Amerikanische Selbsttäuschung US-Prominenz macht Europa zur US-Krisenursache

Die Schuldenkrise in Europa wird in Amerika zum Fixpunkt für Ablenkungsmanöver von der eigenen Krise. Längst wird ausgeblendet, dass Europas Schlamassel auch eine Folge der in den USA ausgebrochenen Finanzkrise ist. Ein Überblick über die beißenden Probleme der US-Wirtschaft - und die Vorhaltungen gegenüber Europa.
1 / 7

In der Klemme: Kaum ein Tag vergeht zwischen New York und Los Angeles ohne einen neuen Schocker aus Europa. Die Schuldenkrise im Euro-Land macht mehr und mehr Amerikanern Angst - sie fürchten um den eigenen Wohlstand. Kein Wunder also, dass selbst US-Präsident Barack Obama (im Bild) immer unruhiger wird. "Die Lösung der europäischen Schuldenkrise" bezeichnete der US-Präsident als "den wichtigsten Aspekt", als er vergangene Woche nach Cannes zum G20-Gipfel aufbrach. Nicht zuletzt aus Sorge um seine eigene Wiederwahl. Zuletzt hatte die die Fed ihre Wachstumsprognosen für die USA gesenkt mit dem Hinweis, man könne "sich nicht von Europa abkoppeln".

Foto: JOSHUA ROBERTS/ REUTERS
2 / 7

Beiseite geschoben: Die Krise in Europa, die auch eine Folge der in den USA ausgebrochenen Finanzkrise von 2008 ist, wird in den USA immer mehr zum Fixpunkt, auf den sich aktuelle Analysen beziehen. Für die politische Elite stellt das Drama auf der anderen Seite des Atlantiks einen willkommenen Anlass dar, um vom eigenen Schuldendesaster abzulenken. Die Verschuldung in den USA ist deutlich höher als in den meisten Euro-Ländern.

Foto: AP
3 / 7

Haushaltsprobleme: Bis ins ferne Kanada reichen die düsteren Prognosen. Der Finanzminister im Ahornland, Jim Flaherty, musste gestern zugeben, dass Ottawas Bundeshaushalt nicht wie geplant bis 2015 wieder ausgeglichen werden kann, sondern erst ein Jahr später. Die vorgeschobene Begründung: Die europäische Schuldenkrise.

Foto: ANDY CLARK/ REUTERS
4 / 7

Genervte US-Ökonomen: Der Euro könne "jederzeit" einbrechen, heißt es. Nach Meinung des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz von der Columbia-Universität (Foto) "ist die Sparpolitik in Europa und Amerika ein Selbstmordpakt".

Foto: MIKE SEGAR/ REUTERS
5 / 7

Globale Verstrickung: Immer deutlicher wird, wie stark die Übertragungsmechanismen sind, mit denen die Schuldenkrise in Europa in die USA hinüber schwappt. Die Mitgliedsländer sind Amerikas größter Handelspartner, nach Kanada. Die US-Wirtschaft exportierte 2010 Güter im Wert von 240 Milliarden Dollar in die EU. Das war fast ein Fünftel aller US-Ausfuhren. Die 17 Länder der Euro-Zone kommen für drei Viertel dieser Lieferungen auf.

Foto: MIKE SEGAR/ REUTERS
6 / 7

Würde der Euro als Folge der Schuldenkrise einbrechen, hätten die US-Firmen mit eisigem Gegenwind zu kämpfen - und in der Folge auch der US-Staatshaushalt, der selbst immer wieder gerettet werden muss. Insbesondere die Auswirkungen auf die Finanzmärkte bereiten Sorgen.

Foto: MIKE BLAKE/ REUTERS
7 / 7

Bibbern um die Banken: Nicht wenige Beobachter in den USA sehen ein mögliches Einfrieren der Geldmärkte dann auch als die größte Gefahr, die von Europa auf die USA ausgehen kann. "Wenn der Kreditfluss wie 2008 einfriert, würde das reichen, um die USA in eine Rezession zu stoßen", sagt der Chefökonom bei IHS Global Insight, Nigel Gault. Vor dieser Gefahr warnte am Dienstag erst Kanadas Notenbankchef Mark Carney.

Foto: AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.