Debatte um gebührenfreien Nahverkehr Diese Dienste nutzen wir längst gratis

Kostenlose Dienste gibt es nicht. Aber dass man für die Nutzung nichts bezahlen muss, ist durchaus üblich.
1 / 10

Die Große Koalition kann doch noch visionäre Ideen hervorbringen - jedenfalls die alte, noch geschäftsführend amtierende Bundesregierung. Ihr nebenbei in einem Brief an die EU-Kommission gebrachter Vorschlag, zur Lösung der Abgasprobleme in ausgewählten Städten wie Mannheim (Bild) gebührenfreien Nahverkehr auszuprobieren, wird wohl eher nicht verwirklicht. Aber abwegig ist die Idee mit mehreren internationalen Vorbildern nicht, und sie hat eine nützliche Debatte über den Wert der öffentlichen Dienste ausgelöst.

Foto: DPA
2 / 10

Bedenkenswert ist die Sorge, ohne weitere Multi-Milliardenausgaben würden die ohnehin vorwiegend steuerfinanzierten Verkehrssysteme überfordert. Auch das Beispiel der brandenburgischen Kleinstadt Templin, die in Gratisbussen mit "Männergruppen mit einem Kasten Bier" zu kämpfen hatte, mahnt zu Vorsicht. Aber die Aussage, Leistung ohne Preis funktioniere nicht (nach dem Volksmund "Was nix kost', ist nix wert"), greift zu kurz.

Foto: Paul Zinken/ dpa
3 / 10

Das Straßennetz nehmen wir selbstverständlich als Gratisleistung des Staates hin - und wichtige Voraussetzung für den volkswirtschaftlichen Erfolg. Nutzungsgebühren gibt es inzwischen für Lkw auf Autobahnen (und zunehmend Bundesstraßen). Für private Pkw ist eine Maut beschlossen, die für deutsche Nutzer aber als Flatrate mit korrespondierender Steuersenkung wirken soll. Von der Lenkungsfunktion des Preises nach dem VWL-Lehrbuch, die Nutzer mit den von ihnen verursachten Kosten direkt konfrontieren soll, sind alle Vorschläge weit entfernt - zum Glück, denn dann würde Pendeln, Reisen und Transport wohl prohibitiv teuer. Fußgänger und Radfahrer lassen sich ihre Wege übrigens auch einfach herstellen, ohne dafür zu bezahlen (außer per Steuer).

Foto: DPA
4 / 10

Geringe Wertschätzung ist nicht zwingend das Ergebnis von Gratis-Gütern. Leihradsysteme sind dann besonders erfolgreich, wenn sie billig oder - wie in Hamburg - für die ersten 30 Minuten kostenlos sind. Faktisch funktionieren sie als reine Zuschussgeschäfte. Vandalismus und Unachtsamkeit sind Probleme, aber die Räder werden durchaus gepflegt und Mängel gemeldet. Achtlos liegengelassene Fahrradleichen gibt es sogar eher in Privatbesitz.

Foto: DPA
5 / 10

Zu den größten Gratismärkten zählt das Bildungswesen. Studiengebühren wurden an deutschen Universitäten für einige Jahre ab 2006 in manchen Ländern erhoben, und dann bis 2013 wieder abgeschafft - zumindest fürs Erststudium, und abgesehen von kleinen Verwaltungsgebühren. Im Vergleich zu englischen oder amerikanischen Hochschulen ein teures Geschenk an die Studenten. Schlechter ist die Leistung im Großen und Ganzen nicht - und die Finanzmittel des Bundes werden bewusst erhöht.

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa
6 / 10

An den allgemeinbildenden Schulen gab es eine solche Diskussion erst gar nicht. Die Kosten pro Schüler werden auf 7000 Euro pro Jahr geschätzt, gelten aber als gut investierte Steuerausgaben.

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa
7 / 10

Anders sieht es hingegen an Kindergärten aus. Allein aus Nutzergebühren ließe sich eine intensive und gute Betreuung kaum finanzieren, Subventionen müssen also sowieso fließen. Erst seit einigen Jahren setzt sich aber - regional und lokal sehr unterschiedlich - der Trend zu gebührenfreien Kitaplätzen durch, als Beitrag des Staats zu frühkindlicher Bildung, Integration und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Foto: Jens Büttner/ dpa
8 / 10

Für praktisch alle öffentlichen Dienste ließe sich die Rechnung aufmachen: Sind uns Polizei, Feuerwehr, Gerichte nichts wert, bloß weil wir für die Nutzung zumeist nicht zahlen, jedenfalls weit entfernt von einer Kostendeckung? Oder umgekehrt: Würde eine Wirtschaft noch funktionieren, in der diese Grundversorgung nach dem Selbstzahlerprinzip abgerechnet würde?

Foto: Uwe Anspach/ dpa
9 / 10

Im Gesundheitswesen zahlen zwar die Nutzer, die hier Patienten heißen, über ihre Krankenversicherung, ob privat oder gesetzlich. Doch das ist im Wesentlichen eine Pauschale, die mit gutem Grund nicht über die einzelne Behandlung aus Preisgründen entscheiden lässt. Für die Kontrolle der Kosten braucht es dann allerdings weitere staatliche Eingriffe in die Selbstverwaltung.

Foto: Maurizio Gambarini/ picture alliance / dpa
10 / 10

Nicht nur der Staat liefert Gratisdienste. Auch unter gewinnorientierten Unternehmen hat sich die Praxis der Quersubventionierung etabliert. Selbstverständlich nutzen wir gebührenfreie E-Mail-Konten, Software auch von Großkonzernen wie Apple (mit teurer Hardware erkauft) oder Google (über Werbung finanziert). Auch Online-Informationen wie die auf manager-magazin.de sind für die Leser überwiegend frei. Bezahlt werden müssen sie trotzdem: zumeist über Werbung.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.