Kapitale Insel Wie Zypern in Not geriet

Die aktuelle Ratspräsidentschaft der Europäischen Union muss um Geld betteln. Zypern verhandelt um Kredite mit Europa und Russland. Das kleine Einland hat große geostrategische Bedeutung - und als Steueroase.
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Seit Juli leitet die Republik Zypern für ein halbes Jahr den Rat der Europäischen Union - zu einem unpassenden Zeitpunkt: Ende Juni hatte das Land als fünftes Euro-Mitglied nach Griechenland, Irland, Portugal und Spanien Hilfskredite der europäischen Partner beantragt.

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Erst 2008 löste der Euro das zyprische Pfund als Landeswährung ab. Damals fuhr der schlanke Staat noch Haushaltsüberschüsse ein. 2011 stieg das Defizit auf 6,3 Prozent der Wirtschaftsleistung, in diesem Jahr werden 4,5 Prozent erwartet, was im europäischen Vergleich auch noch gering wären. Zyprische Staatsanleihen gelten nun aber als Ramsch und werden auch von der EZB nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert. Der Kreditbedarf wird auf 10 bis 15 Milliarden Euro veranschlagt, was der gesamten Staatsverschuldung entspricht.

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Präsident Dimitris Christofias, der als einziger kommunistischer Staatschef der EU in Moskau ausgebildet wurde, hat sich an Russland gewandt, das bereits 2011 einen 2,5-Milliarden-Euro-Kredit gewährte. Christofias hofft dort auf großzügigere Hilfe und will vor allem ein Spardiktat der EU wie in Griechenland, das er mit dem Verhalten einer "Kolonialmacht" verglich, vermeiden. Dieses Versprechen wäre aber nicht das erste, dass er nicht halten konnte.

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Christofias wurde vor allem in der Hoffnung gewählt, die zwischen der griechischen Mehrheit und dem türkisch besetzten Norden geteilte Insel friedlich zu vereinen. Gleich nach der Wahl starteten neue Verhandlungen und die Mauer in der Einkaufsmeile Ledra der Hauptstadt Nikosia wurde beseitigt. Im April beendeten die Vereinten Nationen aber die immer zäheren Verhandlungen.

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Noch weniger Bewegung gab es um die Militärstützpunkte der einstigen Kolonialmacht Großbritannien in Akrotiri und Dhekelia, die Christofias eigentlich schließen wollte. Wirklich zum Verhängnis wurde ihm aber, als militärische Probleme auch auf die Wirtschaft des Landes durchschlugen:

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Im Juli 2011 explodierte auf der Marinebasis Evangelos Florakis offen gelagerte Munition, was das benachbarte, neu gebaute wichtigste Ölkraftwerk des Landes zerstörte, was laut EU-Schätzung einen Milliardenschaden für die Wirtschaft bedeutete. Untersuchungsberichte gaben Präsident Christofias Mitschuld. Die Munition hatten US-Truppen von einem Schiff beschlagnahmt, das unter zyprischer Flagge von Iran nach Syrien unterwegs war. Aus Angst vor der Reaktion der Syrer wollte die Regierung die Munition nicht vernichten.

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Die wirkliche Wurzel der Finanznot des Landes aber liegt in der Rolle der Banken, deren Bilanzsumme achtmal so groß ist wie die Wirtschaftsleistung Zyperns in einem Jahr. Außerdem sind sie eng mit Griechenland verflochten. Allein die Volksbank Laiki, bisher Teil des Firmennetzes des griechischen Magnaten Andreas Vgenopoulos, musste im Juni für einen Milliardenbetrag mehrheitlich verstaatlicht werden, ebenso wie ...

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das größte Geldhaus Bank of Cyprus. Für beide Konzerne kostet die unmittelbare Rettung 2,3 Milliarden Euro, auf Dauer rechnen Beobachter aber noch mit deutlich höheren Kosten. Vor allem der Schuldenschnitt auf griechische Staatsanleihen, die in großen Mengen in den Bilanzen zyprischer Banken stehen, haben die Institute umgeworfen, die bislang als sichere Fluchtburg für ausländisches Kapital - auch aus Griechenland - galten.

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Unklar ist, wie sich die Steueroase Zypern weiterentwickelt, die beispielsweise mit Rabatten für Reeder einen international bedeutenden Schifffahrtsstandort geschaffen hat (im Bild die Hafenstadt Limassol). Um höhere Steuern wird die Republik kaum herumkommen, um die laufenden Ausgaben zu finanzieren - schon gar nicht, wenn Europa das erhoffte Rettungsgeld verweigert.

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Hoffnung gibt es aber dennoch: Im zyprischen Seeraum wurden große Erdgasvorkommen gefunden, die nun von ersten Firmen (im Bild eine Plattform der US-Gesellschaft Noble Energy im November 2011) angebohrt werden. Die Energie- könnte auch zur Finanzquelle werden - zumindest, wenn sich die Türkei nicht weiter wegen des Zypernkonflikts querstellt.

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