Hotelsterne So funktioniert die Vergabe

1 / 7

Dass ein Fünf-Sterne-Hotel mehr Luxus bietet als ein Drei-Sterne-Haus, ist klar. Aber wofür und von wem bekommen die Hotels eigentlich Sterne? Hier ist ein Überblick über das Vergabesystem.

In Deutschland können Hotels sich ausschließlich vom Deutschen Hotel und Gaststättenverband e.V. (Dehoga) zertifizieren lassen. Dafür müssen die Hotels je nach Kategorie bestimmte Kriterien erfüllen und ihre Klassifizierung alle drei Jahre erneuern. Viele der Hotels sind selbst Dehoga-Mitglieder und entscheiden also selbst mit über die Sternevergabe. Der Kriterien-Katalog umfasst 270 Positionen, die nach einem Punktesystem gewichtet werden; so können Hotels jeder Preis- und Sterneklasse mit Barrierefreiheit oder besonders großen Zimmern punkten. Einige Punkte gehören darüber hinaus klassenübergreifend zum Mindeststandard, andere ab einer bestimmten Sternezahl. Es gibt also einen Pflicht- und einen Kürbereich; die Mindestpunktezahl pro Kategorie liegt immer über der Punktezahl, die allein durch die verbindlich Standards vorgeben wird. Theoretisch möglich sind 940 Punkte, für fünf Sterne etwa muss man mindestens 600 erreichen. Wer deutlich über der für die eigene Kategorie vorgegebenen Punktzahl liegt, darf sich mit dem Zusatz „Superior“ schmücken.

Foto: Jens Kalaene/ picture alliance / Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
2 / 7

Ein Stern: Einfache Ansprüche

In jeder Sternekategorie kann der Gast erwarten, dass das Haus sauber und hygienisch ist und alle Einrichtungen funktionieren. Die Mitarbeiter müssen „kompetent und erkennbar“ sein, zumindest telefonisch muss rund um die Uhr jemand erreichbar sein. Es muss täglich geputzt werden, neue Handtücher muss es auf Wunsch geben, und die Bettwäsche wird mindestens einmal in der Woche gewechselt. Bettenmindestgröße: 80 mal 190 Zentimeter für Einzel-, 160 mal 190 Zentimeter für Doppelbetten. Stuhl, Tisch und Steckdose gehören zur Zimmerausstattung, ebenso ein Fernseher und eine Ersatzrolle Toilettenpapier. Die Mindestpunktzahl für Ein-Stern-Häuser beträgt 90 Punkte, von denen 45 durch die verbindlich vorgegebenen Mindestkriterien erfüllt sind. Eine Trennwand für die Dusche beispielsweise zählt mehr als ein einfacher Duschvorhang, mit einem Schuhputzgerät im Foyer bekommt man drei Punkte mehr.

Foto: Jan-Philipp Strobel/ dpa
3 / 7

Zwei Sterne: Mittlere Ansprüche

Zwei Sterne-Häuser müssen natürlich alle Standards erfüllen, die für Ein-Sterne-Betriebe gelten, und dann noch ein bisschen mehr bieten – verbindlich etwa einen waschbaren Badvorleger, ein Handtuch pro Person, ein Leselicht am Bett und die Möglichkeit der Kartenzahlung. Eine jährliche Kopfkissen-Tiefenreinigung (oder Neuanschaffung) wird mit 8 Punkten belohnt, auch eine Hotelbar oder ein Safe bringen Extrapunkte. Mindestens auf 170 Punkte muss ein Zwei-Sterne-Haus kommen.

Foto: Daniel Karmann/ picture alliance / dpa
4 / 7

Drei Sterne: Gehobene Ansprüche

Über die verbindlich vorgegebenen Leistungen der Ein- und Zwei-Sterne-Häuser hinaus müssen für drei Sterne Mitarbeiter da sein, die Englisch können, außerdem muss es auf Wunsch Gepäck- und Schuhputzservice geben, Lattenrost und Matratze müssen mindestens 18 Zentimeter hoch sein, auf Wunsche eine Zusatzdecke und Zusatzkissen erhältlich sein; auch ein Schuhputzgerät im Haus ist Pflicht, ebenso ein Haartrockner und ein Getränkeangebot auf dem Zimmer. Auch verbindlich: Ein „systematischer Umgang mit Gästebeschwerden“ mit „angemessener Reaktion“. Ein Drei-Sterne-Haus muss es in der Gesamtwertung auf 260 Punkte bringen.

Foto: Kay Nietfeld/ picture-alliance/ dpa
5 / 7

Vier Sterne: Hohe Ansprüche

Eine separate Rezeption, eine Lobby mit Getränkeservice und ein Gästelift sind ab vier Sternen Pflicht. Ebenso eine 24 Stunden täglich besetzte Rezeption, eine gesicherte Gepäckaufbewahrung für an- und abreisende Gäste, täglicher Bettwäschewechsel auf Wunsch (sonst mindestens zwei Mal in der Woche), aktuelle Tageszeitungen, mindestens 90 Zentimeter breite und 200 Zentimeter lange Matratzen pro Einzelbett, außerdem verschiedene Kleiderbügelarten, einen "zeitgemäßen" Fernseher, einen beweglichen Kosmetikspiegel, eine Heizmöglichkeit im Bad und auf Wunsch Hausschuhe sowie ein Frühstücksbuffet mit Bedienung. Sonderpunkte gibt es auch für diese Kategorie für diverse Wellnesseinrichtungen, Tagungstechnik und -räume sowie Kinderbetreuung; auf mindestens 400 Punkte muss das Haus kommen. Auch mit Ökolabels, Bademänteln und Klimaanlage lässt sich Boden gutmachen.

Foto: Marcel Kusch/ picture alliance / dpa
6 / 7

Fünf Sterne: Höchste Ansprüche

Ein Fünf-Sterne-Haus muss mindestens 600 Punkte erreichen und kann, wenn es deutlich darüber liegt, ebenfalls den Superior-Zusatz erhalten. Die Rezeption muss 24 Stunden am Tag geöffnet sein, drei Sprachen sind Pflicht für die Mitarbeiter, ebenso wie ein Concierge, ein Parkservice, Hotelpagen, Gepäckservice, aktuelle Zeitschriften, Shuttle- oder Limousinen-Dienst, eine persönliche Begrüßung auf dem Zimmer mit Blumen oder einem Präsent, mindestens zwei Suiten im Haus, ein Zimmersafe, zwei Kopfkissen pro Gast, Körperpflegeprodukte in Einzelflakons, Bademantel, Hausschuhe und ein rund um die Uhr erreichbarer Zimmerservice. Außerdem muss es im Haus mindestens ein Restaurant geben, das sieben Tage in der Woche geöffnet ist. Verbindlich ist die Qualitätskontrolle durch „mystery guesting“, also verdeckte Kontrollen ohne Wissen des Personals. 600 Punkte müssen in dieser Kategorie mindestens zusammen kommen, um fünf Sterne zu erhalten. Allerdings...

Foto: Paul Zinken/ picture alliance / dpa
7 / 7

... gibt es auch Häuser, die bewusst auf eine Sterneklassifizierung verzichten. Das kann mehrere Gründe haben, etwa, dass ein Haus bestimmte Kriterien aus räumlichen oder anderen Gründen nicht erfüllen kann oder will; aber manche Luxushotels verzichten auch auf ihre fünf Sterne, um nicht in Konflikt mit den Reise- und Compliance-Regeln ihrer Unternehmenskunden zu geraten, die keine Fünf-Sterne-Buchung erlauben. Aber auch in den einfacheren Segmenten verzichten einige Häuser und Ketten auf die Dehoga-Sterne – wie etwa die Kette Motel One, die findet, dass die Klassifizierung nicht mehr heutigen Ansprüchen genüge, weil etwa das kostenlose Wlan oder das Bio-Frühstück gar nicht in der Liste der Kriterien auftaucht.

Foto: Roewers