Internationale Pressestimmen "Europa rächt sich an Tsipras"

Nach 17 Stunden Verhandlungsmarathon kann Griechenland nun doch noch auf eine europäisches Hilfsprogramm hoffen. Doch die Staats- und Regierungschefs fordern von Griechenland Gegenleistungen. Europas Rettung oder Tod auf Raten? Das schreibt die internationale Presse.
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Nach 17 Stunden Verhandlungsmarathon kann Griechenland nun doch noch auf eine europäisches Hilfsprogramm hoffen. Doch die Staats- und Regierungschefs fordern von Griechenland Gegenleistungen. Europas Rettung oder Tod auf Raten? Das schreibt die internationale Presse.

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Bad Cop Deutschland : "Europa rächt sich an Tsipras" titelte The Guardian am Montagmorgen, bevor die EU-Staats- und Regierungschefs übernächtigt nach einem siebzehnstündigen Verhandlungsmarathon schließlich Bedingungen präsentierten, auf deren Basis nun über ein neues Rettungspaket verhandelt werden soll. Damit sei zwar womöglich ein Grexit vermieden worden, schreibt das Blatt in seiner Online-Ausgabe. Doch Kommentatoren der Zeitung fürchten nun ein weiteres Auseinanderdriften Europas. Deutschland behandle Griechenland wie ein Kind, schreibt eine Kommentatorin. In einem Gastbeitrag für den Guardian hatte Ex-Finanzminister Varoufakis Wolfgang Schäuble als "Zuchtmeister" Europas beschimpft.

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Die französische Wirtschaftszeitung Les Echos stellt die Nachhaltigkeit der geforderten Reformen in Frage. "Der Plan kann nur einen rezessiven Effekt haben", schreibt das Blatt in einer ersten Analyse in seiner Online-Ausgabe.

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Die Zeitung Le Monde sieht das Schicksal Griechenlands angesichts der anstehenden Milliardenrückzahlungen zu einem beträchtlichen Teil auf den Schultern der Europäischen Zentralbank. Die befinde sich in einer „extrem delikaten Position“, schreibt das Blatt. „Die Frage ist, ob sie vor dem 20. Juli [wenn weitere Milliarden Rückzahlungen fällig werden] die ELA-Hilfen ausweitet." Eine Diskussion, in der auch Deutsche ein Wörtchen mitzureden haben werden.

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Die niederländische Wirtschaftszeitung NRC Handelsblad sieht Alexis Tsipras vor einem Höllenjob. "Für ihn ist das Elend noch nicht zu Ende", schreibt das Blatt in seiner Online-Ausgabe. Um all die versprochenen Radikalreformen auch tatsächlich zu stemmen, müsse sich der Premier Verbündete aus anderen Parteien suchen. Womöglich auch eine schon häufig beschworene Koalition nationaler Einheit bilden. Mit seinen eigenen Genossen alleine, von denen sich viele schon kritisch gegenüber den EU-Forderungen geäußert haben, sei das, was Griechenland nun leisten müsse, jedenfalls nicht zu schaffen, schreibt NRC Handelsblad.

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Die italienische Zeitung La Stampa zeigt zu einem gewissen Grad Verständnis für die Härte der Gläubiger, die sich nicht mehr nur mit lockeren Privatisierungszusagen begnügen, sondern eine unabhängigen Fonds fordern, in den zu privatisierende griechische Vermögenswerte überführt werden sollen. Natürlich sei unverhältnismäßige Härte unter europäischen Partnern zu vermeiden, schreibt das Blatt. Aber angesichts der Tatsache, dass Privatisierungsversprechungen schon seit Jahren keine Taten gefolgt seien, mache es durchaus Sinn, Garantien einzufordern, schreibt die Zeitung. Damit bezieht "La Stampa" eine andere Position als Italiens Regierungschef Renzi, der Deutschlands harte Haltung am Wochenende scharf kritisiert hatte.

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