Angesteckt Wie die Euro-Krise sich ausbreitet

Der Anleihenmarkt gibt den Takt vor, die Euro-Retter in der Politik kommen immer einen Schritt zu spät. Von Griechenland über Irland und Portugal hat sich die Schuldenkrise über die ganze Euro-Zone ausgebreitet. Selbst Deutschland ist jetzt gefährdet - ein Überblick.
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Der Anleihenmarkt gibt den Takt vor, die Euro-Retter in der Politik kommen immer einen Schritt zu spät. Von Griechenland über Irland und Portugal hat sich die Schuldenkrise über die ganze Euro-Zone ausgebreitet. Selbst Deutschland ist jetzt gefährdet. Ein Überblick.

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Als Griechenland im April 2010 Hilfskredite beantragte, verlangten Anleger für griechische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit 7 Prozent Zinsen - heute sind es über 30 Prozent, für zweijährige Anleihen sogar 125 Prozent. An einem Zahlungsausfall führt kein Weg mehr vorbei, doch selbst das dürfte Griechenland kaum stabilisieren. Der Staat hängt auf Jahre am Tropf des Internationalen Währungsfonds und der Euro-Partner, denn der eingeschlagene Sparkurs verschärft die Wirtschaftskrise.

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Irland ist im November 2010 als erstes Land unter den Schutz des europäischen Rettungsschirms EFSF geflüchtet, die Regierung stürzte darüber. Nach Werten von bis zu 14 Prozent haben sich die Anleihenzinsen inzwischen auf 8 Prozent eingependelt. Der Schaden aus dem Platzen der Hauspreisblase und der anschließenden Bankenrettung dürfte inzwischen voll bilanziert sein. Aber um das daraus entstandene Riesenloch in der Staatskasse wieder mit neuen Einnahmen zu füllen und einen tragfähigen Haushalt herzustellen, müsste die Wirtschaft noch deutlich zulegen.

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Portugal hatte im europäischen Vergleich weder besonders hohe Privat- noch besonders hohe Staatsschulden. Doch die schwache Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft säte Zweifel auch an den portugiesischen Finanzen, und so griff die Krise auf das iberische Land über. Im Mai 2011 kam der Offenbarungseid mit dem Hilfsantrag an die Euro-Staaten, wie in Irland wurde die Regierung bei anschließenden Neuwahlen für den harten Sparkurs und die Aufgabe der finanziellen Souveränität abgestraft. Das Zinsniveau liegt inzwischen höher als das irische bei 13 Prozent.

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Zypern galt bis vor kurzem noch als einer der Gewinner der Krise. Die Staatsschuldenquote gehört zu den niedrigsten in Europa, die eng mit Griechenland verflochtenen Banken profitierten von der Kapitalflucht aus dem Mutterland. Doch seit Juli 2011 ist der Inselstaat selbst in der Krise - weil eine Explosion auf einer Marinebasis das benachbarte Kraftwerk lahmlegte. Die Wirtschaft ist ohne Strom, der Staat zehrt von seinen Reserven. Die Regierung wurde gefeuert, inzwischen gab es einen Hilfskredit von Russland. Die Anleihenrendite beträgt aber immer noch rund 10 Prozent.

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Italien ist der mit Abstand größte Brocken unter den Krisenkandidaten und hat mit gut zwei Billionen Euro mehr Staatsschulden als Deutschland. Sowohl Wirtschaft, Banken als auch Staatsfinanzen konnten einigermaßen stabil durch die Krise manövrieren, doch jetzt musste Langzeitpremier Silvio Berlusconi zugunsten einer Expertenregierung unter dem Ökonom Mario Monti abtreten, die das Land sanieren soll. Trotzdem verlangen Anleger auch für italienische Anleihen nun 7,3 Prozent Rendite.

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Spanien ist der klassische Kandidat für Ansteckungsgefahr, leidet das Land doch unter einer hausgemachten Immobilien- und Bankenkrise und einer lahmen Wirtschaft mit einer Arbeitslosenquote von inzwischen 21 Prozent - Europarekord! Die Ratingagenturen erkennen zwar die Sparerfolge der Regierung an, stufen die Kreditwürdigkeit des Landes wegen der wegbrechenden Einnahmen aber trotzdem herunter. Die im November neu gewählte konservative Regierung von Mariano Rajoy genießt eine absolute Mehrheit, wurde von den Märkten aber unfreundlich begrüßt. Die Anleihenrendite ist inzwischen auf 6,7 Prozent gestiegen. Würde Spanien Hilfskredite benötigen, wäre der europäische Rettungsfonds EFSF überfordert.

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Das Beispiel Belgiens zeigt, dass auch das so genannte Kerneuropa nicht von der Krise verschont wird. Neben der traditionell hohen Staatsverschuldung sorgt dafür vor allem der Konflikt zwischen Flamen und Wallonen, der am Sitz der wichtigsten EU-Institutionen tobt. Fast eineinhalb Jahre nach der Parlamentswahl kann immer noch keine Regierungskoalition gebildet werden, die noch amtierende Altregierung kann keine weit reichenden Beschlüsse fassen. So wird Belgien zum Sinnbild für die Zerrissenheit Europas. Die Zinsen sind auf 5,9 Prozent hochgeschnellt.

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Selbst Frankreich, eine der wenigen Nationen mit erstklassiger Kreditwürdigkeit weltweit, wird schon in einem Atemzug mit den Krisenländern genannt. Die Bonitätsnote AAA steht in Zweifel. Französische Staatsschuldverschreibungen gelten nicht mehr als sicherer Hafen - der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen ist auf 2 Prozentpunkte angewachsen. IWF-Chefin Christine Lagarde warnt, Frankreich könne sein Ziel verfehlen, das Haushaltsdefizit bis 2013 unter 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken. Sie muss es wissen: Vor kurzem war sie noch selbst Finanzministerin in Paris.

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Österreich galt lange als Hort der Stabilität, doch die Schuldenzinsen sind im Gleichlauf mit den französischen nach oben gesprungen. Heute verlangen Anleger von der Alpenrepublik für zehn Jahre 3,8 Prozent Rendite. Kanzler Werner Faymann, bald wohl der einzige verbliebene sozialdemokratische Regierungschef in der Euro-Zone, hat unter diesem Druck entschieden, nun doch eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild in die Verfassung zu schreiben.

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Finnland machte sich als Wortführer der Zahlerländer einen Namen, als es einseitig Garantien als Gegenleistungen für seine Hilfskredite an Griechenland aushandelte und so den ganzen Euro-Rettungsplan zu torpedieren drohte. Inzwischen stehen die Nordeuropäer aber selbst unter Beobachtung. Die Anleihenrendite ist im November von 2,2 auf 3 Prozent gesprungen.

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Auch die Niederlande genießen zwar ein solides AAA-Rating für ihre Kreditwürdigkeit, werden von Investoren aber zunehmend skeptischer beurteilt. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen des Königreichs ist auf 2,7 Prozent gestiegen, ein spürbarer Risikoaufschlag. Wer soll da noch als Garant für den Euro auftreten?

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Deutschland hätte die Antwort bis Ende November gelautet, inzwischen aber nicht mehr unbedingt. Nach einer großen gescheiterten Auktion ist auch die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen wieder über die Marke von 2 Prozent gestiegen. Lieblinge der Anleger sind jetzt andere: neben der Schweiz und skandinavischen Ländern vor allem Japan, Großbritannien und die USA. Trotz teils schlechteren Ratings, deutlich höherer Schulden und Defizite genießen diese Länder großes Vertrauen in ihre Fähigkeit, die Schulden zurückzuzahlen. Denn sie haben keinen Euro und damit eine Zentralbank, die im Zweifel mit der Macht der Geldschöpfung für ihre Staatsanleihen einsteht.

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