Hamilton, Cook, Ross und andere Steuertrickser Die wichtigsten Namen aus den Paradise Papers

Erneut machen Enthüllungen die Runde, die auf Daten von Firmen der Offshore-Industrie basieren. Es geht um Finanzverstrickungen und Geschäftspraktiken teils sehr prominenter Köpfe aus Wirtschaft und Politik. Hier die wichtigsten Fälle, die die "Süddeutsche Zeitung" und andere beteiligte Medien bislang publik gemacht haben.
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Nach Prominenten aus Sport und Politik geraten auch Unternehmen in den Fokus der Berichte über die "Paradise Papers". Laut der "Süddeutschen Zeitung" vermeidet der Autovermieter Sixt einen Großteil seiner Steuern, weil die eigentlich in Pullach bei München registrierte Finanztochter Sixt International Services zugleich in der Steueroase Malta registriert ist. Sie verleiht anderen Konzernfirmen Geld, die dann die Zinskosten steuerlich absetzen können.

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Schon in den "Panama Papers" 2016 tauchten die Firmeneigner Erich und Regine Sixt als Kunden der Kanzlei Mossack Fonseca auf, die ihre Karibik-Besitztümer auf den Britischen Jungferninseln verwalten ließ - und Sixt nutzte die Aufmerksamkeit zur Werbung: "Schnappt sie euch, Jungs! Mietwagen für Steuerfahnder in über 4000 Stationen weltweit - auch in Panama."

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"Le Monde" enthüllt, dass der reichste Franzose Bernard Arnault neben dem bekannten Vermögen von rund 60 Milliarden Euro auch noch über ein Offshore-Reich verfügt. Dazu zählt ein Anwesen nördlich von London, dessen Besitz Arnault über eine Firma in der Kanalinsel Jersey verschleierte, eine Hundert-Meter-Yacht im Namen einer maltesischen Gesellschaft, und etliche Finanzbeteiligungen, die in einer Luxemburg-Holding gebündelt sind.

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Lewis Hamilton liebt rauschende Partys und sein 20 Millionen teures Privatflugzeug. Steuern für das Allgemeinwohl zu bezahlen, überlässt der Brite lieber anderen Menschen. Der Mercedes-Pilot nutzt ein ganzes Geflecht von Briefkastenfirmen, um durch Steuertricks seine Einkünfte zu maximieren. Mit Hilfe des britischen Staates und der Isle of Man drückte sich Hamilton um mehrere Millionen Euro Steuern, die bei Kauf und Einführung seines Privatjets in die EU fällig geworden wären.

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Die Isle of Man hat für Hamilton bei diesem Unterfangen einen großen Vorteil: Sie ist zwar nicht offiziell Teil der Europäischen Union, es besteht aber ein Zollabkommen mit dem Mitgliedsstaat Großbritannien. Hamiltons Flugzeug galt daher bei der Einführung über die Isle of Man als in die EU importiert, musste aber nur nach den superniedrigen Steuersätzen der Kanalinsel versteuert werden. Die Steuerersparnis für den F1-Piloten laut "SZ": etwa vier Millionen Euro.

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Dank einer sorgfältig aufgefädelten Kette von Briefkastenfirmen sparte Hamilton 20 Prozent Mehrwertsteuer, die er sonst für seine in Kanada gekaufte Maschine, eine rote Bombardier Challenger 605, bei der Einfuhr in die EU zahlen müsste. "Verdammt, wie ich dieses Flugzeug liebe", schrieb Hamilton einmal. Auch seinen millionenschweren Arbeitsvertrag mit dem Mercedes-Rennstall hat Hamilton laut "SZ" über eine Briefkastenfirma organisiert. Wie lange Mercedes noch an dem König der Briefkastenfirmen in seinem Cockpit festhalten will, ist offen.

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Hamiltons Arbeitgeber Mercedes-Benz hat am Steuergebaren des Briten indes offenbar nichts auszusetzen. Das Unternehmen könne keine Auffälligkeiten erkennen, heißt es in einem Statement auf eine entsprechende Anfrage von manager magazin online. Weiter wolle man sich dazu - auch aus Gründen der Vertraulichkeit - nicht äußern.

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Einer der prominentesten Namen in den sogenannten Paradise Papers und zugleich einer der brisantesten Fälle ist der des Multimilliardärs und US-Handelsministers Wilbur Ross (rechts neben US-Präsident Donald Trump). Den Enthüllungen zufolge hält Ross auf Umwegen privat Anteile an einer Schifffahrtsgesellschaft namens Navigator - und die macht ...

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... florierende Geschäfte mit dem russischen Energiekonzern Sibur. Sibur wiederum gehört einigen engen Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin, unter anderem auch dessen Schwiegersohn, so die "SZ". Von den Ermittlern, die in Washington derzeit die Verbindungen des Trump-Lagers im Wahlkampf 2016 zu Russland unter die Lupe nehmen, dürfte diese Information interessiert zur Kenntnis genommen werden.
Hintergrund: Die Paradise Papers bestehen laut "SZ" aus vertraulichen Daten aus 21 unterschiedlichen Quellen, und zwar von der auf Bermuda ansässigen Anwaltskanzlei Appleby sowie der kleineren Treuhandfirma Asiaciti Trust mit Hauptsitz in Singapur.

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Eine Enthüllung dieser Papiere betrifft auch den irischen Sänger Bono. Der weltbekannte Frontman der irischen Rockband U2 hat demnach über Firmen in Malta und in Guernsey in ein Einkaufszentrum in Litauen investiert. Eine Sprecherin des Sängers, der mit bürgerlichem Namen Paul David Hewson heißt, hat die entsprechenden Berichte der britischen Zeitung "The Guardian" und der litauischen Plattform "15min.lt" bereits bestätigt.

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Auch der schwerreiche russische Oligarch Alischer Usmanow hat seinen Auftritt in den Paradise Papers. Putin-Freund Usmanow ist bekanntlich Eigentümer ...

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... des britischen Premier-League-Clubs FC Arsenal. Laut "Süddeutscher Zeitung" legen die Paradise-Unterlagen nun jedoch den Verdacht nahe, ...

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... dass der Russe auch Einfluss auf den ebenfalls in der englischen Topliga spielenden FC Everton haben könnte. Das wäre ein Unding, denn eigentlich tut die Premier League alles, um zu vermeiden, dass zwei Clubs von ein und demselben Eigentümer oder Verantwortlichen geleitet werden - allein schon um das Fairplay und den unbeeinflussten Wettkampf zu gewährleisten.

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Der russische Investor Juri Milner ist so etwas wie ein Star im Silicon Valley, der unter anderem mit frühen, großen Investments in die aufstrebenden Social-Media-Firmen Facebook sowie Twitter berühmt geworden ist. Jetzt kommt heraus:

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Bei diesen Investments wurde Milner offenbar mit Geldern vom Kreml ausgestattet. Auch dies könnte im Zusammenhang mit dem vergangenen US-Wahlkampf auf Interesse stoßen: Die Rolle der sozialen Medien wurde im Kampf ums Weiße Haus immer wieder kritisch beäugt - bis hin zum Vorwurf, Russland nehme auf diesem Wege Einfluss auf den Wahlausgang.

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Selbst Queen Elizabeth II taucht in den Paradise Papers auf - jedenfalls indirekt: Laut "SZ" investierten Vermögensverwalter der britischen Königin in eine Firma, die Haushaltsgüter auf Raten verkauft, und zwar zu horrenden Zinssätzen. Die Beteiligung erfolgte über einen Fonds auf den Kaiman-Islands, so der Bericht. Von diesem Umweg über die Steueroase wollen die britischen Beamten allerdings eigenen Angaben zufolge nichts gewusst haben.

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Auch Kanadas beliebter Premierminister Justin Trudeau muss sich wegen der Paradise Papers Fragen gefallen lassen - und weigert sich laut "SZ" bislang, darauf zu antworten. Der Fall: Stephen Bronfman, ein enger Vertrauter und Förderer Trudeaus, soll in ein Konstrukt verstrickt sein, mit dessen Hilfe dem kanadischen Staat Steuereinnahmen in Millionenhöhe verloren gegangen sein sollen.

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Um Steuern geht es auch im Falle des iPhone-Herstellers Apple mit seinem Chef Tim Cook. Die Dokumente enthüllen der "SZ" zufolge, nach welchen Kriterien der Computergigant Apple eine neue Steueroase für seine Geschäfte suchte: Es sollte ein Land sein, das wenig Transparenz und Steuern verlangt und in dem offenkundig keine Opposition diese Großzügigkeit gegenüber dem iPhone-Hersteller rückgängig machen könnte, wenn sie an die Regierung käme. Fündig wurde Apple bei seiner Suche offenbar ebenfalls: Zwei wichtige Tochtergesellschaften wurden dem Bericht zufolge auf die Kanalinsel Jersey verlegt.

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Ähnlich wie Apple ist offenbar auch Nike an einer optimalen Steuerstruktur interessiert. Laut "SZ" hatte Nike früher zahlreiche Offshore-Firmen auf den Bermudas, mit denen Gewinne und Steuerlast gedrückt wurden. Die Paradise Papers zeigen der Zeitung zufolge jedoch, dass der Sportartikelhersteller seine Praxis inzwischen in die Niederlande verlagert hat - dort zahle das Unternehmen noch weniger Steuern, heißt es.

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Auch Alt-Kanzler Gerhard Schröder ist mit von der Partie. Laut "SZ" zeigen die Paradise Papers, dass Schröder 2009 sogenannter "unabhängiger Aufsichtsrat" des russisch-britischen Energieunternehmens TNK-BP war. Das Joint Venture zwischen der britischen BP- und der russischen Alfa-Gruppe habe seinen Sitz wie viele Öl-Joint-Ventures auf den Britischen Jungferninseln - eine Offshore-Firma also, so die "SZ". Gerhard Schröder hat vermutlich schon schlimmeres über sich in der Zeitung gelesen.

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Ein umfangreiches Steuerstrafverfahren um den 2016 verstorbenen deutschen Pharma-Milliardär Curt Engelhorn und seine Töchter wurde laut "SZ" bereits vor Jahren mit einem Vergleich beendet. Nun fördern die Paradise Papers jedoch der Zeitung zufolge neue Informationen zutage, die darauf hindeuten, dass seinerzeit weit mehr als die im Rahmen des Vergleichs gezahlte Summe hinterzogen worden seien. Engelhorns Töchter äußerten sich laut "SZ" zu dem Vorwurf nicht.

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Die Paradise Papers zeigen laut "SZ" auch, wie der Glücksspiel-Unternehmer Peter Gauselmann die Steueroase Isle of Man nutzt, um an dem hierzulande verbotenen Online-Glücksspiel zu verdienen.

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