Gründe für den Kurssturz Warum Anleger jetzt fliehen

Es gibt viele Gründe für den aktuellen Kurssturz an den Börsen - und ebenso viele, jetzt einen kühlen Kopf zu bewahren.
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Dow Jones minus 1100 Punkte, Nikkei und Dax stark unter Druck: Der Absturz an den Börsen hat sich dramatisch beschleunigt. Anfangs sprachen Börsianer von einer "gesunden, überfälligen Korrektur", doch jetzt geht die Angst vor einem weiteren Absturz um. Die Gründe für den Kursrutsch sind vielfältig ...

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Automatisierter Handel: Ein wichtiger Grund für die rasante Talfahrt ist der stark automatisierte, computergestützte Handel. Das bedeutet: Bei vielen milliardenschweren Anlage-Fonds drückt nicht mehr ein Fondsmanager auf den Verkaufsknopf, sondern der Computer entscheidet über Kauf und Verkauf von Aktien. Bei den so genannten "Value at Risk" Modellen zum Beispiel können verschiedene Faktoren ausschlaggebend für den Verkauf von Aktien sein: Gehen die Schwankungen an der Böse zum Beispiel stark nach oben (am Montag stieg der Volatilitätsindex VIX an der Wall Street um 100 Prozent), vermindern so genannte risikogesteuerte Fonds automatisch ihr Risiko.

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Das heißt in diesem Fall: Die Aktienquote wird heruntergefahren und Aktien werden verkauft. Das ist ein sich selbst verstärkender Effekt, so dass sich der Abverkauf beschleunigt.

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Zinsangst, aber kein externer Schock: Diesmal war es kein externer Schock wie im Herbst 2008, als die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers einen Kursrutsch an den weltweiten Aktienmärkten auslöste. Stattdessen haben lediglich deutlich anziehende Renditen bei US-Staatsanleihen Börsianer aufgeschreckt. Die Annahme, dass die US-Notenbank auf Grund der brummenden Konjunktur und der anziehenden Inflation die Zinsen in diesem Jahr doch rascher und bis zu vier Mal erhöhen wird, sorgt bei vielen Anlegern für ein Umdenken.

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Steigende Zinsen in Zeiten einer brummenden Konjunktur sind eher ein Anlass für Gewinnmitnahmen als ein Grund für eine überstürzte Flucht aus Aktien (im Bild: Aufräumen an der Wall Street). Dennoch unterstreicht die jüngste Entwicklung einmal mehr, dass vor allem die Niedrigzinspolitik der Notenbanken der entscheidende Grund für die Aktienrally der vergangenen Jahre war.

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Korrektur überfällig: Für Gewinnmitnahmen besteht an den Börsen in der Tat reichlich Anlass. Eine Korrektur war überfällig: Der Dow Jones war in den vergangenen Monaten wie an einer Schnur gezogen von einem Rekord zum nächsten geeilt. Nach Berechnungen von Goldman Sachs hatte es bis Ende Januar mehr als 400 Handelstage lang keinen signifikanten Rücksetzer um rund 5 Prozent gegeben. Im Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte gibt es dagegen alle 90 Tage eine solche Korrektur. Doch selbst jetzt, nach dem ersten scharfen Rücksetzer seit mehr als zwei Jahren, haben Anleger noch einiges zu verlieren.

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Große Fallhöhe: Die aktuellen Kursverluste im Dow Jones sehen dramatisch aus, sind derzeit aber nur ein kleiner Rücksetzer. Seit Jahresbeginn notiert der Dow lediglich rund 2 Prozent im Minus, auf Sicht von 6 Monaten ist der US-Leitindex immer noch rund 10 Prozent im Plus. Auf Sicht von 12 Monaten sind es immer noch knapp 20 Prozent Plus. Das bedeutet: Anleger, die in den vergangenen Jahren in den USA oder weltweit investiert haben, verzeichnen immer noch stattliche Gewinne mit ihren Aktieninvestments. Die Versuchung, trotz fallender Kurse dieses Geld in Sicherheit zu bringen, ist groß.

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Herdentrieb zum Ende der Party: Wenn die Party vorbei ist und alle gleichzeitig zum Ausgang stürmen, wird es eng. Und die Goldlöckchen-Party scheint vorerst vorbei zu sein: "Seit Herbst haben Anleger auf das so genannte Goldlöckchen-Szenario gesetzt, die für Anleger beste aller Welten", sagt Norihiro Fujito, Senior Investment Stratege bei Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. Das bedeutet: Solide wirtschaftliche Expansion, Verbesserung der Unternehmensgewinne und stabile Inflation, so dass die Zinsen weiterhin niedrig bleiben können. "Aber die Zeiten scheinen sich geändert zu haben", sagt Fujito. Und Michael Purves, Chefstratege bei Weeden, ergänzt: "Der Umfang des Abverkaufs, den wir sehen, ist normal. Die Geschwindigkeit, mit der er sich abspielt, ist nicht normal".

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Kühler Kopf: Sich inmitten eines Ausverkaufs gegen den Herdentrieb zu stemmen, ist sehr schwer. Andererseits hat es sich in den meisten Fällen als schlechte Idee erwiesen, inmitten einer Verkaufspanik selbst in großer Zahl Aktien zu verkaufen. Schon eine Verminderung der Aktienquote im Depot kann die Nerven ein wenig beruhigen, ohne dass man sich komplett von seinen Aktienbeständen trennen sollte. Denn aktuell sprechen die gut laufende Konjunktur und die steigenden Unternehmensgewinne dagegen, dass die Kurse an den Börsen nach der überfälligen Korrektur ins Bodenlose fallen. "Ich denke, wir sind hier ziemlich nah an einem Verkaufs-Höhepunkt. Die Fundamentaldaten sind ziemlich gut. Das einzige, was wirklich anders ist, ist, dass die Anleiherenditen auf 2,8 Prozent gestiegen sind", sagt Analyst Purves. Als Privatanleger sollte man sich nicht von Gefühlen leiten lassen und sich auch nicht voreilig gegen eine Verkaufswelle stemmen. Kühlen Kopf zu bewahren und abzuwarten, bis sich die Lage wieder beruhigt, hat sich in den vergangenen Jahren meist als gute Börsenstrategie erwiesen.

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