Investitionen in Putins Reich Diese deutschen Konzerne setzen auf Russland

Das WM-Gastgeberland ist ein heikler Markt. Deutsche Konzerne schwanken zwischen Rückzug und neuen Investitionen. Für manche Firmen ist das russische Geschäft essenziell.
1 / 12

Für Adidas ist es beinahe eine Heim-WM: Der russische Sportartikelmarkt wird von dem deutschen Hersteller dominiert, der schon zu Sowjetzeiten die "Sbornaja" ausrüstete. Mehr als 1000 eigene Läden hatte Adidas schon im Land, mehrere hundert davon aber wieder geschlossen. Sanktionen, Rubel-Kollaps und Rezession haben den Umsatz, der 2014 noch über eine Milliarde Euro betrug, fast halbiert. Dafür steigt die Gewinnmarge. Adidas-Chef Kasper Rorsted spricht von "langfristiger Geduld" und hofft auf ein Ende der Sanktionen.

Foto: AFP
2 / 12

Mehr als ein Zehntel des Geschäfts hängt für Metro an Russland - noch. Konzernchef Olaf Koch (rechts auf einem Wirtschaftsgipfel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin 2017) begründete eine Gewinnwarnung des Handelskonzerns im April mit der Schwäche in Russland, "der Schattenseite unserer positiven Entwicklung". In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2018 brachten die 89 Großmärkte im Land 15 Prozent weniger Umsatz, Metro warnt vor einer "weiter verschlechterten geopolitischen Situation".

Foto: Maxim Shemetov/ dpa
3 / 12

BASF verdankt den Status als weltgrößter Chemiekonzern auch dem starken Russlandgeschäft seiner Öl- und Gastochter Wintershall, die an zwei Gasfeldern in Sibirien und einem Ölfeld an der Wolga beteiligt ist. Wintershall schickt sich an, mit der Dea zu fusionieren und so einen großen deutschen Rohstoffkonzern zu schaffen. Die Absichtserklärung wurde im Dezember unterschrieben. BASF soll vorerst zwei Drittel der Aktien erhalten, den Rest ...

Foto: Justin Jin for Wintershall / DPA
4 / 12

... hätte die Investmentgesellschaft Letter One des russischen Milliardärs Michail Fridman, der Dea zuvor von RWE gekauft hatte. Ex-BP-Chef John Browne, den Fridman mit seinen Ölinvestments betraut hat, rechnet mit einem Vertragsschluss zur Fusion von Wintershall und Dea noch in der ersten Jahreshälfte (die bald vorbei ist).

Foto: SERGEI KARPUKHIN/ REUTERS
5 / 12

Wintershall ist auch einer der Miteigentümer der Gazprom-Ostseepipeline Nordstream, die um eine zweite Röhre ergänzt werden soll. Das Erdgas heizt nicht nur deutsche Häuser, es wird auch für Kraftwerke und Prozessdampf in der Chemieindustrie benötigt. Deutschland ist weltgrößter Erdgasimporteur, ein gutes Drittel davon kommt aus Russland.

Foto: JOHN MACDOUGALL/ AFP
6 / 12

Insgesamt ist Russland zwar nur noch Handelspartner Nummer 13 der deutschen Wirtschaft - für Importe von Energierohstoffen aber die Nummer eins. Auch Erdöl kommt vorwiegend von dort, vor allem in ostdeutschen Raffinerien wie Leuna oder Schwedt (die inzwischen mehrheitlich Rosneft gehört) - und Steinkohle auch. Nur mit Braunkohle, Atomkraft und Erneuerbaren ist Deutschland nicht von Russland abhängig.

Foto: Waltraud Grubitzsch/ picture alliance / dpa
7 / 12

Uniper hat vom einstigen Mutterkonzern Eon das Erbe der Expansionsstrategie in Russland übernommen. Fünf Kohle- und Gaskraftwerke besitzt der Konzern dort, mit mehr als 10 Gigawatt installierter Leistung (ein knappes Drittel der Kapazität von Uniper). Diese russischen Assets begründen auch das Interesse des finnischen Fortum-Konzerns, der Uniper übernehmen will.

Foto: DPA
8 / 12

Ausgestattet sind die meisten russischen Kraftwerke - nicht nur die von Uniper - mit Turbinen von Siemens. Auch welche auf der annektierten Halbinsel Krim, was den Konzern 2017 in heftige Spannungen brachte. Siemens-Chef Joe Kaeser, der in den Vorjahren noch Putins Nähe gesucht hatte, zeigte sich nicht froh, dass überhaupt noch jemand Siemens-Turbinen kauft. Siemens sei "kein verlässlicher Partner", schimpfte Vizepremier Arkadi Dworkowitsch. Die Firma Power Machines vom zweitreichsten Russen Alexej Mordaschow (auch Tui-Großaktionär) hat jetzt den Auftrag, ein russisches Siemens zu bauen - bisher war sie Vertriebspartner.

Foto: REUTERS
9 / 12

Volkswagens Werk Kaluga, 2009 vom damaligen Premier Putin eröffnet, soll 2019 wieder voll ausgelastet werden. Der russische Automarkt wächst wieder nach tiefem Einbruch. Zusammen mit dem Lizenzfertiger Gaz verkaufte der Konzern im vergangenen Jahr gut 170.000 Autos. Damit ist Russland der neuntwichtigste Einzelmarkt für Volkswagen, doch "bleibt strategisch wichtig" für Wolfsburg. Dominant sind Renault-Nissan (vor allem mit der heimischen Marke Lada) und Hyundai-Kia.

Foto: Sergei Chirikov/ AP
10 / 12

Daimler baut derzeit für eine Viertelmilliarde Euro ein erstes Mercedes-Werk bei Moskau, das 2019 eröffnet werden soll - während Rivale BMW noch verhandelt, ob auf die seit 1999 bestehende Auftragsproduktion von Avtotor in Kaliningrad eine eigene Fabrik folgen soll. Beide verkaufen niedrige fünfstellige Stückzahlen pro Jahr in Russland - die Zeiten, als BMW die neue 7er-Reihe mit opulenter Weltpremiere auf dem Roten Platz feierte, sind vorbei. Daimler ist außerdem mit 15 Prozent am Lkw-Bauer Kamaz beteiligt.

Foto: Daimler
11 / 12

Einen ganz anderen Stellenwert hat der russische Markt für mittelständische Konzerne wie den Landmaschinenbauer Claas, der sein Werk im südrussischen Krasnodar mitten in der Krise als größte Einzelinvestition der Firmengeschichte erweitert hat. Etwa ein Viertel des Umsatzes machen die Westfalen in der Region einschließlich Ukraine und Zentralasien.

Foto: DPA/Claas
12 / 12

Der fränkische Gipsmarktführer Knauf betreibt sogar 17 Werke in Russland und setzt dort Milliarden um. Firmenchef Manfred Grundke spricht von "Vertrauen in den russischen Markt", Knauf präsentiert sich stolz als einer der "Russlandmeister" der deutschen Wirtschaft. Insgesamt jedoch ist die Zahl der deutschen Firmen in Russland nach Zählung der Außenhandelskammer von über 6000 zu Beginn der Sanktionen 2014 auf unter 5000 gefallen.

Foto: DPA