Die Karriere des Deutsche-Bank-Aufsichtsratschefs Warum Paul Achleitner um sein Amt kämpft

Seine Karriere hat den Österreicher durch die renommiertesten Institutionen der Wirtschaftsrepublik geführt - und bis an die Spitze der Deutschen Bank. Nun muss er um sein Amt kämpfen.
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Vergleichsweise sorgenfrei: Schon mit 44 Jahren erlebte Paul Achleitner (rechts, hier neben Dresdner-Bank-Investmentbanker Lenny Fischer) einen frühen Karriere-Höhepunkt. Zur Jahrtausendwende wurde der in St. Gallen promovierte Sozial- und Rechtswissenschaftler Finanzvorstand der Allianz. Er sollte die zahlreichen Industrie-Beteiligungen des größten Versicherers Europas verkaufen - was ihm auch gelang. Zuvor hatte er rund zehn Jahre für Goldman Sachs gearbeitet und die US-Investmentbank in Deutschland etabliert. Aus dieser Zeit stammt die Grundlage seines dichten Netzwerks in Deutschlands Wirtschaftselite und seine finanzielle Unabhängigkeit. Durch den Börsengang Goldman Sachs' wurde Achleitner dank seiner Anteile selbst wohlhabend.

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Schon angespannter: Ende Februar 2009, als Achleitner gemeinsam mit Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann (Mitte) und Risikochef Helmut Perlet (links) auf der Jahrespressekonferenz des Versicherers auftritt, ist gerade einer der größten strategischen Fehlgriffe der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte offenkundig geworden. Wenige Wochen zuvor hatte die Allianz ihre Tochter Dresdner Bank, für deren Kauf Achleitner einst wesentlich mitverantwortlich war, an die Commerzbank losgeschlagen. Unter dem Dach der Allianz und dem Missmanagement des Allianz-Chefbankers Achleitner hatte sich das zuvor jahrzehntelang eigenständige und zwischenzeitlich sogar wichtigste deutsche Geldhaus zu einem Milliardengrab entwickelt. Nach dem Verkauf setzte sich das Desaster fort: Die Commerzbank musste Staatshilfe beantragen, intern war vom "Mühlstein Dresdner Bank" die Rede.

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Die dritte Karriere: Anfang September 2012 trifft sich Achleitner, als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank seit wenigen Monaten Deutschlands wichtigster Banker, mit EZB-Präsident Mario Draghi. Vom aufziehenden Chaos in Deutschlands wichtigster Bank ahnt Achleitner hier noch nichts. In den folgenden Jahren werden Draghis Banken-Regulatoren die Deutsche Bank mehrfach scharf rügen. Mit seinem Ausstieg bei der Allianz wird Achleitner Berufsaufsichtsrat mit Mandaten bei Konzernen wie Daimler, Bayer oder RWE. Noch aktiver ist seine Ehefrau...

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...Ann-Kristin Achleitner. Die Wirtschaftsprofessorin hat inzwischen ihre Lehrtätigkeit an der TU München stark reduziert und sich als führende deutsche Aufsichtsrätin etabliert, unter anderem bei Linde, MunichRe und Deutscher Börse. Zudem ist sie in der Corporate Governance Kommission der Bundesregierung aktiv...

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...Achleitner hat früh schon einen Draht in die Politik gehabt. Zu Goldman-Sachs-Zeiten arbeitete er intensiv mit der Treuhand zusammen. Ein guter Freund des Österreichers ist der ehemalige Außenminister und Grünen-Politiker Joschka Fischer (hier Anfang April 2014 neben Gerhard Schröder)...

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...aber auch zur aktuellen Bundesregierung, hier eine Aufnahme mit Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf einer Veranstaltung der Alfred Herrhausen Gesellschaft aus dem Herbst 2015, pflegt er gute Beziehungen. Seine Mitgliedschaft im Beirat der Münchner Sicherheitskonferenz sichert Achleitner zudem regelmäßige Treffen auch mit internationalen Polit-Größen.

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Allerdings hat das alles nicht die missliche Lage der Deutschen Bank abwenden können. Das führende Geldhaus Deutschlands ist ein Sanierungsfall. Inzwischen machen die Aktionäre dafür auch Paul Achleitner selbst verantwortlich. Der scharfen Kritik auf der Hauptversammlung am 19. Mai werden konfliktreiche Monate folgen. Achleitners Mandat läuft im Mai 2017 aus. Einflussreiche Investoren wollen eine zweite Amtszeit verhindern.

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