Damenopfer im letzten Zug So sicherte sich Carlsen die WM - und so verdient er Millionen

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In New York hat sich Magnus Carlsen erneut den Weltmeistertitel im Schach gesichert. Im sogenannten Tie-break errang er am Mittwochabend den Sieg gegen seinen Herausforderer Sergej Karjakin aus Russland.
Nachdem die beiden Kontrahenten in den zwölf regulären Partien des Wettkampfes wenig begeisterndes geboten hatten, sorgte der Tie-break mit verkürzter Bedenkzeit für die erhoffte Hochspannung und beste Unterhaltung. Dabei gelang dem alten und neuen Titelträger Carlsen der wohl schönste Zug des gesamten Weltmeisterkampfes ganz zum Schluss:

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In der vierten und entscheidenden Partie des Tie-breaks spielte Carlsen mit den weißen Steinen. Karjakin, der 1 zu 2 zurücklag und dieses Spiel gewinnen musste, um im Rennen zu bleiben, stand von Beginn an unter Druck.
Hier die Stellung vor Carlsens hübschem Schlusszug: Der Weltmeister hat mit seinem Turm auf c8 Schach geboten, so dass Karjakin mit dem König nach h7 ausweichen musste. Carlsen darf jetzt keine Zeit verlieren, denn auch Karjakin ist dem weißen König mit Dame und Turm bedenklich nahe gerückt. Doch welcher Zug von Carlsen mit den weißen Steinen beendet die Partie nun augenblicklich?

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Das Damenopfer auf h6! Die weiße Dame ist dort durch den schwarzen König und den Bauern auf g7 doppelt angegriffen und nicht durch eine andere weiße Figur gedeckt. Karjakin kann Carlsens Dame also einfach schlagen (genau genommen muss er das sogar, einen anderen Ausweg aus dem Schach gibt es für den schwarzen König nicht).
Doch dann folgt unweigerlich das Schachmatt: Schlägt Karjakin mit dem g7-Bauern, setzt Carlsen mit dem Turm auf f7 matt, schlägt er die Dame dagegen mit dem König, kommt der andere Turm nach h8, ebenfalls mit matt. Karjakin gab daher direkt nach Dame h6 auf - Carlsen hatte den Wettkampf gewonnen.

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Eine Vorentscheidung war bereits in Partie 3 des Tie-breaks gefallen, die Carlsen - diesmal mit den schwarzen Steinen - ebenfalls gewinnen konnte. Entscheidend war dieser Fehler Karjakins, den er allerdings in größter Zeitnot beging: Der Russe - erneut in bedrängter Position - zog den Turm von der Grundlinie weg, um einen Bauern auf c7 zu schlagen. Carlsens Replik war wiederum tödlich:

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Nach Turm a1 gibt es für Weiß keine Hoffnung mehr - Karjakin wird Material verlieren und damit auch die Partie. Der Russe gab deshalb sofort auf.

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Doch der seit gestern 26-jährige Norweger Magnus Carlsen spielt das Schachspiel nicht nur so gut wie wenige vor ihm, er verdient damit auch Summen, die in dieser Sportart beispiellos sind.

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2013 erklomm Carlsen nach dem Sieg gegen Titelverteidiger Viswanathan Anand erstmals den Weltmeisterthron. Für den Titel allein erhielt er ein Preisgeld von 1,2 Millionen Euro.

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Großverdiener war Carlsen allerdings zuvor bereits: Seinem Manager zufolge betrug sein Jahreseinkommen schon 2012 etwa 1,2 Millionen US-Dollar, also rund 1,1 Millionen Euro. Unmittelbar nach dem Gewinn des WM-Titels ließ Carlsen zudem seinen Namen als Marke eintragen, um Produkte künftig besser vermarkten zu können.
Die "Financial Times" zitierte Carlsens Manager Espen Agdestein vor wenigen Tagen mit der Information, die Einkünfte des Schachweltmeisters lägen zurzeit bei insgesamt rund zwei Millionen Dollar im Jahr (etwa 1,8 Millionen Euro).

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Weitere Tophonorare: Für die erfolgreiche Titelverteidigung 2014 in Sotschi erhielt Carlsen 60 Prozent des Gesamtpreisgeldes von 1,5 Millionen Dollar, also mehr als 800.000 Euro. Beim nun beendeten Match in New York gegen Karjakin (l.) erhält der Sieger laut Reglement erneut 60 Prozent des Gesamthonorars von mindestens einer Million Euro. Allein 200.000 Euro erhielten beide Spieler bereits für die Anreise zum Big Apple.

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Antritts- und Preisgelder machen allerdings nur einen Teil von Carlsens Einnahmen aus. Die Summen, die der gutaussehende Skandinavier zudem mit Sponsoring-Verträgen einstreicht, dürften alles übertreffen, was andere Schachspieler vor ihm auf dem Gebiet erreicht haben.

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Carlsen hat Kontrakte unter anderem mit einem großen norwegischen Halbleiterhersteller, einer norwegischen Anwaltskanzlei, einem Investmenthaus und einem Verlag. Auch als Jeansmodel ist er bereits in Erscheinung getreten. Skandinavischen Medien zufolge flossen aus diesen Verträgen allein 2013 700.000 bis 800.000 Euro auf Carlsens Konto. Es dürfte seither kaum weniger geworden sein.

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Hinzu kommen Showauftritte, für die sich der Weltmeister ebenfalls gut bezahlen lassen dürfte. Ein Beispiel sind Simultankämpfe gegen mehrere Gegner gleichzeitig, mit denen Carlsen, wie das Bild zeigt, bereits in jungen Jahren begann.

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In der Film-Doku "Magnus" etwa, die in diesen Tagen pünktlich zum Titelkampf in New York in die Kinos kommt und das Leben des Schachgenies nachzeichnet, ist zu sehen, wie Carlsen gegen eine Reihe schachspielender Juristen an der Elite-Uni Harvard antritt. Am Ende der Vorstellung hat der Weltmeister jeden der Anwälte besiegt - und zwar mit verbundenen Augen, also ohne nur einmal auf eines der Schachbretter geschaut zu haben.

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Zur Orientierung: Mit seinen Einnahmen ragt Magnus Carlsen aus der Masse der Schachgroßmeister heraus. Größere Summen fließen in dieser Sportart ohnehin nur in der absoluten Weltspitze. Nur etwa 40 bis 50 Topspieler weltweit - wie beispielsweise der langjährige Weltmeister Anand aus Indien - können ausschließlich vom Turnierschach leben, sagt der Hamburger Großmeister Niclas Huschenbeth zu manager magazin online.

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Diese Spitzenspieler kassieren zum einen in der Regel Antrittsgelder für das Erscheinen zu den Turnieren, plus Extras wie Kost und Logis. Zudem wetteifern sie um Preisgelder, die sich bei Turnieren hierzulande für den Sieger meist im fünfstelligen Euro-Bereich bewegen. Höhere Preisgelder werden etwa in den USA gezahlt, wo es sich allerdings in der Regel um offene Turniere handelt, an denen jeder teilnehmen kann.

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Schachgroßmeister, die nicht zur absoluten Spitze gehören und daher weniger vom großen Turnierkuchen abbekommen, haben zwar weitere Einkommensmöglichkeiten. Reichtümer können sie mit ihren Fähigkeiten in der Regel jedoch kaum anhäufen. Laut Großmeister Huschenbeth kann eine Simultanvorstellung beispielsweise rund 500 Euro bringen.

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Für eine Trainerstunde etwa in einem Schachclub oder, wie inzwischen häufiger üblich, online können Großmeister bis zu 60 Euro berechnen. Auch in Topligen wie der deutschen Bundesliga fließen zudem Honorare. Je nach Verein liegen sie in der Regel im dreistelligen Bereich für ein Wochenende.

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Eine lukrative Einnahmequelle ist auch die Produktion von Schach-DVDs sowie vor allem Videos für eine der großen Online-Schach-Plattformen. Beides ist offenbar dabei, das traditionelle Schachbuch abzulösen. Für eine solche Produktion kann ein Großmeister ein Honorar im niedrigen vierstelligen Bereich kassieren.

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