Emirat im Abseits So wichtig ist Katar für die deutsche Wirtschaft

Die arabischen Nachbarstaaten ächten das Emirat Katar unter dem Vorwurf der Terrorfinanzierung. Heikel für die deutsche Wirtschaft: Für etliche Konzerne spielt Katar als Großinvestor oder Auftraggeber eine Rolle.
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Das (pro Kopf) reichste Land der Erde ist plötzlich ein Krisenstaat. Die arabischen Nachbarstaaten ächten das Emirat Katar, weil sie ihm Finanzierung des internationalen Terrorismus vorwerfen. Wichtige Handelsrouten des auf Lebensmittelimporte angewiesenen Gasexporteurs sind gekappt. Die Welt fürchtet eine weitere Eskalation des Konflikts. Die deutsche Wirtschaft ist in besonderer Weise betroffen ...

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Denn mit keinem arabischen Staat sind die führenden deutschen Unternehmen so eng verflochten wie mit Katar. Das Bild zeigt den Emir Scheich Tamim bin Hamad al-Thani auf Staatsbesuch bei Kanzlerin Angela Merkel 2014.

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Der Staatsfonds Qatar Investment Authority ist mit 14,6 Prozent am Kapital von Volkswagen beteiligt. Damit ist die Holding der zweite Großaktionär des größten deutschen Unternehmens - nach der Familie Porsche und vor dem Land Niedersachsen, das allerdings Vetorechte genießt. Die Scheichs erwiesen sich lange als geduldige Geldgeber, fordern seit dem Dieselskandal jedoch mehr Kontrolle ein.

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Der Einstieg gelang 2009 im Übernahmekampf zwischen Porsche und Volkswagen. Im Bild der damalige Porsche-Chef Michael Macht mit Scheich Hamad bin Jassim bin Jabir al-Thani (HBJ), Großonkel des Emirs, August 2009 vor der Porsche-Villa. Zuerst hatten die Stuttgarter um Kapitalhilfe des Emirats gebeten, dann verhalf Katar jedoch den Wolfsburgern zum Durchgriff. Den Porsche-Anteil hat Katar inzwischen wieder an die Familie verkauft.

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Als Privatmann hat HBJ bereits zwei große Kapitalerhöhungen der Deutschen Bank mitgetragen. Der Scheich, der bis 2013 den Staatsfonds führte und als Ex-Premier die graue Eminenz im Staat war, trat im Mai 2014 als erster Ankeraktionär seit Jahrzehnten in Frankfurt auf. Später brachte er noch seinen Cousin, den früheren Emir Hamad bin Chalifa al-Thani, in den Kreis der Deutsche-Bank-Eigner. Und auch der neue Großaktionär HNA aus China soll sich eng mit HBJ abstimmen.

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Die Münchener Privatbank Merck Finck gehört einem ungenannten Mitglied der Königsfamilie komplett. Dessen Holding Precision Capital übernahm die Privatbankengruppe der belgischen Großbank KBC im Jahr 2012 für gut eine Milliarde Euro. Hinzu kam noch die Privatbanktochter von Dexia. Spekuliert wurde über Pläne, Luxemburg zum islamischen Finanzzentrum auszubauen.

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Weniger Aufregung gab es um den Einstieg Katars bei Siemens. Zuletzt gemeldet wurde die Erhöhung des Aktienanteils auf 3 Prozent im Mai 2012 - von Siemens als "nicht strategische Investition" bewertet. Inzwischen beläuft sich der Anteil des auf den Cayman-Inseln registrierten Vehikels DIC Company auf 4 Prozent, immerhin vergleichbar mit dem der Gründerfamilie Siemens. Der Konzern liefert dem Golfstaat mehrere Umspannwerke, ein neues Straßenbahnsystem und Turbinen für Gaskraftwerke. Weitaus wichtiger sind jedoch die pharaonischen Großaufträge des ägyptischen Militärregimes, das Katar die Unterstützung der gestürzten Muslimbrüder übelnimmt.

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Deutschlands Anspruch als globale Macht in der Seefahrt stützt sich auf die Reederei Hapag-Lloyd. Deren Chef Rolf Habben Jansen konnte Ende Mai 2017 den Vollzug der Übernahme der arabischen Reederei UASC melden. Seitdem ist die Qatar Holding mit 14,4 Prozent einer der größten Aktionäre in Hamburg - an der Seite der saudi-arabischen Rivalen.

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Den im Mai pleite gegangenen Solarmodulhersteller Solarworld hatte Katar zuvor aufgefangen - und bestimmt in der Insolvenz mit darüber, wie es weitergeht. Seit der Rekapitalisierung Anfang 2014 gehört das Unternehmen des "Sonnenkönigs" Frank Asbeck zu 29 Prozent zu Qatar Solar, einer Tochtergesellschaft der Qatar Foundation. Die Stiftung, die eine Zukunft nach dem Öl- und Gaszeitalter vorbereiten soll, wurde von den Eltern des aktuellen Emirs gegründet. Solarworld baut jetzt eine Solarzellenfertigung in Katars Industriezone Ras Laffan auf.

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Auch der Staatskonzern Deutsche Bahn knüpft seine Hoffnung auf wachsendes Auslandsgeschäft an Katar. Aus dem 2009 geschlossenen Joint-Venture für das 17-Milliarden-Euro-Projekt, in dem Land ein Bahnsystem aus dem Nichts zu erschaffen, stieg die Deutsche Bahn 2012 zwar aus, die Konzerntochter DB Engineering & Consulting blieb aber "wichtigster strategischer Partner von Katar". Großbaustellen wie die der Metro von Doha dienen weiterhin als Referenz - ebenso wie jene in Saudi-Arabien.

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Seit Jahren umstritten ist die militärische Zusammenarbeit mit dem Land, das bislang an der Seite Saudi-Arabiens auch im jemenitischen Bürgerkrieg kämpft. 2015 genehmigte die Bundesregierung einen über mehrere Jahre laufenden 1,9-Milliarden-Euro-Deal. Der deutsche Hersteller Krauss-Maffei-Wegmann liefert 62 Leopard-Panzer nach Katar, außerdem bekommt das Emirat 24 Panzerhaubitzen. Weitere Aufträge nicht ausgeschlossen, für KMW und Leopard-Partner Rheinmetall eine große Hoffnung.

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Wie die anderen aufstrebenden Airlines vom Golf zählt auch die emiratseigene Qatar Airways zu den größten Kunden des europäischen Flugzeugbauers Airbus. 2015 nahm sie das erste Exemplar des neuen Langstreckenfliegers A350 im Hauptwerk Toulouse in Empfang. Kurz zuvor gab es auch einen Festakt in Hamburg, wo Qatar seinen ersten Großraumflieger A380 bekam.

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Als "weißen Ritter" präsentierte der Baukonzern Hochtief die Holding des Emirats Katar - Ende 2010 zur Abwehr der Übernahme durch den spanischen ACS-Konzern. Den hielt das nicht auf. Er kaufte der Qatar Holding ihre verbliebenen 10 Prozent 2015 schließlich ab. Zugleich ist Katar ein wichtiger Auftraggeber mit etlichen Bauprojekten.

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Seine gestiegene Bedeutung möchte das Emirat auch mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 zementieren. Das Budget von 160 Milliarden Dollar stellt alles in den Schatten, was es bisher an Großereignissen gegeben hat. Dabei winken auch deutschen Firmen etliche lukrative Aufträge. Allerdings wird die Kritik an den Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen lauter, wegen des Korruptionsskandals um die Vergabe des Turniers durch den Fußballverband Fifa - und wegen der Sommerhitze - steht das ganze Event infrage.

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