Opel und Peugeot Was die wichtigsten Akteure wollen

Wieder einmal steht Opel im Zentrum einer Neuordnung der Autoindustrie. Die Aussicht auf einen Verkauf an Peugeot treibt auch die deutsche Politik um. Die wichtigsten Akteure im Überblick.
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Karl-Thomas Neumann tritt selbstbewusst auf. Unter seiner Führung seit 2013 haben sich Opels Modellpalette und Markenimage erholt, die Europäer können relativ eigenständig unter der US-Konzernmutter General Motors agieren. Für die Zukunft schmiedet Neumann noch größere Pläne: Opel will nach mm-Informationen als reiner Elektroautohersteller auf Basis des Chevrolet Bolt/Opel Ampera-e eine neue Identität finden. Aber ...

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... GM-Chefin Mary Barra hat anderes vor, nicht nur weil der Bolt eine Vorleistung der Amerikaner ist. Seit dem Jahr 2000 erduldet Detroit rote Zahlen von Opel, das Erreichen der Gewinnschwelle ist ein ähnliches Datum wie die BER-Eröffnung. Schon früher gab es Verkaufspläne, die Barras Vorgänger dann doch wieder aufgaben. Jetzt macht sie ernst. Gespräche mit Peugeot Citroën könnten zur Trennung nach fast 90 Jahren Beteiligung führen. Erst nachdem die Verhandlungen öffentlich wurden, reist Barra an diesem Mittwoch nach Rüsselsheim, um sich der Opel-Führung zu erklären.

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Der große Gewinner könnte Carlos Tavares sein. Der Portugiese hat als Peugeot-Chef den Turnaround eines jahrelangen Verlustbringers geschafft und strebt jetzt nach weiterer Größe im Volumengeschäft. Gerade weil die Franzosen so viele Überschneidungen mit Opels Angebot haben, ließen sich Kosten sparen. Doch das bedeutet vermutlich Werksschließungen - und ruft die Politik auf den Plan. Tavares will möglichst bald Bundeskanzlerin Angela Merkel, Opel-Betriebsräte und die IG Metall treffen.

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Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries rügte bereits als "inakzeptabel", dass die Konzerne nicht früher die Beschäftigten, Bund und Länder in ihre fortgeschrittenen Verhandlungen einbezogen. Neben weiteren Opel/Vauxhall-Standorten wie Spanien, Polen oder Großbritannien mischen auch die deutschen Länder - wie schon im monatelangen Opel-Poker 2009 - mit.

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Rheinland-Pfalz sorgt sich um das Motorenwerk Kaiserslautern. In Malu Dreyers Ampelkoalition genießt die FDP ihre bundesweit einzige Regierungsbeteiligung. Wirtschaftsminister Volker Wissing (rechts) sicherte Opel "volle Unterstützung" zu, signalisierte aber auch dem Käufer Peugeot "eine faire Chance". Dreyer forderte eine Beschäftigungs- und Standortgarantie.

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Die meisten Opelaner arbeiten im schwarz-grün regierten Hessen, wo das Stammwerk Rüsselsheim steht. "Wir möchten ein starkes Opel-Werk, wir möchten die Arbeitsplätze erhalten", äußerte sich Ministerpräsident Volker Bouffier besorgt.

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Mit dem Opel-Werk Eisenach in Thüringen haben es die Automanager auch mit der Politkonstellation Rot-rot-grün zu tun. Bodo Ramelows Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat Gewicht als früherer Bundesminister. "Für mich ist wichtig, dass Opel als Marke und der Standort Eisenach erhalten bleibt und die Beschäftigten eine langfristige Perspektive bekommen", betont Tiefensee nach seiner ersten Überraschung. "Darauf werden wir sehr genau achten."

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Auch Peugeot muss seine Eigner überzeugen. Dazu zählt seit der Kapitalerhöhung von 2014 der französische Staat, der zugleich eine ähnlich große Beteiligung an Renault hält. Der damalige Wirtschaftsminister und jetzige Favorit für die Präsidentschaftswahl im Frühjahr, Emmanuel Macron, hat sich eine moderne Industriepolitik auf die Fahnen geschrieben, in der die Regierung wie eine Investmentbank agiert. Die Regierung unterstütze das Peugeot-Management "bei dem Wunsch, eine kritische Masse zu erreichen", hieß es am Dienstag aus Paris.

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Wie die Regierung ist auch die Gründerfamilie Peugeot nur noch mit 14 Prozent beteiligt, inzwischen geführt von Marie-Hélène Peugeot-Roncoroni (im Bild Holding-Chef Robert Peugeot). Sie will das bis in die Anfänge der Autoindustrie in den 1880er Jahren zurückreichende Erbe wahren - hat aber bereits vor drei Jahren Kontrolle abgegeben. GM mit an Bord zu holen, könnte also der Preis sein, um die Zukunft als einer der großen Autokonzerne zu sichern. "Wir haben keinerlei Tabu", erklärte Robert Peugeot Anfang 2016 im Interview mit "Les Echos". Und dann ist da noch ein Dritter im Bunde ...

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Das ist der chinesische Autohersteller Dongfeng, der ebenfalls 14 Prozent an Peugeot Citroën hält und sich bislang nicht zu den Opel-Plänen äußerte. Dongfeng-Chef (und Parteisekretär) Zhu Yanfeng ist Vizepräsident des Aufsichtsrats. Der Einstieg der Chinesen war bereits ein sensibles Thema für General Motors. Der US-Konzern, der zuvor eine Produktionsallianz mit Peugeot vereinbart hatte, murrte vernehmlich über drohenden Technologietransfer. Jetzt könnte die neue europäische Autogröße eine amerikanisch-chinesische Partnerschaft werden, während Präsident Trump auf Konfrontation geht.

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