Bundestagswahl Die Spitzenkandidaten im Stilcheck

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Alles so schön neutral blau hier: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Martin Schulz (SPD) beim Wahlkampf-Fernsehduell Anfang September. Stilcoach Andreas Rose hat sich die Spitzenkandidaten der Bundestagswahl 2017 einmal aus modischer Perspektive angeschaut. Hier seine Stilkritik:

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Angela Merkel (CDU): Ab und an liest man, wer der jungen Physikerin aus dem Osten, mit großen politischen Ambitionen, den ein oder anderen modischem Tipp gab. Und ganz ehrlich und bei allem Respekt, den hatte sie augenscheinlich nötig. Auf dem Weg zum hohen Amt ließ sie einiges hinter sich: Den Nagelscheren-Topfschnitt, den unförmigen, aber sicher bequemen Wollpullover oder weite Glockenröcke mit Betonung auf der Hüfte. Auch mit Make-up wurde sie vertrauter. Seit sie 2005 Gerhard Schröder ablöste, trägt unsere Bundeskanzlerin Powerlook und beweist Mut zur Farbe. Leuchtendes Türkis, Signalrot, Grasgrün, ihre Jacketts decken das gesamte Farbspektrum ab. Mit Kragen, Rundhals, großen Knöpfen. Dazu kombiniert sie immer unifarbene Hosen in gedeckten Tönen. Einziges Accessoire...

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... die Kanzlerin-Statement-Kette, mal in Deutschland-Farben, mal dezenter wie hier. Ohrringe, Täschchen, Stilettos: nicht an Frau Merkel. Keine öffentlichen Diskussionen wie bei Kollegin Theresa May über Lederhosen und Overknees. Angela Merkels Look ist wie eine Uniform und damit signalisiert sie ganz klar Fokussierung auf die Aufgabe.

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Martin Schulz (SPD): Schulz ist von seiner Partei mit 100 Prozent zum Vorsitzenden der SPD und Kanzlerkandidaten gewählt worden. Sind da noch modische Spielereien drin, fragen wir uns? Martin Schulz antwortet durch seinen Look mit einem hundertprozentigem 'Nein'. Beim Oberhemd gibt es unaufgeregtes Weiß oder Business-Hellblau, Krawatte passend aber unauffällig und die Anzüge...

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... dunkel, uni, gedeckt. Fertig ist der Schulz-Look. Weder Hemd noch Anzug fallen durch elegante, etwa figurbetonte Schnittführung auf. Auf Schmeichler wie Einstecktuch oder Manschettenknöpfe wird verzichtet. Dazu Haar im Gesicht anstatt auf dem Kopf. Finden wir jetzt modisch nicht so aufregend, ist aber bestimmt massentauglich. Ein ganz bisschen optisch polarisieren sollte aber drin sein. Seufzend lehnen wir uns zurück und flüstern: Wisst ihr noch, damals, der Schröder in Brioni...

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Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch (Die Linke): Die Fraktionsvorsitzende der Linken ist modisch immer ein wenig aus der Zeit gefallen. Was eigentlich egal ist, denn ihr Look ist stringent und passt zu ihrem Typ. Seit Jahren bevorzugt sie Signalrot oder gedeckte Farben, oft im Uni-Komplettlook und lieber Rock als Hose. Die Schnittführung ihrer Kostüme betont ihre schlanke Silhouette. Aber nie zu sehr. Dazu kombiniert sie zurückhaltenden Schmuck, der ein wenig aussieht wie von Oma geerbt. Selbst ihre...

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... leicht trutschige Hochsteckfrisur hat sie, ohne nennenswerte Einbußen an objektiver Attraktivität, zu ihrem Signatur-Look gemacht. Ein geschickter Schachzug.

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Genau wie seine Kollegin Sahra Wagenknecht hat der Co-Spitzenkandidat der Linke, Dietmar Bartsch ein Faible für Rot. Im Gegensatz zu ihr lebt er diese Vorliebe nur etwas moderater aus. Und so harmonieren die beiden zumindest optisch: sie im roten Kostüm, er mit rotem Binder. In der Vergangenheit präsentierte uns Herr Bartsch ein breites Spektrum an roten Krawatten: gestreift, gepunktet, uni. Immer schnieke und fast immer zum himmelblauen Hemd und dunklem Anzug. Das nennen wir mal pragmatisch: Da kann man morgens, noch nicht ganz wach, aber komplett befreit vor modischen Fehlgriffen, blind das Outfit für den Tag aus dem Schrank nehmen. Außerdem: keine Panikattacken à la 'Ich habe nichts zum anziehen' und keine Sorgen, ob Hemd, Krawatte und Anzug zusammen passen.

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Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen): Der Parteivorsitzende Cem Özdemir, hat sich schon mal im Beisein eines Hanfgewächs auf dem heimischen Balkon einen Kübel Eiswasser übergekippt. Bei der karitativen Ice Bucket Challenge vor drei Jahren trug Özdemir grauen Einreiher und blaues Businesshemd. In der Öffentlichkeit präsentiert sich der männliche Part des Grünen Spitzenkandidaten-Duos noch immer meist ohne Krawatte, mit offenem Hemd und im Anzug. Modische Ausreißer sind keine zu vermelden, modische Highlights aber auch nicht. Die schlanke Figur des Politikers...

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... könnte durchaus ein enger geschnittenes, modischeres Modell vertragen, auch bei der Auswahl seiner Oberhemden könnte Özdemir durchaus mehr farbliche Variationsbreite probieren. Hat uns seinerzeit der lässige Sneaker-Look von Herrn Fischer zum modisch-politischen Umdenken bewegt, hätte Herr Özdemir durchaus das Zeug zur modischen politischen Avantgarde. Die Co-Vorsitzende der Bundesfraktion der Grünen, Katrin Göring-Eckardt , ist erkennbar nicht mit der Glitzerfee verwandt. Schon eher könnte sie optisch zum Dunstkreis einer Deutsch-Leistungskurs-Lehrkraft gehören. Seitengescheitelter Bob...

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... mal länger, mal kürzer, mal leicht angestuft und oft in einer Kombination aus Jackett, Shirt und Chino oder auch mal Jeans unterwegs. Schmuck immer dezent, Gürtel schon passend und beim Make-up darf es auch mal roter Lippenstift sein. Sieht aber immer alles politisch und ökologisch korrekt aus, aber eben auch profillos. Da geht doch noch was, Frau Göring-Eckardt!

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Christian Lindner (FDP): Der Posterboy der deutschen Politik trägt im Wahlkampf auch mal nur ein weißes T-Shirt oder wirft sich dynamisch den schwarzen Mantel um, der wunderbar zu seinem scharf geschnittenen Anzug im coolen Blues-Brothers-Style passt. Christian Lindner, Spitzenkandidat der FDP gibt sich hip und jung. Ist ja nicht das Schlechteste. Denn: Wir sind nicht Frankreich und wir haben auch nicht Macron. Da hilft ein bisschen Lindner zumindest optisch. Der Mann...

Foto: Soeren Stache/ dpa
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... legt sehr viel Wert auf sein Erscheinungsbild und will dabei nicht Fashion-Mainstream sein. Da sind wir mal etwas vorlaut und behaupten, dass das sonst fast keiner der Polit-Profis für sich in Anspruch nehmen kann. Stimmt doch! Allerdings bietet er damit auch Angriffsfläche: Die Wahlplakate im Rasierwasser-Werbestil haben schon Satiriker auf den Plan gerufen, die sie mit einem abgeänderten Parship-Slogan versahen: "Alle 11 Minuten verliebt sich ein Liberaler in sich selbst."

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Alexander Gauland und Alice Weidel (AfD): Über die dunkelgrüne Krawatte mit gelben Hundemotiven von Alexander Gauland hüllen wir uns in vornehmes Schweigen. Der Look von Alice Weidel: Konservativ, klassisch, Anmutung von Landadel. Nur ist Frau Weidel ja eher der urbane Überflieger mit Karriere als Unternehmensberaterin und Analystin. Der schlanken Blondine...

Foto: Uli Deck/ dpa
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.. steht der Barbour-Waffeljacken-Look zur blau-weiß gestreiften Bluse. Einen ähnlichen Look plus strenger Brille wählte sie auch für den kalkulierten Eklat ihrer Flucht aus dem TV-Studio bei einem Live-Talk mit kritischen Fragen.

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