Ganz unkonventionell Wie heute Öl gewonnen wird

Die Zeiten, in denen Öl nur aus texanischen Bohrlöchern gepumpt wurde, sind passé. Heute gibt es zahlreiche Techniken, das schwarze Gold auch aus sogenannten unkonventionellen Lagerstätten zu heben. Eines haben diese Methoden indes gemeinsam: Sie sind teuer und umstritten.
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Ölschiefer
Technik: Beim Ölschiefer handelt es sich um ein Sedimentgestein, das "Erdpech" (Bitumen) oder Öle enthält. Wobei der Anteil dieser organischen Stoffe meist zwischen 10 und 30 Prozent liegt. Um aus ihnen Erdöl zu gewinnen, muss das Gestein im Tagebau abgebaut und später auf 500 Grad Celsius erhitzt werden.
Bilanz: Aufgrund dieses Aufwands ist der Nettoenergieertrag aus Ölschiefern gering. Die umweltschädlichen Abfallprodukte, die hohen CO2-Emission und der immense Wasserverbrauch sorgen überdies für eine sehr schlechte Umweltbilanz.
Beispiele: Ein sehr großes Vorkommen findet sich beispielsweise im Green-River-Gebiet im US-Bundesaat Kentucky. In Estland wir ein Großteil der Elektrizität auf Basis von Ölschiefer produziert.

Foto: Corbis
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Ölsand
Technik: Als Ölsand wird ein Sandstein bezeicnet, der Anteile an zähflüssigen Schwer- und Schwerstölen enthält. Ölsande werden im Tagebau gefördert.
Bilanz: Auch wenn die Bilanz für die günstigen Vorkommen besser als bei Ölschiefern ausfällt, ist der Tagebau und die Verarbeitung zu synthetischem Rohöl zeitaufwändig, technisch komplex sowie mit hohem Energie- und Umweltverbrauch verbunden.
Beispiele: Nur wenige Vorkommen sind derzeit wirtschaftlich förderbar. Die bekanntesten Lagerstätten liegen am Orinoco-Fluss in Venezuela und in der kanadischen Provinz Alberta.

Foto: Corbis
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Flüssiggas
Technik: Flüssiggase bestehen im Wesentlichen aus kurzen Kohlenwasserstoffketten wie Butan oder Propan, die auch bei geringem Druck flüssig bleiben, was sie vom methan- und ethanhaltigen Erdgas unterscheidet. Es fällt als Nebenprodukt der Erdölraffinierung und als Begleitgas bei der Förderung von Erdöl und Erdgas an.
Bilanz: Flüssiggas ist ein Nebenprodukt der Erdölraffinierung und somit der entsprechenden Wertschöpfungskette zuzurechnen.
Beispiele: Flüssiggase werden als Kältemittel, zum Kochen auf dem Campingplatz oder für gasbetriebene Autos verwendet.

Foto: dapd
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Kohleöl
Technik: Die Technik, aus Kohle synthetisches Erdöl herzustellen, ist alt. Großtechnisch angewandt wurde sie etwa im Zweiten Weltkrieg, um Deutschland unabhängiger von Ölimporten zu machen.
Bilanz: Das Verfahren ist allerdings teuer, sehr energieintensiv und daher klimaschädlich.
Beispiele: Das Interesse an der Herstellung synthetischen Öls ist vor allem dort nicht erloschen, wo bis heute die meiste Steinkohle gefördert wird - in China und den USA.

Foto: DPA
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Tiefseeöl
Technik: Tiefseeöl findet sich vor allem dort, wo gigantische Flüsse in die Ozeane münden. Dort wird inzwischen in der küstennahen Tiefsee nach Öl gebohrt. Wegen der hohen Betriebskosten der Förderanlagen wird versucht, das Öl so rasch wie möglich zu fördern.
Bilanz: Die Förderung in Wassertiefen von mehreren Hundert Metern ist vergleichsweise teuer, aufwändig und gefährlich. Die Wirtschaftlichkeitskalkulation der großen Konzerne hängt unter anderem von der Bodenbeschaffenheit, der Umwelt- und den Sicherheitsvorgaben ab.
Beispiele: Weltweit werden die Tiefseeölvorkommen auf rund 70 Gigabarrel geschätzt, was etwa dem Zweieinhalbfachen der Weltjahresproduktion von Öl entspricht. Die größten Vorkommen befinden sich vor den Küsten Brasiliens, Indonesiens, Angolas, Nigerias sowie am Mississipi-Delta im Golf von Mexiko, wo vor zweieinhalb Jahren die Bohrinsel Deepwater Horizon im Meer versank.

Foto: AP/ BHP Billiton
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Polares Öl
Technik: Als polares Öl wird jenes Erdöl bezeichnet, das sich nördlich und südlich des 66. Breitengrads befindet. Aufgrund der schwierigen klimatischen Bedingungen gilt die Erschließung dieser Ölquellen als teuer. Am Nordpol sind zudem Besitzansprüche zwischen den Anrainerstaaten weiterhin ein Thema. Am Südpol erweist sich die Förderung als besonders schwierig, da weite Gebiete für die Exploration aus Umweltschutzgründen gesperrt sind.
Bilanz: Die Förderung von polarem Öl gilt - ähnlich wie beim Tiefseeöl - als vergleichsweise teuer, aufwändig und gefährlich.
Beispiele: Die in den Polargebieten förderbaren Mengen werden auf rund 52 Gigabarrel geschätzt. Zu den wichtigsten Fördergebieten gehören Sibirien, Alaska, Kanada und Grönland.

Foto: Corbis
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