Machtwechsel Wie die Schwellenländer Europa das Wasser abgraben

Die harten Bedingungen der BRIC-Staaten für Hilfen zur Euro-Rettung sind der Start eines globalen Machtwechsels. Befeuert von der Euro-Krise und vorbereitet durch den eigenen wirtschaftlichen Aufstieg versuchen die Schwellenländer das alte Europa in die Ecke zu drängen.
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Voll Selbstvertrauen: Noch vor wenigen Jahren hätten lateinamerikanische Regierungen "gezittert, wenn auch nur ein Trainee des Internationalen Währungsfonds (IWF) seinen Besuch anmeldete", sagte der brasilianische Diplomat Roberto Abdenur vor wenigen Tagen. "Jetzt kommt die Chefin selbst und bittet um Hilfe."

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Immer stärkerer Widerstand: Christine Lagardes bittere Erfahrung auf ihrer Lateinamerika-Reise von Peru über Mexiko nach Brasilien ist nur ein Nebenstrang des globalen Macht- und Paradigmenwechsels, der sich seit dem G20-Treffen in Cannes Bahn bricht. Der Machtwechsel ist lange vorbereitet durch den Aufstieg der Schwellenländer und befeuert von der sich zuspitzenden Euro-Krise.

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Eiskalt auflaufen lassen: Noch hat sich der wachsende Einfluss der Schwellenländer nicht in Stimmrechten oder Chefposten der Weltbank-Institutionen niedergeschlagen, aber in den G20 nimmt ihr Gewicht zu. In Cannes haben sie alles durchgesetzt: Eine Deckelung der Agrarpreise ist vom Tisch, direkte Euro-Hilfen ebenso - überschuldete Industrieländer sind aufgefordert, ihre Bilanz selbst oder mit Hilfe des IWF in Ordnung zu bringen.

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Historischer Einschnitt: Die Machtverschiebung könnte den Beginn einer neuen Epoche der Globalisierung unter Führung der Schwellenländer markieren, ebenso folgenschwer wie der Zusammenbruch des Weltwährungssystems von Bretton Woods Anfang der 70er Jahre. Damals gingen die "Goldenen 30 Jahre" des Kapitalismus zu Ende, und die Hegemonie eines neuen Systems begann, das erst 1990 eher zufällig als Motto einer Konferenz seinen wohl griffigsten Namen bekam: des Washington-Konsens. Nun zeichnet sich ein weiterer Wechsel ab: der "Cannes-Konsens".

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Neuer Fokus: Der Cannes-Konsens richtet den Fokus wieder auf Wachstum. In den Augen der Schwellenländer soll die Realwirtschaft wieder die Führung übernehmen, denn in der Industrie und nicht in den Handelsräumen der Banken entstehen die neuen Arbeitsplätze. Künftig diktieren Staaten wie China oder Brasilien die Spielregeln der Globalisierung, deren teils autoritäre Regierungen sich daheim dadurch legitimieren, dass sie Jahr für Jahr Millionen Jobs schaffen.

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Es ist eure Krise: Aus Sicht der Schwellenländer geht bei der Krise in Europa - wo die Einzelstaaten anders als die USA großteils bei ihren eigenen Banken in der Kreide stehen - um ein internes Verteilungsproblem. Demensprechend erwarten sie, dass sich Europa zuerst selbst hilft und Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Nein zum Einsatz der Europäischen Zentralbank als Kreditgeber letzter Instanz aufgibt.

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Kritisierte Kanzlerin: Das Beharren auf einer unabhängigen Notenbank als Hüter stabiler Preise selbst in Zeiten des Abschwungs empfinden die meisten Schwellenländer als subversiv. Mantega machte klar: "Wir werden unsere Ressourcen nicht einsetzen, wenn sie ihre nicht nutzen" - mit "sie" meinte er die europäischen Politiker, insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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Wirtschaftlicher Egotrip: Länder wie Brasilien (im Bild: Sao Paulo) strotzen vor Selbstbewusstsein. Von China über Südkorea und Indien bis Argentinien und Peru, ein gutes Dutzend Länder schaffte in den vergangenen zwei Jahrzehnten den wirtschaftlichen Aufstieg.

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Personelle Änderung: Der nächste IWF-Chef soll aus den Reihen der Schwellenländer kommen. Lagarde konnte sich im Sommer nur knapp gegen den Kandidaten Mexikos, Zentralbankchef Augustín Carstens (im Bild), durchsetzen. Auf den traf sie Mitte vergangener Woche bei einer Podiumsdiskussion. Der erteilte ihr dort Nachilfe über die - aus seiner Sicht - richtigen Konzepte zur Krisenbekämpfung.

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