Pressesprecher-Rausschmisse Verpeilt, verplant, verquatscht

Mal sind sie der Sündenbock, mal leisten sie sich moralische oder politische Entgleisungen: Wenn Pressesprecher echte oder vermeintliche Fehler machen, werden sie oft schnell entsorgt. Ein Überblick.
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Seltsame Sündenbock-Erklärung: Elliot Mintz (links, mit Paris Hilton und Good-Charlotte-Gitarrist Benji Madden) hatte jahrelang als Pressesprecher für Paris Hilton gearbeitet. Nachdem die Hotelerbin 2007 wegen einer Trunkenheitsfahrt ihren Führerschein abgeben musste, wurde sie kurz darauf wieder erwischt, als sie ohne Licht und zu schnell durch Hollywood raste. Dafür wurde sie zu 45 Tagen Gefängnis wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilt - und Hilton schmiss ihren Sprecher raus. Offizielle Begründung: Der habe ihr bestätigt, dass sie trotz der Bewährungsauflagen aus der Trunkenheitsfahrt auch ohne Führerschein weiter ihr Auto nutzen dürfe, solange die Fahrten mit ihrer Arbeit zu tun hätten. "Ich habe sie wegen der falschen Information, die sie von mir bekommen hat, aufrichtig um Entschuldigung gebeten. Es tut mir aus tiefstem Herzen leid. Es war eine Fehl-Information seitens ihrer Anwälte. Wegen dieses Missverständnisses vertrete ich Paris nicht länger", erklärte Mintz allen Ernstes nach seinem Rausschmiss.

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Zu professionell? Harald Stenger (links) war der gemütliche Nationalmannschaftserklärer, als das WM-Sommermärchen noch nicht vom Ruch der Käuflichkeit befallen war. Als Mediendirektor war er 2001 zum Deutschen Fußballbund gekommen und hatte die Pressearbeit des DFB professionalisiert. Seine größte Leistung war es dabei, die Nationalmannschaft aus dem Würgegriff des Boulevards zu befreien, lobte das Magazin "11 Freunde" im Jahr 2012 - da war Stenger als Pressesprecher gerade abgesägt worden. Seine Demission gebe Raum für Spekulationen, befand das Fachmagazin: Sie könne nämlich bedeuten, dass der DFB und die Nationalmannschaft wieder näher an die Bild-Zeitung heranrücken, alte Privilegien wieder gewährt werden.

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Die falschen Schwerpunkte gesetzt? Erst brachte Felix Magath im Juli 2009 seinen Pressesprecher Rolf Dittrich (rechts) vom VfL Wolfsburg mit zum FC Schalke 04, dann entließ der blau-weiße Club den Sprecher 2011. Weil er, nach Auffassung des Vereins, mehr für die Person Magath gearbeitet haben soll als für den Verein Schalke 04. Zuvor hatte Dittrich als Sprecher auch schon dem 1. FC Köln seine Stimme gegeben.

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Kurz bevor Bundespräsident Christian Wulff selbst zurücktrat, entließ er Ende 2011 noch seinen Pressesprecher. Olaf Glaeseker (rechts), so die Begründung, soll seinen Posten nicht etwa wegen des schlechten Images und der desaströsen Krisenkommunikation von Christian Wulff verloren haben, sondern weil er angeblich kostenlose Urlaubseinladungen eines Eventmanagers nach Spanien und Südfrankreich angenommen hatte. Ein brisanter Vorwurf, denn Glaeseker hatte in seiner Zeit als Staatssekretär in der niedersächsischen Staatskanzlei und damaliger Wulff-Sprecher auch dienstlich mit dem Eventmanager zu tun.

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Eine offizielle Entlassung war das zwar nicht, die Wirkung aber war noch fataler als bei einem normalen Rauswurf: Im November 2010 rüffelt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble seinen Pressesprecher Michael Offer (rechts) öffentlich, weil ein paar Unterlagen bei einer Pressekonferenz fehlten. Schäubles Verhalten sei "mies und demütigend" gewesen, kritisierten selbst CDU-Vertreter den Minister, der seinem Sprecher jedoch eine Entschuldigung verweigerte. Offer zog daraufhin die Konsequenzen und trat nach dem Eklat zurück.

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Wer offenkundig lügt, ist nicht zu halten: Weil er Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" einräumen musste, trat ADAC-Kommunikationschef und "Motorwelt"-Chefredakteur Michael Ramstetter im Januar 2014 zurück. Bei der Leserwahl des VW Golf zum "Lieblingsauto der Deutschen" hatte Ramstetter gefälschte Stimmzahlen veröffentlicht und den Automobilclub damit in eine schwere Krise gestürzt.

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Teilweise rausgeschmissen wurde im März 2016 AfD-Vorstandssprecher Christian Lüth (links, mit Frauke Petry und Jörg Meuthen): Die AfD-Vorsitzende Petry hat ihre Zusammenarbeit mit ihm aufgekündigt, die anderen Vorstandsmitglieder wollten den Schritt aber nicht vollziehen. Petry hat sich entschieden, "die Pressearbeit für ihre Person selbst in die Hand zu nehmen. Ich spreche nun als Bundespressesprecher für die zwölf anderen Bundesvorstandsmitglieder", begründete Lüth, warum die zerstrittene Parteispitze nicht mehr mit einer Stimme spricht.

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Mit deutlichen Worten hatte Daniel Abbou in einem Interview dem "PR Magazin" die Situation rund um den Flughafen BER geschildert: "Die Berliner und Brandenburger haben ein Recht zu sehen, wo ihre Milliarden versenkt worden sind", sagte Abbou unter anderem und sprach auch davon, dass ziemlich viel "scheiße gelaufen" sei. "Das Interview von Herrn Abbou mit dem 'PR Magazin' ist nicht mit der Geschäftsführung abgestimmt", kommentierte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld kühl und entband Abbou von seinen Aufgaben.

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