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Platz 2: Familie Reimann (im Bild JAB-Geschäftsführer Peter Harf)
JAB Holdings, Luxemburg; Coty, Keurig Green Mountain, USA; Reckitt Benckiser, Großbritannien; Jacobs Douwe Egberts, Niederlande (Reinigungsmittel, Kosmetik, Kaffee), 29 Mrd. Euro (+ 11,4 Mrd.)

Es sind Zahlen, bei denen selbst manche normale Milliardäre von Schnappatmung übermannt werden: 7,5 Milliarden Euro berappten die Reimanns 2013 für den niederländischen Kaffeekonzern D.E. Master Blenders. 11,1 Milliarden Euro waren vergangenes Jahr fällig für ein Produktbündel namens Wella, das Procter & Gamble losschlug. Und 12,8 Milliarden Euro legten sie dieses Jahr hin für den US-Kaffeekonzern Keurig Green Mountain. Der Deal-Flow der Reimanns ist wie ein reißender Strom. Und die Ziele sind stets global und scharf umrandet: Ins Kaffeebusiness etwa stieg die Familie erst 2012 ein; vier Jahre später gebietet sie über knapp 20 Prozent des globalen Kaffeeabsatzes, ob als Pulver oder Bohne, ob in Alu-Kapseln oder im Keramikbecher diverser Kaffeeketten. Der ungemein erfolgreiche Expansionskurs unter Peter Harf (70), dem Chef der JAB-Holding, die die Geschäfte der Reimanns bündelt, hat das Vermögen der Familie so rasch emporschnellen lassen, dass man sich ungläubig die Augen reiben muss. Es stimmt aber. Und wer sind diese Reimanns eigentlich? Es sind die Geschwister Wolfgang Reimann (63), Renate Reimann-Haas (64), deren Halbbrüder Stefan (52) und Matthias Reimann-Andersen (52) sowie deren insgesamt zehn Sprösslinge. Teile der Familie wurden vor Jahren ausbezahlt, so dass die Zahl der Mitredenden überschaubar blieb. Zudem haben sich die Reimanns extremste Zurückhaltung auferlegt, was den Umgang mit der Öffentlichkeit angeht. Kurzum: Den zweitreichsten Deutschen wäre es am liebsten, sie würden einfach vergessen.

Foto: ? Thierry Roge / Reuters/ REUTERS
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Platz 1: Susanne Klatten und Stefan Quandt
Unternehmen: BMW, München; Altana, Wesel; Delton, Bad Homburg; SGL Carbon, Wiesbaden (Auto, Beteiligungen), 30 Mrd. Euro (+ 3,5 Mrd.)

Auf den ersten Blick ist der Vermögenszuwachs von 3,5 Milliarden Euro erstaunlich, dem sich Stefan Quandt (54) und seine Schwester Susanne Klatten (50), Deutschlands reichstes Geschwisterpaar, in 2016 erfreuen durften. Schließlich machten die beiden zuletzt vor allem mit betrieblichen Misserfolgen von sich reden: Stefan Quandt musste die Solarfirma Solarwatt aus der Insolvenz auferstehen lassen, Susanne Klatten kämpft mit den Verlusten von SGL Carbon. Aber wenn man über ein Industrieportfolio gebietet, das seinesgleichen sucht, dann sind solche Ärgernisse eben doch nur Fußnoten, jedenfalls vermögenstechnisch betrachtet. Den Topplatz unter Deutschlands Reichsten verdanken die Quandt-Geschwister ihren knapp 47 Prozent an BMW. Und die Aktie des Autobauers hat in den vergangenen zwölf Monaten jene Delle wieder ausgebügelt, die ihr die schummelnden Kollegen aus Wolfsburg eingebracht hatten. Insofern ist der Vermögenszuwachs der Quandts also nichts als eine Normalisierung. Herbert Quandts vielleicht riskanteste Investition war 1960 der Einstieg beim damals todgeweihten Autobauer BMW. In guten Jahren bewegt sich allein schon die Summe der Dividende für seine Kinder im hohen dreistelligen Millionenbereich. 2015 floss fast eine Milliarde Euro an Stefan Quandt und Susanne Klatten. Die wollen nicht als Couponschneider in die Geschichte eingehen, sondern als Unternehmer. Deshalb ist denn auch ihr Wirken bei den Problemfällen in ihrem Portfolio mehr als eine buchhalterische Korrektur der eigenen Vermögensbilanz: Es ist der Testfall, ob sie ihrem Vater ebenbürtig werden können. Wir sind gespannt.

Foto: DPA
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