Die WM der Oligarchen Die reichsten Russen im Fußballgeschäft

Fußball-WM in Russland, der Heimat der Oligarchen. Doch nur wenige der superreichen Russen können das Ereignis nutzen, um sich zu profilieren. Diese Milliardäre sind aktiv im Fußballgeschäft.
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Roman Abramowitsch ist der wohl prominenteste Oligarch im Fußballgeschäft. Mit 11,5 Milliarden Dollar Vermögen listet "Forbes" ihn auf Platz 11 der reichsten Russen - wenngleich der zumeist in London lebende Abramowitsch neuerdings israelischer Staatsbürger ist. In der Heimat hat der einstige Wegbereiter Putins politisch und als Unternehmer kaum noch Einfluss ...

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... statt Aluminiumwerke jagt er Trophäen wie Luxusjachten oder Champions-League-Pokale mit seinem FC Chelsea. Den Londoner Club kaufte er 2003 für 60 Millionen Pfund, investierte seitdem aber Milliarden vor allem in teure Spieler - und schaffte es so tatsächlich, den Weltfußball mit seinem Geld zu prägen.

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Alischer Usmanow ist noch etwas reicher als Abramowitsch, mit 12,8 Milliarden auf Rang 10. Der aus Usbekistan stammende Unternehmer ist weiterhin eine Größe der russischen Wirtschaft, als Hauptaktionär der Eisen- und Stahl-Holding Metalloinvest. Mit Abramowitsch teilt er aber das Leben in England und die Liebe zum Londoner Fußball ...

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Usmanow besitzt gut 30 Prozent der Aktien des Lokalrivalen Arsenal - die Mehrheit aber gehört dem Amerikaner Stan Kroenke. Nachdem der Traditionsclub nach Usmanows Einstieg 2007 anfangs eine russische Übernahme fürchtete, gilt Usmanow vielen Fans nun als Schutz gegen Kroenkes Kontrolle.

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Dimitri Rybolowlew ist mit dem Düngemittelproduzenten Uralkali reich geworden: 6,8 Milliarden Dollar bedeuten Platz 18 im Ranking der reichen Russen. Aus dem Kaligeschäft ist Rybolowlew 2011 ausgestiegen, eine Bankbeteiligung auf Zypern wurde fast wertlos. Dafür sorgen teure Käufe von Kunstwerken, Luxusyacht oder Immobilien - darunter die Onassis-Insel Skorpios in Griechenland - oder die zeitweise teuerste Scheidung der Welt für Aufsehen. Vor allem aber ...

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... der AS Monaco, der seit Ende 2011 zu zwei Dritteln einem Trust im Namen von Rybolowlews Tochter Jekaterina gehört (der Rest der monegassischen Herrscherfamilie Grimaldi). In der französischen Ligue 1 ist Monaco zwar der Verein mit den geringsten Zuschauerzahlen, aber der einzige, der dem von Katar gestützten Club Paris Saint-Germain finanziell etwas entgegensetzen kann - 2017 reichte es für den Meistertitel.

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In Russland selbst haben reiche russische Geldgeber weniger durchschlagenden Erfolg im Fußball. Eine Ausnahme bildet Sergei Galitsky, der Gründer der inzwischen an die staatliche Vneshtorgbank verkauften Supermarktkette Magnit aus dem südrussischen Krasnodar. "Forbes" schätzt Galitskys Vermögen auf 3,9 Milliarden Dollar, Platz 28 in Russland.

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Seit 2008 hat Galitsky den Verein FK Krasnodar aus dem Nichts aufgebaut und widmet sich jetzt hauptsächlich diesem Projekt. Krasnodar hat eine moderne Fußballakademie, die Talente fördern statt teuer aus dem Ausland kaufen soll, und ein neues Stadion. Der Verein hat sich in der Spitzengruppe der Premjer Liga und der Europa League etabliert. Als WM-Spielort hat sich die Fifa (in der Mitte Verbandschef Gianni Infantino, links Präsident Wladimir Putin) jedoch gegen Krasnodar entschieden.

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Den WM-Zuschlag bekamen in der Region Sotschi, wo es seit den Olympischen Winterspielen 2014 ein modernes Stadion zu füllen gibt, und Rostow. Beim dortigen FC wirkte Anfang der 2000er Jahre der Agrarmogul und Putin-Freund Ivan Savvidis (1,9 Milliarden Dollar Vermögen) als Patron. Savvidis hat sich nun aber auf einen anderen Verein verlegt ...

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... den griechischen Erstligisten Paok Saloniki, der seit 2012 mehrheitlich Savvidis gehört. Im März 2018 sorgte der Unternehmer für einen Eklat, als er (mit Revolver) den Platz stürmte. Der Ligabetrieb wurde daraufhin für zwei Wochen unterbrochen, Savvidis selbst bekam vom Verband drei Jahre Stadionverbot.

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Radik Schaimijew zählt mit 1,2 Milliarden Dollar Vermögen auch noch zu den 100 reichsten Russen. Als "Oligarch" qualifiziert er sich auf jeden Fall, weil seine Familie Macht in der Teilrepublik Tatarstan ausübt. Sein Vater sagte die muslimische Region in den 90ern von Russland los, wurde dann aber zu einer wichtigen Stütze von Putins Partei. Schaimijew ist Präsident der Holding Tatar-American Investments and Finance, die einen Großteil der Industrie rund um die Tataren-Hauptstadt Kasan besitzt ...

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... und seit 2017 auch den Erstligaklub Rubin Kasan. Zeitgleich wurde Schaimijew Präsident des Vereins, in dessen moderner Arena beispielsweise das WM-Spiel Südkorea-Deutschland angesetzt ist. Zeitgleich kursierten jedoch auch Berichte, der russische Meister von 2008 und 2009 stecke in einer Finanzkrise. Spielergehälter würden nicht bezahlt. "Patriotismus wird im Zentrum unseres Geschäfts stehen", erklärt Radik Schaimijew das Fußball-Investment.

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Jewgeni Giner taucht nicht auf Milliardärslisten auf. Der Teilhaber der vor allem in der Ukraine aktiven VS Energy gilt als langjähriger Freund Roman Abramowitschs. Mit dessen Sohn Arkadi gab es laut Medienberichten 2017 Gespräche über einen Verkauf von Giners Verein ZSKA Moskau - für immerhin 300 Millionen Dollar.

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Seit 2001 hat Giner den ehemaligen Armeeklub ZSKA (das russische Verteidigungsministerium ist bis heute Minderheitsaktionär) auf Performance getrimmt. Er führt auch den Finanzausschuss des russischen Fußballverbands. Größter Erfolg des heutigen Zweiten der Premjer Liga war der Uefa-Cup-Sieg 2005. Damals wurde ZSKA von der Ölfirma Sibneft gesponsert, seinerzeit ein Abramowitsch-Unternehmen.

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Boris Rotenberg gilt als enger Vertrauter Putins, mit dem er als Jugendlicher Judo trainierte. Ihr Milliardenvermögen verdanken Boris und Bruder Arkadi Rotenberg dem Bau von Gasröhren und Stromleitungen, auch auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim. Die Rotenbergs kontrollierten bis 2016 auch den Hauptstadtclub Dynamo Moskau - Boris die Fußball- und Arkadi die Hockey-Abteilung. Das Sport-Investment hatte trotz der Nähe zu Putin jedoch keinen Erfolg ...

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Rotenbergs Sohn Boris Junior kam als Dynamo-Spieler und im finnischen Nationalteam kaum zu Einsätzen, aktuell darf er sich immerhin russischer Meister mit dem Club Lokomotiv Moskau nennen (dieser gehört der Staatsbahn). Das Dynamo-Stadion wurde nicht rechtzeitig zur WM fertig, der Club flog wegen Verstoßes gegen Financial Fair Play aus der Europa League und stieg dann auch noch in die zweite russische Liga ab. Die Rotenbergs verkauften ihre Aktien für einen Rubel an die Vereinsmitglieder.

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Leonid Fedun ist Großaktionär und Vizepräsident des größten russischen Ölkonzerns Lukoil. Mit 7,4 Milliarden Dollar steht er auf Rang 15 der reichsten Russen. Sein Kompagnon Wagit Alekperow, Chef des Unternehmens, ist sogar der viertreichste Russe. Fedun gehört der Hauptstadtclub Spartak Moskau; das Fußballgeschäft sieht er mit russischer Tragik ...

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"Mit russischen Mitteln ist es unmöglich, mit dem Westen zu konkurrieren", sagte Fedun in einem Interview. Die Topclubs im Westen betrieben eine Inflation der Spielergehälter. Feduns Otkritie-Bank, die auch Spartak und dessen neues Stadion - das bei der WM zum Einsatz kommt - sponserte, musste 2017 von der Zentralbank gerettet werden. "Ich werde Spartak niemandem anbieten", sagte Fedun - um sogleich zu klagen, es werde "auch psychologisch immer schwerer, weiterzumachen".

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Michail Fridman ist in Deutschland vor allem als Eigner des Öl- und Gaskonzerns Dea bekannt, der vor der Fusion mit BASF Wintershall steht. Mit 13,8 Milliarden Dollar gilt Fridman, der sich auch schon mit dem Ölriesen BP anlegte, als der achtreichste Russe. Hauptsächlich stammt sein Vermögen aus der ...

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... Alfa Bank. Und die ist tatsächlich stark in die WM involviert: als einer der Hauptsponsoren des Ereignisses für die Fifa, neben den Fernsehgeldern die zweitwichtigste Einnahmequelle. Wegen der Image-Probleme zeigen sich die Unternehmen zur WM in Russland deutlich zurückhaltender als bei früheren Turnieren, die Fifa zu unterstützen. Etliche für Sponsoren reservierte Slots sind noch frei, auf einen der Hauptsponsorenposten zog der staatliche Energiekonzern Gazprom, der auch beim Erstligaklub Zenit St. Petersburg herrscht.

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Donald Trumps russischer Geschäftspartner Aras Agalarow - auch mal selbst als "russischer Trump" bezeichnet - spielt ebenfalls eine Rolle bei dem Turnier. Der aus Aserbaidschan stammende Baumogul (geschätztes Vermögen: 1,7 Milliarden Dollar) ...

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... erhielt den Zuschlag für den Bau der WM-Arena in Kaliningrad, wo es zwar keinen Erstligaverein gibt, aber lukrative Spiele wie England-Belgien nah am westeuropäischen Publikum angesetzt sind. Der Grund auf der Insel im Pregel sei unbebaubarer "50 Meter tiefer Sumpf", hatte Agalarow geätzt - bevor er den Auftrag bekam und das Land nur noch "ein bisschen sumpfig" fand. Tatsächlich drohte das Stadion abzusacken...

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... und wurde zum Schauplatz eines Korruptionsskandals. Agalarows Milliardärskollege Zijawudin Magomedow, dessen Firma als Subunternehmer in Kaliningrad agierte, wurde im März 2018 verhaftet.

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Suleiman Kerimow stört ebenfalls das Bild von der Allmacht reicher Russen im Fußballgeschäft. Von der Elektrofirma in der Kaukasusrepublik Dagestan über Gazprom, Sberbank, Gold, Silber und Kali hat Kerimov ein Vermögen von 5,2 Milliarden Dollar (Platz 20 in Russland) angehäuft. Inzwischen musste er jedoch sowohl Uralkali verkaufen als auch sein Fußball-Investment ...

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... Anschi Machatschkala. Der Verein schien um 2012 mit Kerimows Geld zu einer Macht in Europas Fußball zu werden. Der Milliardär holte Stars wie Eto'o oder Trainer Guus Hiddink in den Kaukasus. Inzwischen steigt der Verein jedoch in die zweite Liga ab, in der WM-Bewerbung spielte er gar keine Rolle mehr. Die Financial-Fair-Play-Regeln der Uefa machen es russischen Vereinen schwer, mit der westlichen Konkurrenz mitzuhalten - auf reiche Gönner dürfen sie sich nicht verlassen, die Einnahmen aus Fernsehrechten und Eintrittskarten erreichen jedoch nur einen Bruchteil der Umsätze im Westen. Auch Rubin Kasan, Dynamo Moskau und Zenit St. Petersburg wurden davon ausgebremst.

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