Von Argentinien bis Softbank Die Opfer des Paul Elliott Singer

Der Gründer und CEO des Hedgefonds Elliott Associates gilt als einer der aggressivsten seiner Zunft. Viele Unternehmen hat er schon filetiert und ganze Staaten unter Druck gesetzt. Ein Überblick über Singers bisherige Opfer.
1 / 16

Paul Elliott Singer: Der 74-Jährige hat sich einen Namen als aggressiver Investor gemacht - für weniger wohlmeinende Zeitgenossen als Finanzgeier. Sein Hedgefonds Elliott Capital steigt meist mit vergleichsweise geringem Einsatz in Anleihen und Aktien ein und treibt dann die Staaten oder Unternehmen vor sich her. Jetzt nimmt Elliott den Kurznachrichtendienst Twitter sowie dessen Chef Jack Dorsey ins Visier. Die Liste seiner Opfer ist bereits lang ...

Foto: STEVE MARCUS/ REUTERS
2 / 16

Masayoshi Son: Der einst gefeierte Tech-Investor und Chef der milliardenschweren Softbank Group spürt nun ebenfalls den kalten Atem von Paul Elliott Singer in seinem Nacken. Der Hedgefonds Elliott Capital hat seinen Einsatz beim Softbank laut Medienberichten auf knapp 3 Milliarden Dollar erhöht und fordert nachdrücklich Änderungen in der Konzernstrategie.
Masayoshi Son, dessen Ruf als Meister der Tech-Finanzblase zuletzt unter missglückten Investments wie beim Büroraum-Vermieter Wework gelitten hatte, muss sich auf harte Gesprächsrunden einstellen.

Foto: Kim Kyung-Hoon/ REUTERS
3 / 16

Wie wirksam die Angst vor Elliott ist, zeigte sich beim vorigen großen Opfer AT&T. Der US-Telekommunikations- und Medienriese stimmte im Oktober 2019 einem von Elliott aufgesetzten Plan zu, das gesamte Portfolio zu überprüfen und auf Rendite zu trimmen. AT&T versprach sogar "keine Übernahmen mehr" wie zuletzt der 85 Milliarden Dollar teure Kauf von Warner Media. "Unsere Interessen stimmen zu 100 Prozent überein", beteuerte Konzernchef Randall Stephenson, "ernsthaft". Es war eine schnelle Kapitulation vor Elliott. Der Fonds war im Vormonat mit 1 Prozent der Aktien eingestiegen und hatte verbreitet, dem Konglomerat fehle ein Plan.

Foto: SHANNON STAPLETON/ REUTERS
4 / 16

Im Juni 2019 nahm Elliott sich Bayer vor. Bereits 2018 war der Hedgefonds mit rund 2 Prozent der Anteile eingestiegen. Singer fordert nun öffentlich eine Zerschlagung des Pharma- und Agrarchemiekonzerns, sollte es nicht gelingen, die Glyphosat-Klagen in den USA möglichst rasch per Vergleich beizulegen. Nach herben Niederlagen vor Gericht bewegt sich Bayer tatsächlich in diese Richtung. Dabei war die ursprüngliche Idee hinter der Mega-Übernahme des Glyphosat-Konzerns Monsanto, Aktivisten von Angriffen auf Bayer abzuschrecken - das Gegenteil wurde erreicht.

Foto: Henning Kaiser / dpa
5 / 16

Von Scout24 hat Elliott sich Ende 2019 zurückgezogen - die Mission war erfüllt: Die deutsche Kleinanzeigenplattform hatte ihren Autohandelsteil an Finanzinvestoren verkauft, wie zuvor in einem geharnischten offenen Brief an "das Führungsteam ohne Ambition" gefordert. Elliott war mit 7 Prozent bei Scout24 eingestiegen, nachdem ein Komplettverkauf an Finanzinvestoren gescheitert war.

Foto: picture alliance / dpa
6 / 16

Thyssenkrupp hatte schon seit Jahren aktivistische Großaktionäre im Nacken (Cevian aus Schweden) - doch erst als Elliott 2018 mit weniger als 3 Prozent Anteil dazukam, gaben Konzernchef Heinrich Hiesinger und Chefaufseher Ulrich Lehner (der von "Psychoterror" sprach) auf. Hiesingers Nachfolger Guido Kerkhoff (Bild) versprach eine Konzernspaltung in zwei Teile - und musste schon wieder eine Kehrtwende hinlegen, nachdem Elliott den Nutzen der Aktion bezweifelt hatte. An dessen Nachfolgerin Martina Merz hatte Singer nichts auszusetzen, bisher jedenfalls.

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa
7 / 16

Nebenbei ärgert Elliott den finnischen Energieversorger Fortum, der gerade Uniper übernehmen will, das vom deutschen Eon-Konzern ausgegliederte klassische Kraftwerksgeschäft. Singers Fonds stieg im Dezember 2017 bei Uniper ein, während das Übernahmeangebot von Fortum lief. Mit dem inzwischen abgelösten, alten Management machten die Amerikaner gemeinsame Front gegen den Deal. Im Juni 2019 erhöhte Elliott seinen Anteil auf über 10 Prozent, inzwischen sind es 18. Hauptziel: den Preis für eine Abfindung von Fortum hochtreiben. Zwei Milliarden Euro dürften dafür fließen.

Foto: DPA
8 / 16

Bei Hyundai hat Singer 2019 eine Niederlage eingesteckt, konnte sich dann aber immerhin zu gutem Kurs von seinem 3-Prozent-Anteil trennen. Im April 2018 hatte Elliott Hyundai-Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar gekauft - und gleich mit Kritik an einer geplanten, 8,8 Milliarden Dollar teuren Restrukturierung losgelegt.
Erstmal knickte der südkoreanische Autohersteller ein und schob den Umbau auf die lange Bank. Doch dann drängte der Hedgefonds auf eine Sonderdividende von sechs Milliarden Dollar und eine Vergrößerung des Aufsichtsrats. Damit scheiterte Singer: Die Mehrheit der Anteilseigner stimmte im März 2019 gegen Singers Pläne.

Foto: Hyundai
9 / 16

Einen noch größeren Kampf in Südkorea hat Elliott mit Samsung aufgenommen. Singer forderte das sowieso um das Erbe des Patriarchen Lee Kun-hee ringende südkoreanische Konglomerat im Herbst 2016 auf, sich neu zu strukturieren und aufzuspalten. Die Aufspaltung in eine operative Einheit rund um Smartphones und Consumer Electronics sowie in eine Holding verspreche Steuervorteile, so Elliott. Zudem sei, Überraschung, eine Sonderdividende für die Aktionäre fällig, schrieb Singer in seinem Forderungskatalog. Über Abstimmungen auf Hauptversammlungen kam der Hedgefonds nicht durch - und verklagt nun die Republik Korea auf Schadenersatz, weil der Staat zum Schutz des Konzerns eingegriffen habe.
Als Kollateralschaden der Elliott-Samsung-Affäre wurde Staatspräsidentin Park Geun-hye 2017 wegen Schmiergeldzahlungen abgesetzt und im Folgejahr zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

Foto: JUNG YEON-JE/ AFP
10 / 16

Im Juli 2018 übernahm Elliott kurzerhand den Mailänder Fußballclub AC Milan von seinem Schuldner Li Yonghong. Der Chinese hatte den Traditionsverein erst ein Jahr zuvor für 740 Millionen Euro von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi gekauft, konnte dann aber die von Elliott geforderten Zinsen nicht abliefern.

Foto: MIGUEL MEDINA/ AFP
11 / 16

Beim deutschen Arzneimittelhersteller Stada ist Singer im Juli 2017 als Großaktionär eingestiegen - gerade, als der Übernahmekampf verschiedener Finanzinvestoren entschieden schien; im September schaffte er es mit 15 Prozent der Aktien noch, den Preis hochzutreiben. Ohne diese Anteile hätten Bain Capital und Cinven keinen Beherrschungsvertrag abschließen können.

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa
12 / 16

Klaus Kleinfeld: Der ehemalige Siemens-Chef musste im April 2017 seinen Posten als CEO des US-Metallkonzerns Arconic räumen. Kleinfeld hatte zuvor einen Brief an Elliott geschrieben, der vor süffisanter Häme vor allem gegen Singer strotzt. Der Hedgefonds hatte seit Monaten einen Umbau des Führungsgremiums gefordert. Doch mit dem Brief hat sich Kleinfeld selbst ins Abseits befördert - und Elliott mehr als 100 Prozent Rendite beschert. Inzwischen hat sich der Deutsche gütlich mit Arconic geeinigt, seine neue Karriere als Berater des umstrittenen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman verspricht aber weniger Glanz.

Foto: Alex Wong/ Getty Images
13 / 16

Wenig bekannt ist, dass Elliotts Aktivistenrolle in Deutschland begann. Als die Gründerfamilie Ströher den Haarpflegekonzern Wella 2003 an Procter & Gamble verkaufte, stieg Elliott ein - und trieb den Preis auf 6,6 Milliarden Euro hoch. Wella, 2015 an den Coty-Konzern der deutschen Milliardärsfamilie Reimann weitergereicht, steht inzwischen abermals zum Verkauf.

Foto: Frank May/ picture-alliance/ dpa/dpaweb
14 / 16

Doch nicht nur Unternehmen stehen auf Singers Beuteliste. Auch ganze Staaten. Legendär ist inzwischen der Streit des Milliardärs mit Argentinien. Als das südamerikanische Land 2001 Insolvenz anmeldete, kaufte Elliott zahlreiche Staatsanleihen auf. Während ein Großteil der Gläubiger später dem Land die meisten Schulden erließ, verklagte Singer Argentinien in New York auf Zahlung von 2,4 Milliarden Dollar - und gewann 2016 mit über 1000-prozentiger Rendite.

Foto: Enrique Marcarian/ REUTERS
15 / 16

In der Republik Kongo ging Singer ähnlich vor: Ende der 1990er Jahre kaufte Elliott zu einem Schnäppchenpreis Staatsanleihen im Nennwert von 30 Millionen Dollar. Wieder klagte er auf vollständige Rückzahlung. Schließlich ordnete ein britisches Gericht an, dass der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore 39 Millionen Dollar, die das Unternehmen eigentlich an den Kongo für zwei Öllieferungen zahlen sollte, an eine Elliott-Tochter überweisen musste.

Foto: Therese Di Campo/ REUTERS
16 / 16

Die Liste der Firmen und Staaten ließe sich noch lange weiterführen. Seit 1977 ist Paul Singer jedenfalls mit diesem Geschäftsmodell erfolgreich. Inzwischen wird sein Vermögen auf 3,5 Milliarden Dollar geschätzt. Wie seine Masche funktioniert, können Sie auf manager magazin Premium nachlesen.

Foto: Mike Blake/ REUTERS
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.