Zukunft der Altersvorsorge Was Experten sagen und raten

Niedrigzinsen, Politik und Kritiker setzen die Lebensversicherer immer stärker unter Druck. Die Verzinsung der Policen fällt 2012 erneut, die Einnahmen brechen weg, die Riester-Rente hat ein Imageproblem. manager magazin hat neun Experten zur Zukunft der privaten Altersvorsorge befragt. Zentrale Zitate im Überblick.
1 / 9

"Es gibt ... keine zweite Chance in der Vorsorge. Der Faktor Zeit arbeitet gegen den Selbstzweifel, das Verdrängen, das Verschieben und das Verzögern."

"Die Lebensversicherer erzielen hohe und vor allem stetige Gewinne aus der Kalkulation der Lebenserwartung und der Kalkulation der Verwaltungskosten. Staatlich geförderte Altersvorsorge sollte für den Anbieter kein Gewinnoptimierungsinstrument sein."

Hermann Weinmann, Professor für Versicherungsbetriebslehre an der Fachhochschule Ludwigshafen

Foto: Amac Garbe
2 / 9

"Entgegen landläufiger Meinung ist es gerade in Niedrigzinszeiten besonders sinnvoll, eine Rentenversicherung abzuschließen."

"Wir dürfen den Menschen nicht suggerieren, dass ohne Konsumverzicht ein gewünschtes Rentenniveau darstellbar ist."

Norbert Heinen, Vorstandschef der Württembergische Lebensversicherung AG

3 / 9

"Das Zulagensystem ist schwer zu durchschauen – zumindest verstehe ich es bei meinem eigenen Riester-Vertrag immer noch nicht."

"Die Kapitalerhaltgarantie ist letztendlich Augenwischerei: Bei nur 3 Prozent Inflation sind 1000 Euro in 30 Jahren gerade noch 401 Euro wert – das Kapital wird eben nicht erhalten."

Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der Universität Mannheim

4 / 9

"Die demographische Entwicklung erfordert flexiblere Lösungen als bisher. Eine Kombination aus Rente und Arbeitslohn ist denkbar."

"Dass auch Versicherer in schwachen Zeiten an den Kapitalmärkten keine Wunder vollbringen können, muss jedem klar sein. Dennoch ist das sichere Ansparen – auch bei einem gegenwärtig niedrigeren Zinsniveau – der einzig richtige Weg."

Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender der Debeka Versicherungsgruppe

5 / 9

"Der Politbeamtenapparat hat mit der Riester-Rente versucht, ein Finanzmarktprodukt zu schaffen. Das konnte nur schief gehen, und es ist schief gegangen."

"Ich befürchte, dass wir ab 2030 die Hälfte unserer Rentner kaum noch satt bekommen. Über soziale Gerechtigkeit brauchen wir dann nicht mehr reden."

Manfred Poweleit ist Gründer und Chef des Assekuranz-Analysedienstes "Map-Report"

6 / 9

"Viele wissen einfach nicht mehr, wo und wie sie zukünftig ihr Geld anlegen sollen."

"Wir haben heute eine Vielzahl von Produkten ... Sie unterliegen alle unterschiedlichen Durchführungs- und Steuersystemen. Da blickt doch kein Anleger mehr durch. Ich plädiere für ein einheitliches Vorsorgekonto."

Karl Matthäus Schmidt, Vorsitzender des Berufsverband deutscher Honorarberater (BDVH) und Vorstandschef der Quirin Bank, einer Bank für Honorarberatung

7 / 9

"Altervorsorge wird in Deutschland überwiegend mit der altbekannten Lebens- oder Rentenversicherung gleichgesetzt. Anforderungen an eine strategische Altersvorsorgeplanung haben sich jedoch gewandelt."

"Die oberste Priorität bei der Einmalanlage sollte in aktuell schwankungsintensiven Zeiten und sicherlich zukünftig nicht minder volatilen Rahmenbedingungen die Liquidität des Kapitals sein."

Markus C. Zschaber ist unabhängiger Vermögensverwalter in Köln

8 / 9

"Solange die Versicherer weiterhin so stark auf intransparente Produkte setzen, ist nur eine starke Regulierung – etwa mit einer Positivliste - eine Lösung."

"Ob künftig noch mehr Rentner im Alter hinzuverdienen müssen, ist eher eine Frage der Sozialpolitik als eine Frage der Finanzmärkte. Nur wenn die Sozialpolitik versagt, ist zu befürchten, dass die kapitalgedeckte Altersvorsorge maßgeblich die existentielle Absicherung im Alter gewährleisten muss."

Axel Kleinlein, Versicherungsmathematiker und Vorstandsvorsitzender des Bund der Versicherten (BdV)

9 / 9

"Es war und ist offensichtlich, dass kapitalgedeckte Systeme der Daseinsvorsorge ein zentrales Problem der Kapitalmärkte verschärfen: Sie schichten Geld zeitweise aus dem gesellschaftlichen Konsum in den Investitionsfonds um, obwohl es schon bislang eher zu wenige sichere und ausreichend profitable Anlagemöglichkeiten gibt als zuviele. Das führt zu immer riskanteren Anlagestrategien und -produkten."

"Daseinsvorsorge ist öffentliche Aufgabe. ... Die Förderung privater Geldanlage ... aus öffentlichen Mitteln muss sofort eingestellt werden. Stattdessen ist ein öffentliches System notwendig, das umlagefinanziert ist und alle Einkommen vom ersten Cent bis zum letzten Euro erfasst."

Werner Rätz ist Mitgründer von "Attac" in Deutschland, Politologe und Vertreter der Idee des "bedingungslosen" Grundeinkommens