Glück statt Erfolg Sieben Thesen für ein gutes 2019

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Erfolg ist eine Droge für das Gehirn und macht eher abhängig als glücklich

Schaut man von außen auf diesen Weg, fällt auf, dass es immer neue Bedingungen zu erfüllen gibt. Hat man einen Titel gewonnen, heißt es schon, ihn zu verteidigen. Wir haben kaum noch die Zeit und die Fähigkeit, Erfolge zu genießen. Dann geht es schon weiter. Das liegt nicht etwa nur an ehrgeiziger Unternehmensführung oder Partnern. Das liegt auch an unserem Gehirn. Belohnung, also ein glückliches Erfolgsgefühl im Gehirn, entsteht zum Beispiel durch Dopamin. Dieser Botenstoff nutzt sich ab. Genauso, wie der Lieblingskuchen beim achten Mal nicht mehr so genial schmeckt wie anfangs, ist es mit dem Einkommen, mit Titeln oder Verkaufszahlen. Wir brauchen mehr davon, um uns genauso glücklich zu fühlen wie vorher. Dies ist übrigens auch der Weg, auf dem Sucht entsteht. Egal, ob Alkohol-, Computer- oder Arbeitssucht. Wir merken es leider nicht gleich. Weil so zu leben normal und üblich zu sein scheint.

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Erfolg, der auf äußeren Ereignissen beruht, treibt uns gnadenlos an, mehr davon zu haben

Sind Sie etwa Autor und wollen im Online-Buchmarkt erfolgreich sein, dann können Sie Reichweite bei Facebook kaufen. Was Sie nicht wissen: wer von den erreichten Personen Ihr Angebot ansieht oder gar kauft. Egal, wo wir arbeiten, wartet eine nach oben offene Skala auf uns. Haben wir 100 Bücher oder Fahrräder oder Seifen verkauft, wollen wir 150 verkaufen. Haben wir dies erreicht, sehen wir, dass andere 200 verkaufen und sind wieder unzufrieden. Die Kriterien für Erfolg oder Zufriedenheit mit dem Erreichten definieren wir zum Teil nicht selbst und können sie auch niemals vollständig selbst beeinflussen.

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Erfolg, der an Bedingungen hängt, kann nicht langfristig glücklich machen: weil sich die Bedingungen ständig ändern

Als Führungskraft kann man ungefähr ausrechnen, wie hoch das neue Einkommen, welches der neue Wagen beim nächsten Karriereschritt sein wird. Wie viele Überstunden dafür erwartet werden und ob die Kunden das Produkt der Firma auch in fünf Jahren noch kaufen, ist nicht vorhersagbar. Alles ist eine Frage der Bewertung. Die nur in unserem Kopf stattfindet. Ob ich wertschätze, was ich erreicht habe, ob ich aufhöre, mich zu meinen Ungunsten zu vergleichen, ob ich angenehm oder unangenehm über mich denke: Ich entscheide darüber. Gedanken bringen oder rauben Energie und Wohlbefinden und am Ende sogar Gesundheit. Eine Sonderform der Bewertung ist der Vergleich. Glückliche Menschen vergleichen seltener zu ihren Ungunsten. Der Vergleich mit früher, anderen, hätte und sollte, macht unglücklich.

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Wenn der Erfolg, den wir haben, uns nicht glücklich macht, würde auch der, den wir erstreben, dies nicht tun

Ein weiterer Aspekt ist unser Hunger nach Wertschätzung. Kaum jemand von uns ist mit ausreichend positiver Anerkennung großgeworden. Erziehung heißt für Eltern in der Regel, dem Kind zu zeigen, was es falsch macht, wo es sich verbessern kann. Unser Zimmer ist zu unordentlich; wir sind zu laut, zu unruhig, in Mathe nicht talentiert genug oder unsportlich. In der besten Absicht, uns einen guten Lebensweg zu ermöglichen, erhalten wir ständig die Botschaft: Wir sind nicht richtig. Wir suchen deshalb später unbewusst nach der Bestätigung, richtig zu sein, nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Bekommen wir sie durch unsere Freunde, Familie oder den Beruf, ist es nie genug. Die Suche nach externem Erfolg, egal wo, der den Beweis erbringt, dass wir als Menschen gut und richtig sind, kann nicht gelingen. Denn wir vermischen gern Fachexpertise mit Menschsein.

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Glück macht unabhängig

Die Forschung sagt nun erfreulicherweise auch, dass glückliche Menschen erfolgreicher sind. Weil sie aus anderen Kraftquellen schöpfen. Nämlich einem leistungsfähigeren Gehirn und der Unabhängigkeit von äußeren Glücksfaktoren. Sie sind ja schon glücklich. Dieser doppelte Vorteil führt zu sogenannten positiven Kreisläufen. Ich tue das, was ich tue, nicht nur, um durch den damit verbundenen Erfolg glücklich zu werden - im Umkehrschluss durch das Ausbleiben von Erfolg eben leider auch unglücklich. Damit mache ich mein Befinden nicht mehr von Bedingungen abhängig, die ich nicht beeinflussen kann. Ein glückliches Gehirn hat eine breitere Perspektive, sieht eher Lösungen, ist kreativer und leistungsfähiger.

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Glück ist ansteckend

Teams und auch Paare stecken sich mit Ihrem Stress, aber auch mit ihren Emotionen, gegenseitig an. Wir können damit Aufwärtsspiralen des Glücks schaffen. Sind wir glücklich, nehmen wir mehr positive Dinge wahr, die uns wiederum glücklich machen. Wir verhalten uns positiver und dies führt zu Ergebnissen, die glücklich machen. Dieser Kreislauf nützt nicht nur uns, sondern selbst denen, die sich nicht aktiv daran beteiligen, da wir ein Modell sind und Menschen daran lernen.

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Machen Sie Ihr Glück - wenn überhaupt - von etwas abhängig, dass Sie beeinflussen können

Eine Strategie der Überforderung kann nicht aufgehen. Sich dies einzugestehen, ist richtig schmerzlich. Weil das Ego beleidigt ist, iman sich Vorwürfe macht und auch selbst leid tut. Doch wenn man beschließt, sich selbst das Leben leichter zu machen, wird alles anders. Fragen Sie sich: Was sind von jetzt an meine Ziele und Erfolgskriterien? Es wäre ja absurd, im gleichen Wertesystem, nur anders organisiert, weiterzumachen. Tun Sie etwas für sich, die eigene Wertschätzung und eine Haltung der Selbstliebe. Denn letztere ist die einzige, die unabhängig davon, was sich außen abspielt, immer und überall an Ihrer Seite ist. Gute Gefühle für sich öffnen wiederum die Perspektive für gute Gefühle für andere Menschen und Situationen und das, das wir tun.

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