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Wirecard und Co: Spektakuläre Firmenpleiten in Deutschland

Die Insolvenz von Wirecard gehört schon jetzt zu den spektakulärsten Pleitefällen in Deutschland - hat aber nichts mit Corona zu tun. Lesen Sie die Übersicht über große Pleiten in der deutschen Wirtschaft.
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Wirecard: Seit Jahren hatte der Zahlungsabwickler aus Aschheim bei München mit Vorwürfen wegen Scheingeschäften und Bilanzfälschung zu kämpfen. Vor allem Transaktionen in Asien sorgten für Misstrauen. Doch der Vorstand um Markus Braun und die Anleger ließen sich nicht beirren. 2018 stieg die Firma, die an der Börse zeitweise fast 25 Millionen Euro wert war, sogar in den Leitindex Dax auf. Erst als die Wirtschaftsprüfer von KPMG in einer Sonderprüfung Bedenken anmeldeten und EY das Testat unter der Bilanz 2019 verweigerte, brach das Kartenhaus zusammen. Bankbestätigungen über 1,9 Milliarden Euro erwiesen sich als gefälscht.

Foto: Wolfgang Rattay/Reuters
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P&R: Der Vermieter von Schiffscontainern, der 2018 Insolvenz anmeldete, könnte zum größten Anlagebetrug Deutschlands werden. Das Unternehmen hatte 54.000 Anlegern 1,6 Millionen Container als Kapitalanlage verkauft, von denen aber nach Erkenntnissen des Insolvenzverwalters rund eine Million nicht existierten. P&R sei spätestens seit 2007 ein Schneeballsystem gewesen. Der Schaden dürfte sich nach Schätzungen der Staatsanwaltschaft auf bis zu zwei Milliarden Euro belaufen.

Foto: picture alliance / Matthias Balk
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Air Berlin: Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft ging im August 2017 in Insolvenz, weil ihr der Großaktionär und wichtigste Geldgeber Etihad den Geldhahn zudrehte. Er war trotz angeblicher Zusagen nicht mehr bereit, für die Verluste von Air Berlin einzustehen. Mit einem Kredit von über 150 Millionen Euro hielt die Bundesregierung den Flugverkehr in der Urlaubssaison aufrecht. Die wichtigsten Überreste von Air Berlin gingen an die Lufthansa und den britischen Billigflieger Easyjet. Insolvenzverwalter Lucas Flöther klagt im Namen der Gläubiger gegen Etihad auf eine Milliarden-Entschädigung.

Foto: Axel Schmidt/ REUTERS
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Schlecker: Die ehemals größte deutsche Drogeriekette mit 8000 Filialen und 32.000 Beschäftigten im In- und Ausland musste im Januar 2012 Insolvenz anmelden. Die Kreditversicherer hatten den Stecker gezogen. Grund für die Pleite waren Management-Fehler von Firmengründer Anton Schlecker, deretwegen sich über Jahre Verluste anhäuften. Schlecker hatte aus einer Metzgerei in Ehingen bei Ulm ein europaweites Firmenimperium geschaffen. Er wurde wegen vorsätzlichen Bankrotts 2017 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, seine Kinder mussten ins Gefängnis, weil sie vor der Pleite Geld aus dem Unternehmen gezogen hatten.

Foto: PETER-STEFFEN/ picture alliance / dpa
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Arcandor: Die börsennotierte Holding um die Warenhauskette Karstadt sowie die Versandhändler Quelle und Neckermann brach 2009 zusammen. Kurz zuvor hatte der ehemalige Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff sein Amt als Arcandor-Chef abgegeben. Ihm wurde vorgeworfen, das Unternehmen mit Finanztricks ausgeblutet zu haben. 2014 wurde er unter anderem wegen Untreue zu drei Jahren Haft verurteilt. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sagte zu Quelle: "Wir haben mit der Lupe nach der Substanz in diesem Unternehmen gesucht, aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden." Die Privatbank Sal. Oppenheim, die die Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz finanziert hatte, musste wegen ihrer Verluste im Zuge der Pleite von der Deutschen Bank aufgefangen werden. Quelle wurde abgewickelt, die mit dem Konkurrenten Galeria Kaufhof fusionierte Nachfolgefirma Karstadt flüchtete sich im März in ein Schutzschirmverfahren.

Foto: A3512 Roland Weihrauch/ dpa
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Lehman Brothers Bankhaus: Die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank war das einzige Geldhaus, das im Zuge der Finanzkrise hierzulande pleiteging. Insolvenzverwalter Michael Frege konnte die Gläubigerforderungen Jahre später aber zu 100 Prozent erfüllen - anders als bei vielen Töchtern in den USA und im europäischen Ausland, wo die Gläubiger Abstriche machen mussten. Frege kassierte für sein Team nach Medienberichten das höchste Honorar, das je bei einer deutschen Insolvenz bezahlt wurde, einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Die Summe wird nach der Insolvenzmasse berechnet. Deutsche Banken, die in den Strudel der Finanzkrise geraten waren, allen voran die Hypo Real Estate, wurden vom Staat vor der Pleite gerettet.

Foto: DPA
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Kirch-Gruppe: Die Dachgesellschaft des Medienimperiums von Filmrechtehändler Leo Kirch, KirchMedia, rutschte im April 2002 wegen Überschuldung in die Insolvenz. 10.000 Mitarbeiter waren betroffen, das Unternehmen wurde zerschlagen. Kirch war unter anderem an der Privatsender-Kette ProSiebenSat.1, an dem Pay-TV-Sender Premiere und am Verlagshaus Springer beteiligt. Der Unternehmer machte den damaligen Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer für den Zusammenbruch verantwortlich, nachdem dieser Zweifel der Kreditwürdigkeit Kirchs geäußert hatte. In einem Vergleich zahlte die Bank später 925 Millionen Euro an seine Erben.

Foto: JAN BAUER/ AP
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Philipp Holzmann: Altlasten aus Immobiliengeschäften hatten den einst größten deutschen Baukonzern bereits 1999 an den Rand der Pleite gebracht. Bundeskanzler Gerhard Schröder schaltete sich selbst in die Rettung ein - im März 2002 war Holzmann trotzdem zahlungsunfähig, 153 Jahre nach seiner Gründung. Davon betroffen waren 24.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen wurde zerschlagen, 7000 Arbeitsplätze blieben erhalten. 2005 traf die Krise in der Bauwirtschaft auch die Nummer zwei der Branche, die Münchner Walter-Bau.

Foto: DPA
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Walter Bau: Frauenkirche, LTU-Arena, Strelasundquerung: Einst war die Walter Bau einer der größten deutschen Baukonzerne. Im April 2005 meldete der Baukonzern wegen einer Finanzierungslücke von 200 Millionen Euro Insolvenz an. 6900 Mitarbeiter standen vor dem Aus. Insolvenzverwalter Werner Schneider (im Bild) verkaufte Bereiche des Unternehmens - und konnte hunderte Arbeitsplätze bewahren.

Foto: DPA
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Schieder Möbel: Der einst größte europäische Möbelhersteller meldete im April 2007 Insolvenz an, nach Bekanntwerden erheblicher Bilanzmanipulationen ging der Konzern im Juni 2007 gleich noch mal in die Pleite. Rund 11.000 Mitarbeiter waren davon betroffen. Unternehmensgründer Rolf Demuth wurde zu einer Haftstrafe wegen Kreditbetrugs verurteilt.

Foto: DPA
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Praktiker: Jahrelang schrieb der Baumarktriese Praktiker rote Zahlen, unter anderem wegen einer fehlgeschlagenen Rabattstrategie. Im Sommer 2013 verloren die Gläubigergruppen die Geduld und stimmten der Finanzierung der Sanierung nicht zu. Damit musste Praktiker Insolvenz anmelden - insgesamt 20.000 Mitarbeiter waren betroffen, davon etwas mehr als 11.000 in Deutschland. Mit drei Milliarden Euro angemeldeter Forderungen war die Praktiker-Pleite eine der größten im deutschen Einzelhandel. Fast vier Jahre später stellten die Staatsanwälte die Ermittlungen ein. Ehemalige Manager kamen ohne Prozess davon.

Foto: ? Fabian Bimmer / Reuters/ REUTERS
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Babcock Borsig: Der einstige Dax-Konzern begann 1898 als Kesselbauer, ab den 1970ern kam Maschinen-, Kraftwerksbau und Werften hinzu. Doch Mitte 2002 erklärte sich der Konzern für zahlungsunfähig - trotz aller Bemühungen von Politikern. Die Insolvenz traf 21.000 Mitarbeiter Große Teile des Konzerns konnten verkauft und weiterbetrieben werden.

Foto: Martin_Gerten/ picture-alliance/ dpa