Zähe Euro-Lösung Was die Schwellenländer zur Weißglut treibt

Die Schwellenländer blicken mit Entsetzen auf die europäischen Versuche, der Schuldenkrise Herr zu werden. Denn die beginnt mehr und mehr ihr eigenes wirtschaftliches Vorankommen zu bremsen. Die Vorwürfe, das Entsetzen - und das langsame Europa im Überblick.
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Gewandeltes Bild: Politiker der sogenannten Bric-Staaten Brasilien, Russland, und anderer aufstrebender Wirtschaftsnationen wie Argentinien kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vor einigen Monaten schwang noch Schadenfreude mit, wenn sie ausgerechnet jenen Ländern Nachhilfe in Sachen Schuldenkrise geben konnten, die ihnen jahrzehntelang freie Marktwirtschaft und solides Haushalten einbläuten.

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Klare Finanzmeinung: Jetzt herrscht nur noch blankes Entsetzen über die Schuldenmisere in den USA, aber vor allem über die hilflosen Rettungsversuche Europas. An der Börse in Buenos Aires, sturmerprobt durch eigene Staatsschuldenkrisen, ist die Meinung klar: Griechenland ist nicht zu retten ohne Schuldenschnitt. Doch warum zögern und zögern die Euro-Staaten die bittere Medizin immer weiter hinaus, die sie selbst dann mit herben eigenen Sparprogrammen schlucken müssen - um die eigenen Banken vor dem dann womöglich kommenden Griechen-Tsunami zu schützen?

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Genervte Vorwürfe: "Die Europäer präsentieren Lösungen immer zu spät", sagt Brasiliens Finanzminister Guido Mantega (im Bild). "Und wenn sie sie endlich präsentieren, dann verspäten sie sich mit der Umsetzung."

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Entscheidendes Europa-Doppel: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (Mitte) und Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (rechts; hier im Gespräch mit Griechenlands Premier George Papandreou) wollen bei einem Treffen am morgigen Samstagabend in Brüssel vor dem Europäischen Rat und dem Euro-Gipfel am Sonntag einen neuen Anlauf zur Lösung des Konflikts nehmen.

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Ungläubiges Staunen: "Mir gelingt es einfach nicht, zu verstehen, was in Europa gerade vor sich geht", sagt Guillermo Nielsen nun. "Europas Politik verliert immer noch mehr Zeit." Nielsen war bis Ende vergangenen Jahres argentinischer Botschafter in Deutschland, und er hat als Finanzstaatssekretär nach der Staatspleite von 2001 den Schuldenschnitt Argentiniens ausgehandelt.

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Sinkendes Wachstum: In den Schwellenländern macht sich mittlerweile Angst breit, da das Hin und Her in Europa inzwischen aufgrund fallender Rohstoffpreise auch dort die Wachstumsprognosen drückt; so rechnet Brasilien in diesem Jahr nur noch mit gut 3,5 Prozent, statt wie im Frühjahr noch mit 4,5 Prozent.

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Sinkendes Vertrauen: Parallel zu diesen eindeutigen Marktsignalen verbreiten sich allerdings rund um den Globus auch die negativen Meldungen über den Streit zwischen Berlin und Paris über die genaue Struktur des Rettungsfonds oder über die jüngste Initiative der EU-Kommission, den Ratingagenturen die Bewertung europäischer Staaten zu verbieten, die am Tropf von EU oder Internationalem Währungsfonds hängen.

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Unscharfes Bild: Was Beobachter weltweit am meisten zu schaffen macht, sind die für sie höchst widersprüchlichen Signale, die sie aus Europa erhalten, kombiniert mit dem Marsch in die ausufernde Verschuldung der Vereinigten Staaten. Das beunruhigt nicht minder. "Wann wurde aus dem amerikanischen Traum ein Albtraum?", fragte Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner (im Bild) vor wenigen Tagen süffisant.

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Bittere Selbsterkenntnis: Weite Teile Europas, vor allem die Deutschen, schütteln den Kopf über die mutmaßliche Halsstarrigkeit der Griechen, die einfach nicht einsehen wollen, dass seit ihrer Erfindung der Demokratie und des Namens Europa mehr als 2000 Jahre vergangen sind; jeder Kredit sei irgendwann aufgebraucht. Die Schwellenländer mokieren sich aber noch viel mehr darüber, dass Europa und die USA einfach nicht einsehen wollen, dass sie selbst im Augenblick das Problem sind.

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