Brisante Anhörung J.P.Morgan-Chef gesteht US-Senatoren Schlamperei

Das Geständnis schockte die Finanzwelt: J.P.Morgan machte im Mai zwei Milliarden Verlust mit einer Derivatewette. Jetzt hat sich J.P.Morgan-Chef Jamie Dimon dafür vor dem US-Senats rechtfertigen müssen - ein Überblick über die Ergebnisse der brisanten Anhörung.
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Brisantes Nachspiel: J.P.Morgan hat im Mai dieses Jahres zwei Milliarden Dollar Verlust mit einer Derivatewette gemacht. Jetzt hat sich J.P.Morgan-Chef Jamie Dimon dafür vor dem US-Senat rechtfertigen müssen - und lieferte den Abgeordneten einen Steilpass für strengere Finanzregeln.

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Bissige Stimmung: Bevor J.P.Morgan-Chef Jamie Dimon überhaupt auf die teils beißenden Fragen der US-Senatoren antworten konnte, unterbrachen Proteste die Anhörung. "Dieser Mann ist ein Gauner, er gehört ins Gefängnis", rief ein Aktivist durch den Saal. Als er von Sicherheitskräften rausgetragen wurde, sprangen Dutzende von Zuschauern auf und skandierten "Stoppt die Zwangsversteigerungen."

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Kleinautes Eingeständnis: Er könne den milliardenschweren Verlust aus dem am 10. Mai bekannt gewordenen Derivate-Deal auf einen Anleiheindex "nicht verteidigen", musste der 56-Jährige mit dem silbergrauen Haar anschließend zugeben. Und er machte für das Derivatedebakel unzureichende interne Risikokontrollen verantwortlich. Den Händlern seines Hauses, die die brisanten Wetten eingegangen waren, attestierte Dimon, sie hätten diesen Deal nicht richtig verstanden.

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Beklagte Parteinahme: Von einem Republikanischen Senator nach dem Aufwand befragt, den die Finanzmarktbestimmungen bei J.P.Morgan auslösen, schien Dimon bestens vorbereitet: "8000 Softwareprogramm und etwa eine Milliarde Dollar Mehrkosten im Jahr", wusste der Manager ohne Zögern zu berichten.

Beobachter der Anhörung beklagten anschließend, wie einfach es vor allem Republikanische Abgeordnete - die bevorzugten Empfänger von Wahlkampfspenden der Wall Street - dem Bankenboss machten.

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Gegenangriff: In der zweiten Stunde der Anhörung erneuerte er seine Attacken gegen Teile der Finanzmarktreform in der Obama-Administration: Die sogenannte Volcker-Regel, die es Banken verbieten soll, mit eigenen Mitteln zu spekulieren, sei über die anderen geplanten Gesetzesteile hinaus "nicht notwendig."

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Das Desaster bei J.P.Morgan hatte die Rufe nach einer strengeren Regulierung der Banken wieder lauter erschallen lassen. Die US-Behörden beraten derzeit abschließend die sogenannte "Volcker-Rule".Die Regel soll den Eigenhandel der Banken limitieren, damit Wertpapiergeschäfte mit Mitteln, die durch das Geld der Steuerzahler garantiert sind, ausbleiben. Dimon hatte sich in den vergangenen Monaten immer wieder sehr kritisch über die Finanzmarktreformen in den USA geäußert und sie einmal als "unamerikanisch" bezeichnet.

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Aufsehenerregende Einlassung: Die vielleicht überraschendste Einlassung von Dimon kam gegen Ende der Anhörung. Auf die Frage von Senator Jack Reed, ob die Verlustposition bei J.P.Morgan von der geplanten Volcker-Regel - jener umstrittenen Verschärfung der Finanzmarktregeln - verhindert worden wäre, sagte Dimon: "Es ist möglich, dass die kostspielige Derivateposition dann nicht legal gewesen wären."

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Hohe Symbolkraft: Mehrere Fernsehsender übertrugen die zweistündige Anhörung landesweit live, darunter CNBC und Bloomberg TV. Das war eine Gelegenheit, die sich den Politikern im US-Parlament bis zum Tag der Präsidentenwahl am 6. November nicht so oft bietet. Also bohrten vor allem die Demokratischen Senatoren kräftig nach.

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Bestes Image: J.P. Morgan galt an der Wall Street als eine der Banken mit den höchsten Standards. Das Geldhaus ist mit weniger Blessuren durch die Finanzkrise gekommen als die meisten Konkurrenten. J.P. Morgan hat im ersten Quartal einen Gewinn von 5,4 Milliarden Dollar erwirtschaftet und gilt das bestverdienende Kreditinstitut in den USA

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