Luxusuhren Alles eine Frage des Materials

Mikrogestrahlte Titankeramik, polykristallines Silizium, gebackenes Karbon - es brodelt in der Alchemistenküche der Uhrmacherei. Zeitmesser aus Hightech-Materialien sind Trend. Sie bieten Vorteile für den Kunden und für die Hersteller - aber nicht immer. Hier sind die spektakulärsten Exemplare.
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Black Beauty: Breitling Schwarzes, geflochtenes Edelstahl dient als Armband. Und in ebenso schwarz karbonbehandeltes Edelstahlgehäuse packt Breitling sein Superquarz-Chronographenkaliber, das zehnmal präziser ist als ein Standardquarzwerk. Die neue Chronospace Military zeigt zahlreiche Funktionen, die besonders für Piloten nützlich sind: UTC-Weltzeit sowie zweite Zeitzone, Countdown, Alarm-Wecker, 1/100-Sekunden-Chronograph mit Zwischenzeiten (5730 Euro).

Foto: Breitling
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Leichtbaukonzept: Auf dem ultraleichten Nanoröhren-Karbon-Verbundgehäuse von Graham thront eine schwarze Keramik-Lünette. Zudem ist der markante Start-Stopp-Hebel für die Chronographen-Funktionen aus leichtem aber robustem Karbon geschmiedet, ebenso das Zifferblatt. Gesamt wiegt die 47 Millimeter opulente Automatik-Uhr sogar unter 100 Gramm. Nur 88 Exemplare existieren von diesem Chronofighter Oversize Superlight GT Asia (jeweils 7750 Euro).

Foto: Graham
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Geld spielt keine Rolex: Erst dieses Jahr erweiterte Rolex sein Sortiment der ausgeklügelten Oyster Perpetual Sky-Dweller. Dieser Chronometer mit Jahreskalender und zweiter Zeitzone besitzt sogar 14 Patente. Angetrieben wird das Multitalent durch ein COSC-zertifiziertes Automatikkaliber, das komplett vom Rotgold Everose umhüllt ist (39.500 Euro).

Foto: Rolex
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Ein extrem seltener Anblick: Die Alchemistenküche von Rolex. Als eine der wenigen Manufakturen besitzt Rolex eine eigene Gießerei. Hergestellt werden hier nicht nur das robuste Rolex-Rotgold namens Everose und weitere Edelmetalle für Gehäuse, sondern auch extrem reines Edelstahl, das ohne Nickelzusätze auskommt und somit keine Allergien auslöst.

Foto: Rolex
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Fans tauften sie Pepsi: Rolex stellte erstmalig 1954 seine GMT-Master vor, die wegen ihrer zweifarbigen Lünette an die typischen Pepsi-Farben erinnerte. Damals kam Bakelit zum Einsatz, in der 2014 präsentierten Version ist es Cerachrom. Für diese sehr robuste Keramikart samt Fertigungsprozess besitzt Rolex Patente. Im Inneren der 40 Millimeter großen Oyster Perpetual GMT-Master II arbeitet ein COSC-zertifiziertes Automatikwerk. Da sie aus Weißgold besteht, werden 31.500 Euro aufgerufen.

Foto: Rolex
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Verborgene Werte: Dies ist eine rot-blaue Scheibe mit weißen Zahlen. Von wegen. Die Cerachrom-Scheibe für die GMT-Master II besteht aus einem Stück - was extrem selten ist. Die zuerst rote Keramik wird zur Hälfte erst mit einer chemischen Lösung behandelt. Beim Sintern wandelt sich dieser Teil in Blau. Danach werden die Ziffern in die Keramik eingraviert und eingespritzt. Anschließend mittels Magnetron-Kathodenzerstäubung in einem PVD-Verfahren (Physical Vapour Deposition) mit einer feinen Gold- oder Platinschicht überzogen. Aufwendiger geht es kaum.

Foto: Rolex
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Fünf in einem: Die Syloxi-Spirale, die Rolex seit diesem Jahr in Damenmodellen integriert, besitzt fünf Patente, darunter eine besondere Geometrie – die Zweipunktebefestigung. Da die Spirale zudem aus Silizium und Siliziumoxid gefertigt ist, ist sie gegenüber Temperaturschwankungen, Abrieb und Magnetfeldern resistent. Das wiederum erhöht die Gangreserve und -genauigkeit.

Foto: Rolex
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Getunt wie ein Rennwagen: Bei der El Primero Lightweight wurde jedes Gramm eingespart - insgesamt etwa 25 Prozent einer herkömmlichen Metallausführung. So wurde das doppelte Chronographenrad samt Ankerrad und Anker sowie Hemmung und Hebel aus Silizium gefertigt. Ein amagnetisches High-Tech-Material, das härter als Stahl und dreieinhalbmal leichter als herkömmliche Legierungen ist. Die Brücken des schnellschwingenden Automatik-Kalibers bestehen aus leichtem Titan und das 45 Millimeter große Gehäuse aus Karbon und Aluminium mit Titandrückern und -krone. (250 Stück für je 15.400 Euro).

Foto: Zenith
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Materialschlacht bei der Big Bang Ferrari Magic-Gold von Hublot: Schwarzes Verbundkunstharz, Einsätze aus Kohlefaser, Titansenkschrauben und schwarze Titan PVD Einsätze, poliert und glasperlgestrahltes Magic-Gold sowie schwarzes, gebackenes Kautschuk. Für innere Kompetenz sorgt das hauseigene Kaliber Unico. Dadurch, dass die säulenradgesteuerten Chronographen-Funktionen mit einer horizontalen Doppelkupplung verbunden sind, wird Energie gespart - immerhin 72 Stunden Gangreserve bietet diese 45,5 Millimeter opulente Alchemisten-Uhr. Kostenpunkt: 28.300 Euro.

Foto: Hublot
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Die Rezeptur für Robustheit: Man nehme 24 karätiges Gold etwas Borkabidpulver (Keramik) und eine Brise Platin. Aus dieser Kombination fertigt Hublot teilweise seine Gehäuse, um sie vor Korrosion und Kratzern resistenter zu machen.

Foto: Hublot
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Der Alchemistenmeister von Hublot: Werkstoffingenieur Senad Hasanovic kreiert in seiner Hightech-Werkstatt das patentierte Magic-Gold.

Foto: Hublot
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Flammneues Material: Was aussieht wie gekörnte blaue Brillanten, ist eines der seltensten Edelmetalle der Welt – Osmium. Erst seit 2013 lässt sich das harte und extrem dichte Metall kristallisieren, um es für Schmuck oder Uhren zu verwenden. Daraufhin ...

Foto: Hublot
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... wurde es sofort bei Hublot eingesetzt und im Frühjahr 2014 die weltweit erste Uhr mit Osmium-Zifferblatt vorgestellt. Classic Fusion Tourbillon Firmament heißt die Rarität, die mit einem Handaufzug angetrieben wird und von einem Keramikgehäuse umschlossen ist (133.000 Euro).

Foto: Hublot
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Vielfalt: Hublot gilt als einer der kreativsten Alchemisten unter den Uhrmachern und als einer der vielseitigsten – so auch bei der Materialwahl der Gehäuse: das kratzfeste King Gold und daneben glasperlgestrahlte schwarze Keramik (obere Reihe). Aber auch gebackenes, ultra-leichtes Karbon sowie robustes Titan finden bei der Manufaktur Verwendung (untere Reihe).

Foto: Hublot
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Exklusives High-Tech: Schon 1963 entwickelte Bayer das unzerbrechliche PolycarbonatMakrolon, das sogar in Flugzeugtragflächen verbaut wurde. Jetzt stellt MB&F eine exklusive Weiterentwicklung dieses Materials vor und umhüllt damit seine neue Horolocigal Machine No. 5. In dem CarbonMacrolon, das aus druchgefärbten, anthrazitfarbenen Polymer besteht, wurden Nanoröhren eingebracht, um die Stabilität zu steigern. Innen sorgt ein purpurner Automatikrotor für den Antrieb und einstellbare Lamellen lassen Licht ins Gehäuse, damit die mit Super-Luminova beschichteten Anzeigenscheiben aufgeladen werden. 66 Mal wird dieses Exemplar für knapp 60.000 Euro gefertigt.

Foto: MB&F
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Viel Spektakel für Minuten und Stunden: Sie werden von zwei Halbkugeln aus Aluminium angezeigt. In der mittleren Saphirglasklugel fliegt ein Tourbillon, das mit einem beweglichen Titan-Schutzschild abgedeckt werden kann. Das komplexe Gehäuse soll an Space Piraten erinnern und ist für irdische Widerstandskraft aus Titan Grad 5 geschaffen, das auch in der Luftfahrt verwendet wird. Der Aufzugsrotor in Form einer Doppelstreitaxt besteht aus Platin und treibt zwei Aluminium-Turbinen an. Viel Action also. Dennoch kommt diese Horological Machine No. 6 Space Pirate auf stolze 72 Stunden Gangreserve. Etwa 200.000 Euro kostet eines der 50 Exemplare.

Foto: MB&F
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Gut Uhr will Weile haben: Nach mehr als sieben Jahren Entwicklung stellte Ulysse Nardin auf der Baselworld 2014 ein Unikat mit der eigenen Ankerhemmung vor - die Ulysse Ankor Escapement mit fliegendem Tourbillon und fliegendem Anker. Spektakulär zeigt sie sich durch eine Zifferblattöffnung: Die Hemmung besteht aus diamantenbeschichtetem Silizium in einem runden Rahmen, in dessen Mitte ein Anker auf einer Ebene an zwei Lamellen aufgehängt ist, die unter ständigem Druck gebogen werden.

Foto: Michèlle Mussler
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Nur wenige Millimeter groß, dennoch eine Revolution: Bei dieser komplexen Konstruktion der Silizium-Hemmung wird eine spezifische physikalische Eigenschaft von Blattfedern ausgenutzt, um die kinematischen Eigenschaften eines Ankerzapfens zu reproduzieren. Durch den Impuls bei jeder Halbschwingung der Unruh wird die Energie an die Lamellen übertragen, die ihren Spannungszustand dabei ändern – wie bei einem Haarclip. Der Anker ohne Achse schwenkt dabei ohne Reibungsverlust hin und her. Bei der Rückkehr in die Ausgangsposition gibt das System die aufgenommene Kraft wieder ab, sodass die Energiebilanz praktisch bei Null liegt.

Foto: Ulysse Nardin
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Doppeltes Spiel: Wie gelungen eine Kombination aus den Hightech-Materialien Sedna-Gold und Titan Grad 2 sein kann, zeigt diese Omega Neuheit: Die Speedmaster Professional Apollo 11 45th Anniversary Limited Edition besitzt eine besonders kratzfeste Legierung auf der Lünette und das 42 Millimeter große Gehäuse ist aus satiniertem Titan gefertigt. Ausgerüstet ist der limitierte Chronograph, der an das 45 jährige Jubiläum der Mondlandung erinnert, mit einem Handaufzugskaliber. Es gibt 1969 Exemplare für je 5700 Euro.

Foto: Omega
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Für überall: Schon 2013 vorgestellt, ab diesem Jahr serienmäßig gibt es die Omega Seamaster Aqua Terra 15000 Gauss. Sie ist derart magnetresistent, dass man mit ihr auch bedenkenlos in einen Kernspintomographen steigen könnte. Der Grund heißt Master Co-Axial, der einen enorm hohen Magnetfeldschutz garantiert, da er auf eisenhaltige Uhrwerksteile verzichtet. Die schlichte Drei-Zeiger-Uhr mit Automatikwerk kostet in Edelstahl 4350 Euro. Um den ...

Foto: Omega
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... hohen Magnetfeldschutz zu garantieren, nutzt Omega Master Co-Axial Kaliber. Alle relevanten Teile des Uhrwerks bestehen aus Materialien, die magnetresistent sind: So ist der Unruhreif aus Silizium, die Spiralfeder aus Siliziumoxid, die Lyra der Stoßsicherung aus Liquid Metal. Ebenso Anker, Ankerrad und Zapfen bestehen aus der antimagnetischen Metalllegierung Nivagauss.

Foto: Omega
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Schon mal ein Ausblick auf 2015: Auf der kommenden Uhrenmesse SIHH wird Panerai dieses Keramikmodell vorstellen. Die Luminor 1950 3 Days Chrono Flyback Automatic Ceramica besteht aus einem 44 Millimeter üppigen Zirkoniumoxid-Gehäuse. Auch die Drücker und der Schutzbügel sind aus diesem robusten Material geschaffen (12.500 Euro).

Foto: Panerai
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Tradition trifft Hightech: Patek Philippe lancierte kürzlich zu seinem 175 jährigen Geburtstag eine Jubiläumskollektion, darunter die Chiming Jumping Hour. Das komplett neu konzipierte Handaufzugskaliber-Kaliber besitzt einen automatischen Stundenschlag mit springender digitaler Stunden- sowie springender Minuten- und Sekundenanzeige. Die 175 Platin-Exemplare waren innerhalb weniger Tage für je etwa 300.000 Euro ausverkauft.

Foto: Patek Philippe
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Überraschender Kern: Während der äußere Look eher traditionell anmutet, kommt innen Hightech zum Einsatz. So besitzt das Patek Philippe Kaliber 32-650 HGS PS Chiming Jumping Hour vier Patente und ist mit der hauseigenen Spiromax-Spirale (links im Bild) und der bläulichen Gyromax-Unruh (rechts), die beide aus Silizium bestehen, ausgerüstet.

Foto: Patek Philippe
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Mond-Preise: Ein weiteres Modell der 175 Jahre Patek Philippe Jubiläumskollektion ist die World Time Moon. Ihr Kaliber basiert auf der berühmten Weltzeituhr des Hauses und wurde mit einem Mondphasen-Modul erweitert - ein besonders präzises zudem: es muss nur alle 122 Jahre um einen Tag korrigiert werden. Das Automatikwerk mit der hauseigenen Spiromax-Spirale und der Gyromax-Unruh ist in ein knapp 39,8 Millimeter großes Weißgold-Gehäuse gebettet und ist auf 1300 Exemplare begrenzt (42.240 Euro).

Foto: Patek Philippe
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Sieht aus wie ein Alien-Gebilde: Die 2008 von Patek Philippe vorgestellte Pulsomax-Hemmung. Ihre Besonderheit liegt nicht nur im Material Silizium, sondern auch in ihrer gänzlich neu gestalteten Geometrie. Im Gegensatz zur klassischen Schweizer Ankerhemmung ist diese Version in der Energieübertragung wesentlich effizienter aber auch die Fertigung – sie benötigt nur minimale Justierung.

Foto: Patek Philippe
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Vorreiter: Im Jahr 1972 stellte Ferdinand Alexander Porsche die weltweit erste schwarze Uhr dank PVD-Beschichtung vor. 1980 folgte die nächste Weltpremiere – die erste Uhr mit Titan-Gehäuse. Dieses Jahr knüpft die Marke an die enormen Erfolge von einst an und präsentiert eine Neuauflage ihrer Kult-Chronographen: Die Timepiece No. 1 aus mattschwarzem PVD-Titan und der Chronograph Titan Limited Edition. Beide Modelle sind jeweils nur 500 Mal zu haben und mit dem Chronographen-Werk Valjoux 7750 ausgerüstet, das zudem Chronometer zertifiziert wurde. Die Timepiece No. 1 kostet 5450 Euro, der Chronograph Titanium Limited Edition 4950 Euro.

Foto: Porsche Design
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Butterfly-Gerät: Fünf Jahre Entwicklungszeit, nur 48 Millimeter im Durchmesser groß und 2013 als Revolution gefeiert -die Manufaktur Girard-Perregaux hat bei dem Handaufzugkaliber Constant Escapement eine völlig neuartige Hemmung integriert. Statt zu rotieren schwingt sie wie Schmetterlingsflügel. Der Clou dabei: Die Kraftübertragung vom den zwei Federhäusern verläuft hier besonders konstant und fällt nicht wie sonst üblich ab (etwa 100 .000 Euro für die Weißgold-Variante).

Foto: Girard-Perregaux
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Flatterhaft wie ein Schmetterling: die eigene und etwas verrückte, aber geniale Hemmungs-Konstruktion von Girard-Perregaux ist nur dank des widerstandsfähigen Material Silizium möglich. Und obwohl die Einzelteile derart filigran sind, teilweise sechsmal dünner als ein menschliches Haar, erreicht dieser Dauerschwinger auch mittels zweier Federhäuser eine Gangreserve von einer Woche.

Foto: Girard-Perregaux