Chronik der Euro-Krise Das Ende der Alleingänge

Ganz oder gar nicht: Weil die Währungsunion vor dem Scheitern steht, bastelt ein kleiner Kreis von Insidern an den Vereinigten Staaten von Euro-Land. Kann das gut gehen? Eine Chronik.
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Ganz oder gar nicht: Weil die Währungsunion vor dem Scheitern steht, bastelt ein kleiner Kreis von Insidern an den Vereinigten Staaten von Euro-Land. Kann das gut gehen? Eine Chronik.

Foto: Matt Murphy
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Phase 1: Beschwichtigen
Als Anfang 2009 Zweifel an der Solvenz einzelner Staaten auftauchen, beruhigt Finanzminister Steinbrück die Märkte: Man werde kein Land pleitegehen lassen.

Phase 2: Verdrängen
Die neue griechische Regierung teilt im Oktober 2009 mit, das Budgetdefizit betrage statt 6 Prozent nun 12,7 Prozent. Der Wert wird später noch nach oben korrigiert. Die Unsicherheit erfasst weitere Staaten, doch Hilfen sind tabu. Anfang 2010 spitzt sich die Lage in Griechenland und anderswo zu. Kanzlerin Merkel zögert, in NRW ist Wahlkampf.

Phase 3: Reagieren
Nun also doch: Anfang Mai beschließen EU und IWF ein 110-Milliarden-Euro-Paket für Griechenland. Kurz darauf gründen die Euro-Staaten den Rettungsfonds EFSF, von dem später Irland und Portugal Geld bekommen. Die EZB kauft für rund 80 Milliarden Staatsanleihen. Die Märkte sind nicht nachhaltig beeindruckt, die Risikoaufschläge steigen weiter.

Phase 4: Reformieren
Statt den Flächenbrand einzudämmen, setzt die EU auf langfristige Strukturreformen. Im März 2011 wird ein neues Regelwerk verabschiedet: Verschärfter Stabilitätspakt, "Euro-Plus-Pakt" für Wettbewerbsfähigkeit, ein neues Überwachungsverfahren ("Europäisches Semester"), ein Mechanismus gegen Ungleichgewichte - damit will man künftige Krisen verhindern. Der EFSF wird aufgestockt. Das Problem: Schärferen Regeln steht auch künftig die Souveränität der Staaten im Weg.

Phase 5: Eskalation
Seit Sommer 2011 sind die Märkte hypernervös. Im Juli weiten die Euro-Staaten die Kompetenzen des EFSF aus und legen ein zweites Griechenland-Paket auf, auch private Banken sollen sich beteiligen. Ab August kauft die EZB italienische und spanische Anleihen auf. Mitte September bietet sich China als Nothelfer an.

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Mai 2010: Die Regierungen sind endlich einig, einen Krisenfonds zu schaffen. Merkel und Sarkozy bedrängen EZB-Chef Trichet: Die Euro-Bank soll Anleihen aufkaufen - ein Tabubruch.

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16. September 2010, EU-Gipfel: Die Krise hat Ruh' - Außenpolitik steht auf der Agenda

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18. Oktober 2010, Deauville: Sarkozy und Merkel preschen bei den neuen Budgetregeln vor

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12. November 2010, G-20-Gipfel: Die Lage scheint unter Kontrolle. In Seoul geht es um den Welthandel.

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4. Februar 2011, EU-Gipfel: Europa berät über Struktur-Reformen. Entschieden wird nichts.

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11. März 2011, EU-Gipfel: Einigung auf ein großes Reformpaket

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23. Juni 2011, EU-Gipfel: Die griechische Krise bestimmt die Agenda. Kür Draghis zum EZB-Chef.

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21. Juli 2011, Euro-Sondergipfel: Griechische Schulden werden gestreckt. Die Krise verschärft sich.

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16. August 2011, Krisentreffen in Paris: Sarkozy und Merkel kündigen eine "Wirtschaftsregierung" an. Das ist bestenfalls ein PR-Gag.

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27. Oktober 2011, Sondergipfel in Brüssel: Die EU-Staatschefs einigten sich mit den Banken auf einen Schuldenerlass in Höhe von 50 Prozent für Griechenland. Zudem soll das hoch verschuldete Land ein neues Rettungspaket in Höhe von 100 Milliarden Euro bekommen. Die Regierungschefs beschlossen zudem eine Hebelung des Euro-Rettungsfonds EFSF um dessen Schlagkraft zu erhöhen.

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2. November 2011, Krisengespräche in Cannes vor dem G20-Gipfel: Griechenlands Regierungschef Papandreou will das griechische Volk über das jüngste Euro-Hilfspaket und die damit verbundenen Sparmaßnahmen abstimmen lassen. Als Reaktion auf die geplante Volksabstimmung frieren die Euro-Partner die nächste Kredittranche ein und bestellen Papandreou nach Cannes ein. Einen Tag später lässt Papandreou, der innenpolitisch extrem unter Druck steht, den Plan eines Referendums wieder fallen.

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