Dealmaker meiden Saudi-Arabien Es wird einsam beim "Davos in der Wüste"

Die Ermordung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi bringt das Königreich Saudi-Arabien in Verruf. Westliche Topbanker und Unternehmer sagen reihenweise dem geplanten "Davos in der Wüste" ab. Auch Siemens-Chef Joe Kaeser hat sich nun für eine Absage entschieden.
1 / 19

Siemens-Chef Joe Kaeser hat lange um seine Haltung zu Saudi-Arabien gerungen: "Ich habe mich noch nicht entschieden, muss das aber bald", erklärte Kaeser vergangene Woche mit Blick auf seine Teilnahme an der für kommende Woche geplanten "Future Investment Initiative" in Riad. Nachdem Saudi-Arabien nun eingestanden hat, das Khashoggi in der saudi-arabischen Botschaft in Istanbul getötet wurde, hat sich Kaeser nun gegen eine Reise nach Riad entschieden - wie viele andere Wirtschaftslenker bereits vor ihm. Siemens, das 2017 unter anderem einen Großauftrag der Saudis für die sonst schwer verkäuflichen Gasturbinen ergatterte, zählt zu den "strategischen Partnern" der Veranstaltung.

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP
2 / 19

Klaus Kleinfeld dürfte dem saudi-arabischen Königshaus in jedem Fall weiter die Ehre machen. Kaesers Vorvorgänger als Siemens-Chef fungiert als Berater von Kronprinz Mohammed bin Salman und führt dessen Megaprojekt Neom für eine neue Stadt der Zukunftstechnologie. Während andere Topmanager reihenweise Salmans Konferenz "Future Investment Initiative" absagen, wollte Kleinfelds Sprecher gegenüber manager-magazin.de keinen Kommentar abgeben.

Foto: DPA
3 / 19

Inzwischen hat Saudi-Arabien eingestanden, dass der Journalist Jamal Khashoggi Anfang Oktober im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ermordet wurde.

Foto: Emrah Gurel/ AP
4 / 19

Die Affäre stört Kronprinz Mohammed bin Salmans Streben, als Modernisierer der Ölmacht am Golf gesehen zu werden und Milliardengeschäfte mit dem Westen anzuleiern. Im Oktober 2017 war der Gastgeber bei der Erstausgabe des "Davos in der Wüste" umschwärmt. IWF-Präsidentin Christine Lagarde sprach von einer "kommenden neuen Weltordnung, aufbauend auf Gemeinschaft, Gleichheit und Vertrauen".

Foto: FAISAL AL NASSER/ REUTERS
5 / 19

In der vergangenen Woche hat Lagarde ihre komplette Nahostreise verschoben, ohne nähere Begründung. Zuvor hatte sie noch auf der IWF-Jahrestagung angekündigt, trotz der Kritik nach Riad zu reisen und dort dem Kronprinz klar ihre Meinung zu sagen.

Foto: AP
6 / 19

Auch US-Finanzminister Steve Mnuchin, dessen Boss Donald Trump die Saudis zunächst vehement verteidigte, schloss sich schließlich der Absetzbewegung an. Vor ihm hatten die Kollegen aus Frankreich und Niederlanden ihre Teilnahme abgesagt.

Foto: ALEX WONG/ AFP
7 / 19

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas stoppte Pläne für eine Nahostreise wegen der Khashoggi-Affäre - erst vor Monaten war eine diplomatische Krise zwischen Deutschland und Saudi-Arabien beigelegt worden. Maas' Vorgänger Sigmar Gabriel hatte zum Unmut vieler deutscher Unternehmer von "Abenteurertum" seitens der Saudis gesprochen, als die den libanesischen Premierminister kidnappten.

Foto: DPA
8 / 19

Selbst Patrice Caine (rechts), Chef des französischen Rüstungskonzerns Thales, zu dessen größten Kunden Saudi-Arabien zählt, findet die Reise nicht mehr opportun. Caine stellte jedoch klar, Thales bleibe hochrangig vertreten.

Foto: REUTERS
9 / 19

Unter den "strategischen Partnern" wäre Siemens nach heutigem Stand der einzige ausländische, der noch einen Spitzenvertreter schickt. Laut dem Fernsehsender CNBC will Mastercard-Chef Ajay Banga den Auftritt auslassen ...

Foto: AFP
10 / 19

... ebenso wie laut der Nachrichtenagentur Reuters Crédit-Suisse-Chef Tidjane Thiam und sein Kollege John Flint von der HSBC. Aus Imagegründen verzichten sie auf die Gelegenheit, weitere Mega-Deals zu schließen. Saudi-Arabien hat viele Investmentbanker reich gemacht, seit Mohammed bin Salman das Sagen hat. Noch im September schlossen 15 Großbanken einen syndizierten Kredit mit seinem Staatsfonds PIF ab, der das Wüsten-Davos mit ausrichtet.

Foto: Ennio Leanza/ dpa
11 / 19

Um noch mehr geht es für Dara Khosrowshahi: Auch der Uber-Chef hat seine Teilnahme in Riad abgesagt, obwohl die Saudis maßgeblich den Bewertungsabsturz der Silicon-Valley-Firma verhinderten. Salmans Staatsfonds PIF ist mit 3,5 Milliarden Dollar größter Uber-Investor. In den Golf-Staaten kursieren jetzt Boykottaufrufe.

Foto: Adriano Machado/ REUTERS
12 / 19

Der britische Unternehmer Richard Branson (im Bild von 2017 auf der "Future Investment Initiative" mit dem Kronprinz) äußerte sich enttäuscht und kündigte an, mehrere gemeinsame Projekte in Tourismus und Raumfahrt vorerst zu stoppen. Der Fall Khashoggi ändere "die Bereitschaft von jedem von uns im Westen, Geschäfte mit der saudischen Regierung zu machen". Branson ist der Prototyp des "Davos Man", der Geschäfte mit dem Anspruch des Weltverbesserers macht.

Foto: DPA
13 / 19

Eine der ersten Absagen kam von Weltbankpräsident Jim Yong Kim. Offizielle Begründung: plötzlich aufgetretene Terminprobleme.

Foto: Kimmo Brandt/ dpa
14 / 19

Ebenfalls ohne viele Worte zog sich Jamie Dimon von dem Saudi-Event zurück. Von dem JPMorgan-Chef wird berichtet, er pflege einen persönlichen Draht zu Mohammed bin Salman.

Foto: REUTERS
15 / 19

Ähnlich ist es mit Steven Schwarzman vom Finanzinvestor Blackstone, der laut Salman eine Niederlassung in Riad plane. Ein deutscher Insider kritisiert die reihenweisen Absagen als wohlfeil in einem Aufregungszyklus. Alle Firmen würden statt ihrer Chefs Vertreter aus der zweiten Reihe nach Riad schicken, um bloß einen Fuß in der Tür zu behalten.

Foto: HO/ REUTERS
16 / 19

Larry Fink vom Fondsriesen Blackrock immerhin äußerte sich öffentlich. Seine Absage bedeute nicht, dass der weltgrößte Vermögensverwalter sich von Geschäft mit Saudi-Arabien distanziere. Er selbst reise drei- oder viermal im Jahr dorthin. Doch ihm wäre es lieber, die Konferenz zu verschieben, solange die Untersuchungen im Fall Khashoggi laufe. Blackrock müsse auch Rücksicht auf die Kritik von Kunden und Mitarbeitern nehmen.

Foto: © Ruben Sprich / Reuters/ REUTERS
17 / 19

Ziemlich unbeeindruckt zeigt sich Masayoshi Son vom japanischen Technologiekonzern Softbank, in dessen Fonds für Zukunftstechnik ganze 45 Milliarden Dollar von Salmans PIF geflossen sind. Der Softbank-Aktienkurs ist während der Khashoggi-Affäre jedoch merklich abgerutscht.

Foto: Bloomberg via Getty Images
18 / 19

Eine exponierte Rolle beim "Davos in der Wüste" hat neben Siemens als weiteres deutsches Unternehmen die Beratungsfirma Roland Berger mit ihrem Chef Charles Edouard Bouée als "Summit Partner". Laut "FAZ" und "Welt" hat Roland Berger "noch keine abschließende Entscheidung getroffen".

19 / 19

Ähnlich abwartend hatte sich zunächst die Deutsche Bank geäußert, ob ihr Chef Christian Sewing nach Riad reist. Er wäre der einzige CEO einer internationalen Großbank gewesen, mittlerweile hat sich das Geldinstitut aber entschieden und Sewing bleibt der Konferenz fern.

Foto: Arne Dedert/ dpa