G7-Gipfel in Kanada So ohnmächtig sind die sieben Mächtigen

Alle gegen Trump? Wenn es doch nur so einfach wäre ...
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300 Millionen Dollar soll der G7-Gipfel im kanadischen Luxushotel Manoir Richelieu kosten. Gut investiert, könnte man meinen, wenn dafür ein Welthandelskrieg vermieden würde - oder wenigstens eines der von Gastgeber Justin Trudeau auf die Tagesordnung gesetzten Themen (Investitionen in Wachstum, Jobs der Zukunft Gleichheit der Geschlechter, Klimaschutz und Weltfrieden) vorangebracht.

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Der Elefant im Raum, wie die Amerikaner sagen, heißt aber Donald Trump. Vor der Abreise nach Kanada machte der US-Präsident klar, er rede nur über ein Thema: die "unfaire Handelspraxis gegenüber den USA". Deshalb gibt es jetzt auch Strafzölle gegen kanadischen Stahl - und Häme auf Twitter über den "entrüsteten" Trudeau. Kanadas Premier ist zwar beliebt in Davos als Held einer multilateralen Weltordnung. Zu Hause haben seine Liberalen aber gerade erst am Donnerstag die wichtigste Provinz Ontario krachend verloren - an einen Typen wie Trump, nur krasser.

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Erst eine Woche im Amt als italienischer Ministerpräsident, könnte Giuseppe Conte die G7 aufmischen. Trumps frühere rechte Hand Steve Bannon hatte die Regierungsübernahme der euroskeptischen Populisten aktiv begleitet. Der parteilose Jurist Conte könnte eine Brücke zum europäischen Establishment bauen - will in Quebec aber erstmal nur zuhören. Wie viel Macht er als einer der sieben Mächtigen genießt, machte Koalitionsführer Luigi di Maio im Parlament deutlich. Conte: "Darf ich sagen, dass ...?" - di Maio: "Nein!"

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Etwas mehr Erfahrung bringt Angela Merkel mit, die mit Abstand Dienstälteste unter den Regierungschefs. Als die deutsche Bundeskanzlerin antrat, amtierte noch Contes Vor-vor-vor-vor-vor-vor-vorgänger Silvio Berlusconi. Sie hatte schon einige Begegnungen mit Trump, zeigt sich in ihrer Körpersprache aber immer wieder aufs Neue kalt erwischt - und zieht es vor zu schweigen. Bloß keine Eskalation, bloß keine Eskalation, bloß keine Eskalation ...

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Anders will es Frankreichs Präsident Emmanuel Macron angehen, der zwar zu Hause ein Jahr nach seiner spektakulären Wahl reichlich unbeliebt ist und mit seinen Reformvorschlägen für Europa gegen Gummimauern rennt - jetzt aber als wahrer Führer der freien Welt auftritt: "Dem amerikanischen Präsidenten ist es vielleicht egal, isoliert zu sein - uns macht es aber auch nichts aus, wenn nötig zu sechst zu sein." Ach ja, vor etwas mehr als einem Monat sprach er noch beim State Dinner einen Toast auf Trump, den er zuvor schon mit speziellem Händedruck und Militärparade umgarnte - um dann zu sehen, dass all das keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

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Für Shinzo Abe aus Japan ist so eine besondere Beziehung zu Trump noch immer das Mittel der Wahl. Er besuchte den Präsidenten als erster Staatschef im Trump Tower entgegen dem Protokoll, noch bevor er Präsident war. Immerhin treffen sich hier zwei rechtsnationale Führer, die ihre Nationen zu alter Größe bringen wollen ... Schutz vor Zollschranken bietet das Japan aber auch nicht. Das treffendste Bild von ihrem Verhältnis lieferte Abe wohl, als er auf Trumps Golfplatz in einen Sandbunker stürzte - und der Amerikaner einfach weitergolfte.

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Die britische Premierministerin Theresa May hat mit ihrem chaotischen Brexit und der zerstrittenen Minderheitsregierung ganz andere Sorgen. Allerdings hängt ihr Versprechen von mehr Wohlstand nach dem Brexit vor allem von einem offeneren Welthandel außerhalb der EU ab - und besonders vom Wohlwollen der USA. May konnte jedoch bislang nicht einmal durchsetzen, Trump zum Staatsbesuch nach London einzuladen. Gerade wurde die Aussage ihres Außenministers Boris Johnson öffentlich, man müsse mit einem "Meltdown" des Brexit rechnen - und dann solle es "bloß keine verdammte Panik" geben.

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Nicht zu vergessen, die G7 sind nicht allein. Weil die EU auch eingeladen ist, darf sich Ratspräsident Donald Tusk gegenüber seinem Namensvetter Trump präsentieren. Im Mai hatte er schon dessen "launenhaften Behauptungswillen" gedisst. Und getönt: "Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde." Wegen Trump solle Europa "wie nie zuvor wirtschaftlich, politisch und auch militärisch geeint sein". Starke, wenn auch leere Worte. Schon die polnische Regierung zieht ihrem Landsmann Tusk den anderen Donald vor.

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Kann denn wenigstens Trump selbst bei all der Aufregung, die er auslöst, als einziger Mächtiger gelten, der den weltpolitischen Kurs vorgibt? Eher nicht. Seine Beliebtheitswerte sind auch nicht besser als die von Macron, Merkel oder May. Innen- wie außenpolitisch macht er eine gewagte Kehrtwende nach der nächsten. Boris Johnson findet Trumps "Chaos" bewundernswert: "Alle denken, er sei durchgedreht. Aber tatsächlich kommst du damit irgendwohin. Es ist ein sehr, sehr guter Gedanke." Vielleicht stimmt er, vielleicht nicht. Von Macht zeugt es jedenfalls nicht gerade, dass Trump den G7-Gipfel vorzeitig verlassen will, bevor er sich ernsthafte Kritik anhören müsste. Putin, hilf!

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Aber der US-Präsident hat auch tatsächlich Wichtigeres zu tun: nach Singapur reisen, zu einem anderen Gipfeltreffen mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un. Dann eben wenigstens G2.

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