Vom Arbeitersohn zum Gewerkschaftsschreck Wie Joe Kaeser der mächtigste deutsche Manager wurde

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Denkbar bodenständig ist die Herkunft des mächtigsten deutschen Managers. Im Bayerischen Wald ist der Arbeitersohn Josef Käser bis heute verwurzelt. Er hat sich hochgearbeitet, ohne Stationen in Business Schools oder Beratungsfirmen.

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Seit 1980, gleich nach dem BWL-Diplom an der Fachhochschule Regensburg, ist Kaeser Siemensianer. Ganz unsentimental war er später aktiv daran beteiligt, seine ersten Stationen wie das Halbleiterwerk Regensburg (Infineon), den Bereich Passive Bauelemente (Epcos), oder ...

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... das LED-Geschäft Opto Semiconductors (Osram), wo er ab 1990 seinen ersten Führungsjob hatte, aus dem Konzern zu entfernen. An der umfassenden Neuordnung von Siemens unter Heinrich von Pierer arbeitete Kaeser nach Auslandsstationen in Malaysia und dem Silicon Valley (wo er seinen Namen amerikanisierte) im Finanzbereich und zuletzt als Leiter der Strategieabteilung mit.

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Zwischenzeitlich saß Kaeser auch im Bereichsvorstand der Mobilfunksparte ICM, die kurz darauf an die taiwanische Firma BenQ losgeschlagen und dann geschlossen wurde. Heute ist der aus einer Telegrafenbauanstalt entstandene Siemens-Konzern ganz ohne Telekommunikationsgeschäft - was Kaeser inzwischen als Folge strategischer Fehler bedauert.

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In der tiefsten Krise des Siemens-Konzerns, als 2006 der Skandal um ein System schwarzer Kassen publik wurde, stieg Kaeser als Finanzchef unter Kurzzeit-CEO Klaus Kleinfeld in den Konzernvorstand auf. Er sollte das einzige damalige Mitglied des Gremiums sein, das die Affäre unbeschadet überstand.

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Als Zeuge trat Kaeser im Juni 2008 vor dem Landgericht München auf. An ihm selbst blieb trotz der Verantwortung im Kommunikationsbereich, wo besonders viele Schmiergeldfälle aktenkundig wurden, keine Schuld hängen.

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Als CFO wirkte Kaeser jahrelang als Stütze des von außen geholten Konzernchefs Peter Löscher, fädelte mehrere Milliardendeals (meist mit dem Verkauf von Konzernteilen) ein und äußerte seine Meinung gerne auch zur Konzernstrategie ...

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... was ihn zuletzt zunehmend in Rivalität zu Löscher brachte. 2013 brachte Kaeser, inzwischen ohne Schnauzbart, seinen Vorgesetzten mit Gewinnwarnungen und öffentlichen Hinweisen auf Fehler in Bedrängnis.

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Der Coup folgte am 31. Juli 2013, als der Aufsichtsrat Löscher absetzte und mit sofortiger Wirkung Kaeser an dessen Stelle berief. In der Siemens-Belegschaft wurde Hoffnung laut, dass nun mit einem der Ihren am Ruder etwas Ruhe in den Betrieb käme. Auch die Aktionäre gaben Kaeser mit steigendem Kurs Vorschusslorbeeren.

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Anfangs schien das Glück den Dealmaker zu verlassen. Als der französische Wettbewerber Alstom im Juni 2014 zum Verkauf stand, warb Kaeser vergeblich im Elysée-Palast, hatte jedoch das Nachsehen gegenüber General Electric - aus heutiger Sicht ein Glücksfall, weil der nun noch größere Probleme im flauen Kraftwerksgeschäft hat.

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Intern wurde noch kräftiger umorganisiert als zuvor. Das manager Magazin prägte im November 2014 den Titel "König Joe", weil Kaeser die mächtigen Sektoren abschaffte und durch übersichtliche Sparten ersetzte, interne Rivalen loswurde und die ganze Struktur auf seine Person zuschnitt. Der Plan...

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...ging weitgehend auf. Kaeser hat den Wert von Siemens stark gesteigert und den Erzrivalen GE bei vielen Kennziffern überholt. Ein Lohn: Kaeser bewegt sich auf der großen Bühne mit Staatschefs aus aller Welt.

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Neben dem rein Geschäftlichen äußerte der Siemens-Chef sich auch immer wieder zur gesellschaftlichen Entwicklung. Fehlgriffe wie ein Milliardenzukauf in der Öl- und Gasindustrie der USA unmittelbar vor dem Einbruch der Rohstoffpreise geraten so zur Fußnote.

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Im November 2017 stand Joe Kaeser mit Ehefrau Rosemarie (Fraktionssprecherin der CSU im niederbayerischen Heimatort Arnbruck) auf der Bühne des Jüdischen Museums in Berlin. Zusammen mit Altbundespräsident Joachim Gauck erhielt er den Preis für Verständigung und Toleranz.

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Doch schon wenige Tage später folgte die offene Konfrontation mit dem bisher freundlich-konstruktiv gesinnten Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall. Neue Pläne für den Abbau tausender Stellen und Werksschließungen nach einem Jahr mit Rekordgewinn bringen die Beschäftigten ebenso gegen Kaeser auf wie die missglückte Kommunikation.

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Jetzt zeigt Kaeser, dass auch er konfrontativ sein kann. Auf Vorwürfe von SPD-Chef Martin Schulz, der auf Demos von Siemens-Arbeitern die Konzernführung "asozial" nannte und des "Manchester-Kapitalismus" bezichtigte, antwortete der Siemens-Chef mit einem offenen Brief: "Wer ist hier verantwortungslos?"

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