Fotostrecke Diese Branchen haben Abschreibungsbedarf

Die Berater von Houlihan Lokey haben ihren diesjährige ¿Wetterausblick¿ über den Abschreibungsbedarf der Eurostoxx-Konzerne vorgelegt. Für die meisten Branchen sind die Aussichten ¿sonnig¿ bis ¿wolkig¿. Für mehrere Finanz- und Energiekonzerne dürfte es indes ¿stürmisch¿ werden. Ein Überblick.
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Luftfahrt, Rüstung, staatliche Dienste

Branche: Die Studie von Houlihan Lokey fast Rüstung, Luftfahrt und staatliche Dienste zusammen. Auf dem Zettel hatten die Analysten dabei auch die deutschen Firmen MTU und EADS. Eine bedeutende Akquisitionen der Branche war unter anderem die Übernahme des US-Militärausrüsters Armor Holdings durch den britischen Rüstungskonzern BAE Systems. Insgesamt kommen die betrachteten Unternehmen von 2006 bis 2010 auf Übernahmen im Wert von 18 Milliarden Euro.

Abschreibungsrisiko: Bis Ende 2010 hatten 8 Prozent der analysierten Unternehmen Eigenkapitalwerte in den Büchern, die zusammengerechnet grob (90 bis 110 Prozent) der Marktkapitalisierung dieser Unternehmen entsprachen. Der Impairment Risk Factor (IRF), also das Abwertungsrisiko, liegt nach Einschätzung von Houlihan Lokey bei 1,7. Nur eines der untersuchten Unternehmen muss demnach ernsthaft eine Abwertung fürchten.

Foto: EADS/ AFP
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Automobil

Branche: Hier fasst die Studie Unternehmen zusammen, die sich in Europa auf die Automobilproduktion spezialisiert haben. Deutsche Unternehmen sind dabei BMW, Continental, Daimler, Porsche und Volkswagen. Die Analysten schätzen die Übernahmen in der Branche von 2006 bis 2010 auf einen Wert von 35 Milliarden Euro - dazu gehörten unter anderem die Zukäufe von Scania-Anteilen durch Volkswagen und der letztlich gescheiterte Übernahmeversuch von Volkswagen durch Porsche.

Abschreibungsrisiko: Den Impairment Risk Factor (IRF) in der Automobilindustrie berechnen die Analysten mit 1,5. Wobei 20 Prozent der Unternehmen eine Börsenkapitalisierung in etwa der Höhe des Buchwerts ihres Eigenkapitals besitzen. Nur ein Unternehmen liegt darunter. Das Urteil: auf einer Skala von "sonnig", über "bewölkt" und "regnerisch" bis hin zu "stürmisch" liegt die Branche bei "bewölkt".

Foto: ddp
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Chemie

Branche: Hierunter werden von Houlihan Lokey auch die BASF, Brenntag, K+S, Lanxess, Symrise und Wacker Chemie gezählt. Die Übernahmen in der Branche summierten sich im betrachteten Zeitraum auf 33 Milliarden Euro, wobei allein 27 Milliarden zwischen 2006 und 2008 investiert wurden. Eine bedeutende Übernahme war beispielsweise der Kauf von Ciba durch die BASF und der Kauf des US-Salzherstellers Morton durch K+S in 2009. Ende 2010 hatten die Unternehmen einen Goodwill von 18.9 Milliarden Euro in den Büchern.

Abschreibungsrisiko: Bis Ende 2010 hatten 8 Prozent der analysierten Unternehmen Eigenkapitalwerte in den Büchern, die zusammengerechnet grob (90 bis 110 Prozent) der Marktkapitalisierung dieser Unternehmen entsprachen. Der Impairment Risk Factor (IRF), also das Abwertungsrisiko, liegt nach Einschätzung der Houlihan-Lokey-Berater bei 1,7. Nur eines der untersuchten Unternehmen muss demnach ernsthaft eine Abwertung fürchten.

Foto: Corbis
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Metall

Branche: Die Metallbranche hat zwischen 2006 und 2010 rund 115 Milliarden Euro in Zukäufe investiert, 105 Milliarden davon allein in den Vorkrisenjahren von 2006 bis 2008. Unter den deutschen Unternehmen, die von den Analysten untersucht wurden, finden sich Kloeckner, Salzgitter, Aurubis und ThyssenKrupp.

Abschreibungsrisiko: Ende 2010 verbuchten die Metallkonzerne den Goodwill in ihren Bilanzen mit 38 Milliarden Euro. 16 Prozent der Unternehmen hatten zu diesem Zeitpunkt eine Marktkapitalisierung, der ungefähr der Höhe ihres verbuchten Eigenkapitals entsprach. Die Vorhersage der Analysten von Houlihan Lokey: "bewölkt".

Foto: DPA
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Konsumgüter, Handel, Lebensmittel

Branche: Unter den analysierten Unternehmen sind auch die deutschen Vertreter Adidas, Beiersdorf, Henkel, Metro, Puma und Suedzucker. Die Akquisitionssumme der Branche von 2006 bis 2010 lag bei 208 Milliarden Euro. Eine der bedeutendsten Übernahmen war 2008 die Übernahme des US-Chemieunternehmens National Starch durch Henkel. Insgesamt verbuchte die Branche Ende 2010 einen Goodwill von 266 Milliarden Euro.

Abschreibungsrisiko: Die Branche gilt aus Sicht der Analysten indes als wenig abschreibungsgefährdet, der Ausblick also als "sonnig".

Foto: Waltraud Grubitzsch/ dpa
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Energie

Branche: In der Branche, die vom Ölkonzern bis zum Energiedienstleister verschiedenste Unternehmen subsumiert, wurden von deutscher Seite Eon und RWE untersucht. Wobei zu den größten Akquisitionen unter anderem im Jahre 2009 der Kauf von Essent durch RWE gehörten. Insgesamt investierten die im EuroStoxx500 notierten Energiekonzerne von 2006 bis 2010 308 Milliarden Euro für Zukäufe und Überahmen.

Abschreibungsrisiko: Im Jahr 2010 schrieben die Energiekonzerne insgesamt 14,5 Milliarden Euro auf ihr Eigenkapital ab, darunter 2,5 Milliarden Euro für Goodwill. Zu diesem Zeitpunkt waren 19 Prozent der untersuchten Unternehmen an der Börse entsprechend ihres Eigenkapital bewertet - darunter Eon. Ein Unternehmen brachte es indes auf eine Marktkapitalisierung von weniger als 50 Prozent des verbuchten Eigenkapitals. Insgesamt gaben die Analysten der Branche das Urteil "bewölkt". Für fünf der untersuchten EuroStoxx-Vertreter dürften die Zeiten sogar "stürmisch" werden, da sie Ende 2010 nicht nur weniger Marktkapitalisierung als Buchwert des Eigenkapitals aufwiesen, sondern weil sie zuvor auch mindestens ein Viertel ihrer Marktkapitalisierung durch Zukäufe ausgegeben hatten.

Foto: Z1022 Patrick Pleul/ dpa
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Bau

Branche: Die Branche fasst Unternehmen zusammen, die vom Bau bis zum Betrieb von Gebäuden tätig sind. Aus Deutschland fallen Bilfinger Berger, HeidelbergCement, Hochtief und Imtech darunter. Der Wert für Übernahmen und Zukäufe lag im betrachteten Zeitraum bei 105 Milliarden Euro, darunter die Übernahme von Hanson durch HeidelbergCement in 2007. Ende 2010 hatten die EuroStoxx500-Konzerne Goodwill in Höhe von 82 Milliarden Euro in den Büchern.

Abschreibungsrisiko: Mit einem Impairment Risk Factor von 1,8 ist die Aussicht bezüglich eines möglichen Abschreibungsbedarfs nach Einschätzung der Experten "bewölkt". Der Quotient aus verbuchtem Eigenkapital und Marktkapitalisierung lag bei HeidelbergCement Ende 2010 beispielsweise bei 0,78. Drei Unternehmen der Branche ordnen die Analysten in die Kategorie "stürmisch" ein - darunter HeidelbergCement.

Foto: dapd
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Banken

Branche: Neben der Energiebranche, gelten die Banken als gefährdetste Branche, wenn es um eine erforderliche Abschreibung auf den Goodwill geht. In der Houlihan-Lokey-Studie werden unter anderem die Deutsche Bank und die Commerzbank untersucht. Die im EuroStoxx gelisteten Banken waren zwischen 2006 und 2010 für Zukäufe von insgesamt 330 Milliarden Euro verantwortlich. 289 Milliarden gaben sie allein von 2006 bis zum Ausbruch der Wirtschaftskrise 2008 aus. Bedeutende Transaktionen waren unter anderem die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank und die Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank.

Abschreibungsrisiko: Ende 2010 waren 70 Prozent der untersuchten Banken an der Börse nicht oder kaum höher bewertet als der Wert ihres verbuchten Eigenkapitals. Wobei ein Fünftel der Institute einen Marktwert von nicht einmal 50 Prozent des verbuchten Eigenkapitals aufwiesen. Die Commerzbank kam Ende 2010 auf gerade 24 Prozent. Für 40 Prozent der untersuchten Banken galten schon damals die Einschätzung "stürmisch". Die Deutsche Bank schaffte es auf einen Quotienten von 0,75.

Foto: dapd
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Versicherungen

Branche: Drei Versicherer aus Deutschland wurden von den Analysten untersucht: die Hannover Rückversicherung, die Munich Re und die Allianz. Die Übernahmen in der gesamten Branche, darunter der Kauf von The Midland Company durch die Munich Re im Jahre 2008, summierten sich von 2006 bis 2010 auf 102 Milliarden Euro.

Abschreibungsrisiko: Ende 2010 waren immerhin 61 Prozent aller im Eurostoxx gelisteteen Versicherungen gerade so hoch an der Börse bewertet wie das in der Bilanz verbuchte Eigenkapital - unter ihnen die Allianz (92 Prozent) und die Munich Re (91 Prozent). Ein gutes Viertel der Versicherungen werden von den Analysten indes in die Kategorie "stürmisch" eingeordnet.

Foto: Tobias Hase/ picture alliance / dpa
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Pharma und Gesundheit

Branche: Die Healthcare-Branche wurde in der Studie durch die deutschen Konzerne Bayer, Celesio, Fresenius und Fresenius Medical Care, Merck & Co., Stada und die Rhoen Klinikum AG repräsentiert. Im beobachtungszeitraum brachten es die Konzerne auf Akquisitionen im Wert von 188 Milliarden Euro, darunter der Kauf Scherings durch Bayer im Jahr 2006.

Abschreibungsrisiko: Auffällig ist, dass die Abschreibungen auf Goodwill im Jahr 2010 signifikant niedriger lagen als in den Vorjahren. Dennoch waren Ende 2010 nur bei einem der untersuchten Unternehmen Marktkapitalisierung und Buchwert des Eigenkapitals in etwas gleich hoch bewertet. Das Urteil der Analysten: "Sonnige" Aussichten für die Healthcare-Branche.

Foto: Corbis
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Medien, Sport und Unterhaltung

Branche: Deutsche Unternehmen, die untersucht wurden, waren Kabel Deutschland, Prosiebensat.1 Media und Axel Springer. Die gesamten Akquisitionsinvestitionen beliefen sich zwischen 2006 und 2010 auf 59 Milliarden Euro. Ende 2010 hatten die Unternehmen 81 Milliarden Euro an Godwill in den Büchern stehen, von dem 36 Milliarden im Betrachtungszeitraum angesammelt worden waren. Darunter Deals wie die Übernahme von Reuters durch Thomson im Jahr 2008.

Abschreibungsrisiko: Der Impairment Risk Factor (IRF) von 1,5 für Dezember 2010 ergab für die Analysten einen „bewölkten“ Ausblick für die Branche. Nur für ein Unternehmen war demnach die Aussicht „stürmisch“.

Foto: Guido Bergmann/ picture alliance / dpa
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Immobilien, Hotel und Tourismus

Branche: Die Branche brachte es im Betrachtungszeitraum auf insgesamt 35 Milliarden Euro, wobei Tui Travel war als einziges deutsches Unternehmen zu den untersuchten Unternehmen zählte.

Abschreibungsrisiko: Ende 2010 hatten sechs von zehn der untersuchten Unternehmen einen Börsenwert ungefähr in Höhe des Buchwerts des Eigenkapitals. Ein IRF von 2,3 – der dritthöchste unter allen untersuchten Branchen – steht zwar noch für „wolkige“ Aussichten im Hinblick auf möglicherweise notwendige Wertberichtigungen. Doch für 22 Prozent der Unternehmen lautet das Urteil der Analysten „stürmisch.“

Foto: ? Christian Charisius / Reuters/ REUTERS
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Technologie und IT

Branche: In diese Kategorie entfallen auch die drei deutschen Unternehmen Aixtron, Infineon, SAP, Software AG, United Internet und Wincor Nixdorf. Die Zukäufe summierten sich zwischen 2006 und 2010 auf 58 Milliarden Euro, wobei alleine 44 Milliarden auf die Vorkrisenjahre von 2006 bis 2008 stattfanden. Der gesamte Goodwill der Branche betrug Ende 2010 32 Milliarden Dollar, wobei 30 Milliarden davon allein auf Zukäufe zwischen 2006 und 2010 zurückzuführen waren – unter anderem der Kauf von Lucent durch Alcatel und die Akquisitionen von Business Objects in 2008 und Sybase und in 2010 durch SAP.

Abschreibungsrisiko: Im Jahr 2010 hat laut Studie keines der im EuroStoxx gelisteten Unternehmen Abschreibungen auf Goodwill vorgenommen. Während die Technologieunternehmen in den Jahren zuvor im Schnitt 23 Prozent des durch Zukäufe erhöhten Goodwills abgeschrieben hatten. Trotzdem kommen die Analysten von Houlihan Lokey aufgrund eines IRF von 1,4 für die Branche zum Ergebnis: „sonnige“ Aussichten.

Foto: DPA
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Telekommunikation

Branche: Die Telekommunikationsbranche brachte es von 2006 bis 2010 auf Übernahmen in Höhe von knapp 139 Milliarden Euro. Darunter auch die Übernahme der Hellenic Telecommunications Organization durch die Deutsche Telekom, des einzigen deutschen untersuchten Vertreters dieser Branche. Darunter auch der Kauf von O2 durch Telefonica im Jahre 2006.

Abschreibungsrisiko: Das sich im IRF widerspiegelnde Abschreibungsrisiko von 1,3 lässt die Aussichten für die Branche als „sonnig“ erscheinen. Und das, obwohl sich Ende 2010 225 Milliarden Euro an Goodwill in den Büchern der Konzerne angesammelt hatten, wobei 80 Milliarden davon durch Zukäufe in den Jahren 2006 bis 2010 angesammelt worden waren. Und obwohl die Abschreibungen für Goodwill im Jahr 2010 signifikant unter jenen der Jahre 2006 bis 2009 lagen.

Foto: Oliver Berg/ dpa
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Transport und Logistik

Branche: In dieser Branche, in der die im EuroStoxx500 gelisteten Unternehmen des Transportsektors untersucht worden sind, zählten die Deutsche Lufthansa, die Deutsche Post und die Fraport AG zu den untersuchten. Der Wert der Akquisitionen summierte sich von 2006 bis 2010 auf 19 Milliarden Euro.

Abschreibungsrisiko: Ende 2010 hatten die Konzerne Goodwill im Buchwert von 25 Milliarden Euro in den Bilanzen, 9,2 Milliarden davon waren im Untersuchungszeitraum akquiriert worden. Dabei haben die Unternehmen 2010 insgesamt 46 Prozent weniger Goodwill-Abschreibungen vorgenommen als noch im Jahr 2009. Trotzdem bringt es der Sektor auf einen IRF von 1,4, was die Aussichten “sonnig” erscheinen last. Kein Unternehmen rechnen die Analysten im Hinblick auf einen möglichen Abschreibungsbedarf der Kategorie „stürmisch“ zu.

Foto: Marcus Brandt/ dpa
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