Grüner Cheflobbyist für Bayer/Monsanto So schlagen sich Ex-Politiker in der Wirtschaft

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An seinem Job hängt viel für den Bayer-Konzern: Matthias Berninger (47) ist seit Jahresbeginn als Cheflobbyist in Washington dafür zuständig, Politik und Öffentlichkeit für den Erfolg der 66 Milliarden Dollar teuren Monsanto-Übernahme zu gewinnen. Ausgerechnet ein Grüner wirbt für den Gentechnik- und Pflanzengiftriesen.

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Lobbyerfahrung hat Berninger schon seit 2008 für Mars in Brüssel gesammelt. Zuvor war er unter Rot-Grün Staatssekretär im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Als jüngster Abgeordneter im Bundestag 1994 hatte Berninger die schwarz-grüne "Pizza Connection" organisiert. Mehrere Weggefährten sind inzwischen ebenfalls in die Welt der Konzerne gewechselt.

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Eckart von Klaeden (53) war 2013 direkt vom Staatsministerposten im Kanzleramt zur Daimler AG gegangen. So lukrativ der Karriereschritt für den CDU-Politiker auch sein mag, brachte er zuletzt im Abgasskandal auch reichlich unangenehme Aufgaben. Der politische Einfluss der Autokonzerne ist nicht mehr über Zweifel erhaben.

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Ronald Pofalla (59) blieb immerhin dem Staatssektor treu. Der Ex-Kanzleramtsminister startete 2015 als Cheflobbyist der bundeseigenen Deutschen Bahn und rückte schnell in den Vorstand auf, wo er seit 2017 für Infrastruktur zuständig ist. Ein Aufstieg zum Konzernchef ist in den aktuellen Bahn-Querelen wieder denkbar. Der CDU-Mann hat experimentell schon mal die "Pofalla-Wende" einführen lassen: Unpünktliche Züge werden vor dem planmäßigen Zielbahnhof wieder auf die Rückfahrt geschickt. Im Nebenjob ist er noch als Co-Chef der für seine niederrheinische Heimat wichtigen Kohlekommission politisch aktiv.

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Berningers politischer Ziehvater Joschka Fischer (70) sitzt seit Jahresbeginn im Beirat des kanadischen Cannabis-Konzerns Tilray. Zuvor hatte der grüne Ex-Außenminister schon etablierte Konzerne wie Rewe oder BMW beraten, auch RWE und OMV für die von der EU angestrebte Pipeline Nabucco, die Erdgas aus Aserbaidschan nach Europa bringen sollte, um Russland zu umgehen. Das geopolitische Spiel scheiterte jedoch 2013.

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Gerhard Schröder (74) hingegen, als SPD-Bundeskanzler Fischers Seniorpartner in der rot-grünen Koalition, hat sein russisch-deutsches Pipelineprojekt Nord Stream verwirklicht - jetzt geht es für Gazprom, BASF und Co. nur noch um Nord Stream 2. Seit 2017 führt Schröder auch den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rozneft. Mit 600.000 Dollar ist die Vergütung nicht viel höher als das Gehalt im Bundeskanzleramt.

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Friedrich Merz (63) hat als ehemaliger CDU-Fraktionschef einen größeren Gehaltssprung gemacht, als er 2004 bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Mayer Brown anheuerte und zeitweise eine Vielzahl von Aufsichtsratsmandaten sammelte, zuletzt noch als Vorsitzender beim Flughafen Köln-Bonn, dem Arnsberger Klopapierhersteller Wepa und dem deutschen Ableger des Vermögensverwalters Blackrock. Überraschend versuchte er mit seiner knapp gescheiterten Bewerbung für den Parteivorsitz Ende 2018 noch ein politisches Comeback.

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Zu Merz' Fürsprechern zählt Roland Koch (60), der nach seiner Zeit als hessischer Ministerpräsident von 2011 bis 2014 den Baukonzern Bilfinger führte - dann aber zurücktreten musste, als der radikale Konzernabbau scheiterte. Später musste er sich noch mit Schadenersatzforderungen des Ex-Arbeitgebers wegen Korruptionsskandalen herumschlagen, konnte aber eine Management-Professur an einer Frankfurter Privathochschule und einen Aufsichtsratsposten bei Vodafone Deutschland ergattern.

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CDU-Parteifreundin Hildegard Müller (51), zu Abgeordnetenzeiten noch wegen Nebeneinkünften von der Dresdner Bank kritisiert, wechselte 2008 aus dem Kanzleramt zum Energiewirtschaftsverband BDEW. Von dort ging es weiter zum Stromkonzern RWE und dann in dessen Ökostrom-Abspaltung Innogy einschließlich Vorstandsposten. Innogy ist jedoch wohl bald schon wieder Geschichte, weil Eon das Unternehmen übernimmt.

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Daniel Bahr (42) zählt auch zu den Weggefährten Matthias Berningers: Gut zehn Jahre nach der schwarz-grünen "Pizza Connection" flochten die beiden zusammen an einem schwarz-gelb-grünen Jamaika-Netzwerk. Bahr wurde dann noch, ohne Jamaika, Gesundheitsminister für die FDP. Heute ist er Vertriebsvorstand der Allianz Private Krankenversicherung.

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Sigmar Gabriel (59) muss noch warten. Der Ex-Wirtschaftsminister und frühere SPD-Chef soll Verwaltungsrat der geplanten Bahntechnikallianz von Siemens und Alstom werden, die derzeit vor allem von der EU-Kommission gebremst wird. Im Amt hatte sich Gabriel für den Deal stark gemacht. Im März läuft die einjährige Karenzzeit nach seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung ab. Wenn Siemens Alstom dann zustande kommt, könnte der Bundestagsabgeordnete das Mandat sofort übernehmen.

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Amtsvorgänger Philipp Rösler (45) hat einen der kurioseren Wege beschritten: Nachdem die FDP unter seiner Führung mit dem Ausscheiden aus dem Bundestag eine historische Niederlage erlitt, ging er zunächst 2014 als Geschäftsführer in die Schweiz zur Stiftung World Economic Forum. Seit Ende 2017 ist er Chef der Hainan Cihang Charity Foundation, die knapp 30 Prozent am chinesischen Mischkonzern HNA Group hält - und damit indirekt als Großaktionär der Deutschen Bank eine wichtige Rolle spielen könnte. Doch die Bankaktien musste HNA wegen finanzieller Probleme verpfänden. Zudem erlosch die US-Anerkennung von Röslers in New York angemeldeter Stiftung als gemeinnützig, weil die Eigentumsverhältnisse der Aufsicht zu unklar waren.

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Dirk Niebel (55) ging mit Rösler und Bahr aus der schwarz-gelben Regierung ins politische Aus. Der frühere FDP-Entwicklungshilfeminister und gelernte Berufssoldat hat 2015 seine Berufung als Waffenlobbyist beim Rüstungskonzern Rheinmetall gefunden.

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Dort hat 2017 auch der CDU-Politiker Franz Josef Jung (69), der von 2005 bis 2009 deutscher Verteidigungsminister war, ein Auskommen gefunden - als Aufsichtsrat. Rheinmetall will mit dem Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann einen noch viel größeren Rüstungskonzern bilden.

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Stefan Mappus (52) hat 2011 als Ministerpräsident die einstige CDU-Hochburg Baden-Württemberg an die Grünen verloren und wechselte zum Pharmakonzern Merck, wo er beinahe Brasilien-Chef geworden wäre - allerdings nur für drei Monate. Der kurz vor seiner Abwahl betriebene Einstieg des Landes beim Energiekonzern EnBW wurde vom Staatsgerichtshof für verfassungswidrig erklärt. Seit März 2015 ist der Diplomökonom nun Vorstand beim IT-Beratungshaus PMOne in München, einem Mittelständler mit 240 Mitarbeitern.

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Monika Griefahn (64), die einst Greenpeace in Deutschland mitgründete und in den 90er Jahren als SPD-Umweltministerin in Niedersachsen amtierte, fand 2012 bei der Rostocker Kreuzfahrtreederei Aida eine neue Rolle als Chief Sustainability Officer. Hauptmission: die schmutzigen Schiffe auf Flüssiggasbetrieb umstellen, mit zähem Fortschritt. 2018 wechselte sie als Beraterin zur Muttergesellschaft Costa, die wiederum dem Konzern Carnival Cruises gehört.

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