Rechtsstreit ohne Ende Die Presseschlacht von S&K

Die Frankfurter S&K-Gruppe, gegen die der Verdacht auf großangelegten Anlegerbetrug besteht, hatte ein zwiespältiges Verhältnis zu den Medien. Bis heute sind Juristen in ganz Deutschland damit beschäftigt. Ein Überblick:
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Als der Branchendienst "Fondstelegramm" im Juli 2012 erstmals über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen S&K berichtet, klagt das Unternehmen auf 250.000 Euro Schadensersatz und Unterlassung. Erst kurz vor dem ersten Gerichtstermin zieht S&K die Klage zurück. Den Verlag brachte die Aktion dennoch in eine Existenz bedrohende Situation, wie "Fondstelegramm"-Chef Tilman Welther kürzlich in einem Editorial schrieb.

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Auch manager magazin online wurden rechtliche Schritte angedroht. Noch kurz vor seiner Verhaftung kündigte S&K-Anwalt P. schriftlich an, jene Geschichte aus dem November vergangenen Jahres, in der mmo erstmals die offensichtliche Mogelei von S&K bei deren Immobilienbewertung offenlegte, "aufzuarbeiten und danach die juristischen Konsequenzen hieraus zu ziehen". Sowohl die mmo-Chefredaktion als auch der manager-magazin-Verlag antworteten, dass man sich selbstverständlich nicht einschüchtern lasse. Dennoch: Auch gegen den Bericht "Kommissarin Bafin ermittelt nicht", der die Ausbreitung der Unternehmenssgruppe im Bereich geschlossener Immobilienfonds beschreibt, wollte S&K gegebenenfalls "ohne jede weitere Vorankündigung wie in Sachen Wirtschaftswoche sofort" juristisch vorgehen, so Anwalt P. kurz vor der Veröffentlichung bei mmo. P. spielt damit an auf ...

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... eine kritische Geschichte der "Wirtschaftswoche", die wenige Wochen vor der Großrazzia gegen S&K erschien, und gegen die S&K-Anwalt Igor P. beim Landgericht Frankfurt am Main eine Unterlassungs- und Schadensersatzklage über 2,3 Millionen Euro einreichte. Die Klage wurde bislang nicht zugelassen – P. versäumte es, den erforderlichen Gerichtskostenvorschuss von in diesem Fall rund 25.000 Euro zu zahlen, bevor er am 19. Februar im Rahmen der Razzia als einer der sechs Hauptverdächtigen verhaftet wurde.

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An Landgerichten in mehreren deutschen Städten (im Bild: Köln) klagten S&K-Firmen dutzende Male auf Schadensersatz gegen verschiedene Newsdienste, Blogs oder Online-Foren, die zum Teil ihrerseits einen fragwürdigen Ruf genießen. Der Finanznachrichtendienst "Gomopa" etwa stritt sich nach eigenen Angaben in rund 40 verschiedenen Verfahren an mehr als 20 Landgerichten mit S&K. Insgesamt sei es um einen Streitwert von ...

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... etwa drei Millionen Euro gegangen, so "Gomopa". Ein Mann aus Bremerhaven (Name der Redaktion bekannt), den S&K als Betreiber einer Seite namens Null-zensur.com ausgemacht haben wollte, wurde etwa ein Dutzend Mal verklagt, ebenfalls über je 250.000 Euro. In der Sache stehen noch einige Prozesstermine aus. Der Mann beteuert, mit dem Betrieb der besagten Seite, die inzwischen abgeschaltet wurde, nichts zu tun zu haben.

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Gegen das Beraterblatt "Finanzwelt" dagegen unternahm S&K nichts – das tut stattdessen die Staatsanwaltschaft. Im Rahmen der Großrazzia gegen S&K wurden auch Räumlichkeiten der "Finanzwelt"-Chefin Dorothee Schöneich durchsucht. Gegen Schöneich wird im Zusammenhang mit dem vermuteten S&K-Anlagebetrug ebenfalls ermittelt. Sie soll für eine "fortlaufend positive und wahrheitswidrig geschönte Berichterstattung" gesorgt und so die S&K-Geschäfte unterstützt haben, schreibt das "Handelsblatt". Innerhalb rund eines Jahres habe sie mehr als 100.000 Euro Honorar von S&K erhalten. Schöneich bestreitet die Vorwürfe über ihren Anwalt und ist als Herausgeberin zunächst einmal zurückgetreten.