Wutbürger Unternehmer für Stuttgart 21

Seit 15 Jahren wird um das Milliardenprojekt eines neuen Tunnelbahnhofs mit Anschluss für die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm gestritten. An diesem Sonntag entscheiden die Baden-Württemberger in der ersten Volksabstimmung seit 40 Jahren. Führende Unternehmer aus der Region werben einhellig für den Bau.
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Seit 15 Jahren wird um das Milliardenprojekt eines neuen Tunnelbahnhofs mit Anschluss für die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm gestritten. An diesem Sonntag entscheiden die Baden-Württemberger in der ersten Volksabstimmung seit 40 Jahren. Führende Unternehmer aus der Region werben einhellig für den Bau nach dem Entwurf des Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven.

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Für den langjährigen DIHK-Präsidenten Hans Peter Stihl wäre es ein "unverzeihlicher Schildbürgerstreich", würde Stuttgart 21 nicht gebaut. Auch im Familienunternehmen, dem im Stuttgarter Vorort Waiblingen angesiedelten Motorsägenhersteller Stihl, bezieht er Position, damit "die Beschäftigten nicht von Lügen der grün-roten Regierung beeinflusst" werden.

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"Baulärm war der Soundtrack des Aufschwungs", erinnert Daimler-Chef Dieter Zetsche an seine Kindheit in der Nachkriegszeit. In der Abstimmung gehe es um mehr als einen Bahnhof: "die Verlässlichkeit demokratischer Entscheidungen, die Rechtssicherheit für Investitionen, die Handlungsfähigkeit Deutschlands als größter Volkswirtschaft in Europa". Auch die 100.000 Daimler-Beschäftigten im Land trügen "Verantwortung für die Industrie und ihre Standortsicherheit".

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Der im Mai aus dem Amt als BASF-Chef geschiedene Jürgen Hambrecht hat die von der IHK Stuttgart getragene Initiative "Unternehmen für Stuttgart 21" angestoßen. Der gebürtige Schwabe findet den Streit um das Projekt "beschämend" angesichts der schwachen Investitionen in die deutsche Infrastruktur: "Wir verzehren unsere Substanz." Ein Scheitern von Stuttgart 21 "hätte verheerende Folgen für Deutschland", warnt Hambrecht.

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Auch der in Stuttgart ansässige weltgrößte Autozulieferer Bosch schließt sich den Tiefbahnfreunden an. "Wenn wir in unseren Unternehmen mit Großprojekten so lange warten würden, dann wären wir pleite", bemängelt Geschäftsführer Wolfgang Malchow.

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Der Küchengerätehersteller WMF hofft auf einen schnelleren Anschluss seines Standorts Geislingen nahe Ulm an die Landeshauptstadt. "Ohne das vor über 150 Jahren hoch umstrittene Großprojekt" einer Bahn über die Schwäbische Alb mit der steilen Auffahrt Geislinger Steige, vermutet WMF-Chef Thorsten Klapproth, "gäbe es WMF gar nicht".

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Noch verkehrsungünstiger sittzt der Industriekonzern ZF in Friedrichshafen am Bodensee. Das sei "derzeit auf dem Landweg nicht gut zu erreichen", beklagt ZF-Chef Hans-Georg Härter. Die schnelle Bahn von Stuttgart nach Ulm, kombiniert mit einer dann erhofften Elektrifizierung der Südbahn zum Bodensee, soll das Problem lindern. "Für die ansässigen Großunternehmen ist eine leistungsfähige Infrastruktur geradezu eine Daseinsbedingung."

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Unterstützung bekommen die schwäbischen Manager aus Berlin. Bahn-Chef Rüdiger Grube, der zuvor im Stuttgarter Daimler-Vorstand saß, meldet für den Fall eines Ausstiegs des Landes aus der Projektfinanzierung Schadenersatzansprüche allein der Deutschen Bahn von 1,5 Milliarden Euro an. "G21 ist die Alternative, nämlich G wie gar nichts", erklärt Grube.

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Zur Sorge haben die Manager allerdings kaum Anlass, denn die am Sonntag anstehende Volksabstimmung dürfte den Weg für Stuttgart 21 freimachen. Laut jüngsten Umfragen haben die Projektunterstützer, die mit "Nein" gegen das bereits im Landtag durchgefallene Ausstiegsgesetz stimmen wollen, eine knappe Mehrheit in Baden-Württemberg. Eine Mehrheit für "Ja" würde nur dann gelten, wenn mindestens ein Drittel der Wahlberechtigten entsprechend votiert. Die benötigten 2,5 Millionen Stimmen sind eine hohe Hürde.

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Dennoch sammeln sich die Projektgegner weiter und haben bisher 100 wöchentliche Demonstrationen organisiert. Sie verweisen auf erwartete Mehrkosten über die von Bund und Land als Obergrenze für Zuschüsse festgelegten 4,5 Milliarden Euro hinaus. Für die Abstimmung am Sonntag hoffen sie aber auf ein "Wunder", zusammen mit dem Ministerpräsidenten ...

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Winfried Kretschmann (l.) haben die Proteste gegen Stuttgart 21 zum ersten grünen Chef einer deutschen Landesregierung gemacht. Der von Wirtschaftsminister Nils Schmid geführte Koalitionspartner SPD allerdings werben für den Bau. Kretschmann hat zugesichert, auf mögliche Klagen zu verzichten. Sollten in der Volksabstimmung nicht genügend Ja-Stimmen zusammenkommen, will der Ministerpräsident die Niederlage akzeptieren. "Wir müssen das Baurecht der Bahn dann durchsetzten, mit angemessenen Mitteln", sagte er der "Zeit".

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