Lernen von der Fußball-WM Zehn Hürden auf dem Weg zum Erfolg

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Erfolg lässt sich nicht garantieren, weder im Fußball noch im Job. Es gehören viel zu viele einzelne Bausteine dazu. Die WM lehrt, welches die wichtigsten für Teams sind:

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Das Weltmeisterteam hat etwas zu verlieren...
…... die anderen etwas zu gewinnen. Verlustangst löst im Gehirn negativen Stress aus, den es erst einmal zu kontrollieren gilt. Die positive Seite von Stress jeder Art ist, dass wir fokussiert sind und durch den sogenannten Tunnelblick unsere Aufmerksamkeit auf das richten, was gerade besonders wichtig ist. Allerdings führt der Tunnelblick auch dazu, dass wir Lösungsvarianten schlechter gegeneinander abwägen, weil die Wahrnehmung auf einen Fokus eingeschränkt ist.

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Persönliche Ziele können mit dem Teamziel konkurrieren
Kostete der teuerste Spieler für einen Transfer 1973 knapp 1,9 Millionen Euro, waren es 2013 schon 100 Millionen. Um solche Werte zu erzielen müssen Spitzenfußballer (im Bild: Lionel Messi, dessen Marktwert laut transfermarkt.de aktuell bei 180 Millionen Euro liegen soll) ständig daran arbeiten, ihre Attraktivität für einen neuen Käufer zu erhöhen oder mindestens zu erhalten, um für ihre aktuelle Heimmannschaft interessant zu bleiben. Es kann also gut sein, dass es einen inneren Konflikt gibt, mit der Mannschaft den Titel zu verteidigen. In der blitzschnellen Entscheidung, den Ball im richtigen Moment an jemand anderen, der das Tor schießt, abzugeben, könnte das individuelle Ziel stärker wirken.

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Die Arbeitsmotivation bestimmt die Stresswirkung
Fußballer auf WM-Niveau (hier im Bild: Maximiliano Meza aus Argentinien, der im Spiel gegen Island im Strafraum auf dem Rasen liegt) werden außerordentlich gut für ihre Arbeit bezahlt. In einer Krankenkassenstudie zur Wirkung von Arbeitsmotivation wurde unterschieden zwischen Genussarbeitern und Broterwerbsarbeitern. Letztere sind anfälliger für Stress, Depression und Erschöpfung. Das Ziele, mit dem jemand zur Arbeit geht, hier: aufs Feld läuft, bestimmen, wie stark sich äußerer Druck auswirkt.

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Positive soziale Emotionen haben Hebelwirkung für Erfolg
Anders als in den 50er und 60er Jahren wechselt die Zusammensetzung der Teams heute immer schneller. Das heißt, es wird immer wieder neu begonnen, Teamgeist, Vertrauen und gemeinsame Strategien aufzubauen (hier im Bild das isländische WM-Team). Hilfsbereitschaft, Zusammengehörigkeit, Sympathie, die durch viele gemeinsame Erfahrungen entsteht, dürften in Wirtschafsteams leichter zu erreichen sein als im WM Fußballteam.

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Teambildung kann schnell gehen
Kann man in drei Wochen ein motiviertes Team aufstellen? Kann man es so schnell lernen, gemeinsam zu agieren, hinter einer Strategie zu stehen und vor allem eben - eine gute Teamatmosphäre zu schaffen? Wahrscheinlich sind Profis auch in diesem Bereich professionell. Bei Opernproduktionen reisen die Sänger auch oft wenige Tage vorher zu den Proben an, müssen die Inszenierung verstehen und sich aufeinander einstellen. In der Regel funktioniert das - wenn alles es wollen. Allerdings nicht immer, wie man beim desaströsen Spiel der deutschen Mannschaft gegen Mexiko gesehen hat.

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Überforderung kostet Leistung
Auch Fußballer werden älter. Selbst wenn sie von außen betrachtet noch jung sind (hier im Bild Mexikos Rafael Marquez, der mit seinen 39 Jahren zu den ältesten Spielern dieser Fußball-WM gehört). Mit den Arbeitsjahren sinkt in unserer heutigen Welt die Leistungsfähigkeit. Und zwar nicht, weil es ein "Naturgesetz" des Alterns wäre. Sondern, weil sich die Jahre der Überforderung, der Überanstrengung ohne angemessenen Ausgleich summieren. Dies umso mehr, wenn mit einem Körper so aggressiv umgegangen wird, wie dies bei Fußballern der Fall ist.

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Leitungsfähigkeit macht manchmal was sie will
Die WM-Fußballer haben die besten Trainer, mentalen Coaches, Köche, Physiotherapeuten, Ärzte usw (hier im Bild: Team-Manager Oliver Bierhoff beim Mannschaftstraining im russischen Watutinki). Und doch ist der Körper nicht komplett berechenbar. Auch wenn wir in einer Kultur leben, die dies anstrebt, bleiben wir doch Teil der Natur, die am längeren Hebel sitzt. Fußballer müssen deshalb viel Geduld etwa nach Verletzungen haben, um sich nicht zu früh zu überfordern. Im normalen Arbeitsalltag macht es ebenfalls Sinn, auf seinen Körper zu hören, und Hochleistungsanforderungen dem individuellen Biorhythmus anzupassen.

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Erfolg beginnt wirklich im Kopf
Auch wenn man Spitzensportler ist, reagiert man menschlich. Es kann schwer fallen, sowohl mit plötzlichem großen Erfolg, der medialen Aufmerksamkeit, dem vielen Geld, aber auch mit Enttäuschungen und Beschimpfungen der Fans, dem eigenen Versagen und anderen Herausforderungen sofort klar zu kommen. Sowohl Übermut als auch Zweifel werden von jedem Mannschaftsmitglied mit aufs Feld genommen. Anders als in einem Büro kann man eben nicht sagen: Ich komme heute mal später weil ich nicht so gut drauf bin. Der Anpfiff ist jetzt. (Hier im Bild: Schiedsrichter Gianluca Rocchi aus Italien beim Spiel Portugal gegen Spanien im Sotschi-Stadion.)

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Erwartungen sollten relativiert werden
Wann waren Sie das letzte Mal im Zirkus, Theater oder Konzert? Und wie zufrieden waren Sie? Ich stelle immer wieder fest, dass die vielen Medien wie Fernsehen, Youtube oder DVDs unsere Erwartungen ins Unermessliche steigern. Weil wir ständig Höchst- und Bestleistungen konsumieren, schätzen wir eine kleinere Einzelleistung nicht mehr. Wir sehen immerzu fehlerfreie, auch für das Fernsehen bearbeitete Darbietungen. Dem kann eine reale Leistung selten standhalten. Eine Spitzenleistung genau zu einem bestimmten Zeitpunkt abrufen zu können, ist zwar trainier-, aber nicht garantierbar. Die Erwartungen des Publikums wachsen außerdem immer weiter und die Konkurrenz schläft nicht. (Hier im Bild: Kevin De Bruyne aus Belgien beim Spiel gegen Panama im Sotschi-Stadion.)

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Spitzenteams dürfen auf sich vertrauen
Seit 1930 gibt es drei Teams - Deutschland, Italien, Brasilien, die insgesamt 13 der 20 Titel geholt haben und von denen seit 1934 regelmäßig eines eine Medaille gewonnen hat. Daraus lässt sich ableiten, dass es doch eher eine Teamleistung als die Einzelleistung eines Superstars ist, die zu Medaillen führt. Denn über so eine lange Zeit wechseln die Besten im Team und die Teamleistung ist immer mehr als die Summe der Einzelnen. Und wie man anderen Ländern sieht, reicht ein Superstar im WM Team noch nicht dafür, regelmäßig auf ein Treppchen zu kommen.
An diesen "Fußballgewinner-Nationen" lässt sich auch sehen, dass erst eine Kultur der Unterstützung im Land (oder eben auch im Unternehmen) solche konstante Bestleistungen möglich macht. Finanziell, doch auch organisatorisch und im Sinne der gesellschaftlichen Anerkennung.

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