Vordenker der Wirtschaft Nobelpreisträger für Ökonomie

Jedes Jahr ehrt die Schwedische Reichsbank Ökonomen mit dem Wirtschaftsnobelpreis. Es geht um bahnbrechende Erkenntnisse - aber auch um einen Prestigekampf verfeindeter Denkschulen. manager magazin zeigt wichtige Preisträger im Überblick.
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Christopher Sims ist einer der zwei Träger des Wirtschaftsnobelpreises 2011. Das Komitee der Schwedischen Reichsbank würdigte ihre "empirische Forschung über Ursache und Wirkung in der Makroökonomie". Besonders Sims hat sich mit der Entwicklung mathematischer Modelle hervorgetan, die eine theoriefreie Analyse wirtschaftlicher Zusammenhänge ermöglichen. Sein Mitpreisträger ...

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Thomas Sargent ist ein exponierter Vertreter der konservativen Theorie der rationalen Erwartungen, der zufolge Märkte effizient sind, weil alle Marktteilnehmer stets vollkommen informiert sind. Sargent ist ein Schüler des neoliberalen Vordenkers Robert Lucas, der den Preis 1995 erhielt. In den vergangenen Jahren wurden aber zumeist Kritiker dieser Weltsicht ausgezeichnet:

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2010 ging der Preis an drei Ökonomen für ihre Forschung über Suchzeiten, die ein unmittelbares Marktgleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage verhindern. Der bekannteste der drei Laureaten war der Arbeitsmarkt- und Sozialversicherungsexperte Peter Diamond. Seine Auszeichnung war auch politisch brisant, denn zugleich hatte US-Präsident Barack Obama ihn für einen freien Posten im Zentralbankpräsidium nominiert, die republikanische Opposition blockierte die Besetzung jedoch und verwies auf mangelnde geldpolitische Kompetenz Diamonds. Nach über einem Jahr Gezerre gab der im Juni 2011 auf.

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Als bisher einzige Frau wurde 2009 die Soziologin und Umweltökomin Elinor Ostrom ausgezeichnet, gemeinsam mit Oliver Williamson. Beider Arbeiten widmen sich vor allem wirtschaftlichen Handeln jenseits von Märkten: in Williamsons Fall Entscheidungen innerhalb von Firmen, in Ostroms Werk geht es vor allem um kooperative Eigentumsformen. Die Ergebnisse der Forscher widersprechen der klassischen Auffassung, dass Markt und Wettbewerb immer die effizientesten Ergebnisse liefern. Ein noch deutlicheres politischeres Statement war der Preisträger von ...

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2008: Paul Krugman bekam den Nobelpreis für die von ihm begründete Neue Ökonomische Geografie. In der Öffentlichkeit erscheint der Princeton-Professor, mit seinen "New York Times"-Kolumnen und seinem Blog der wohl meistgelesene Ökonom, vor allem mit dezidiert linken Positionen: gegen Wall Street, Krieg und Ungleichheit, für Sozialstaat und Konjunkturhilfen. Krugman gehörte zu den profiliertesten Kritikern der Bush-Regierung, auch an Obama lässt er kaum ein gutes Haar. Ebenfalls eine linke Ikone ist ...

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Joseph Stiglitz: Der Wirtschaftsnobelpreis 2001 ging an Stiglitz, George Akerlof und Michael Spence für ihre Analyse von Märkten mit asymmetrischer Information. Die Tatsache, dass Käufer und Verkäufer meist über unterschiedliches Wissen verfügen, sät weitere Zweifel am perfekten Funktionieren der Märkte. Der im Jahr 2000 im Streit geschiedene Weltbank-Chefökonom und frühere Clinton-Berater Stiglitz geht noch weit darüber hinaus, hat Bücher zur Globalisierungskritik veröffentlicht. 2009 war er Mitgründer des Institute for New Economic Thinking, das der klassischen Wirtschaftswissenschaft Mitschuld an der Finanzkrise zuweist und eine Neubegründung des ökonomischen Denkens anstrebt. Eher konservativ ist sein Fakultätskollege an der New Yorker Columbia-Universität, der Preisträger ...

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1999: Robert Mundell aus Kanada gilt als Koryphäe unter den Währungsforschern und hat unter anderem untersucht, welche Kriterien ein optimaler Währungsraum erfüllen muss. Daher gilt er als einer der intellektuellen Väter des Euro - auch wenn etliche Ökonomen nun die Ansicht vertreten, die Euro-Zone stelle nach Mundell eben keinen optimalen Währungsraum dar.

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1998 erhielt der Inder Amartya Sen als bisher einziger Ökonom aus einem Entwicklungsland den Preis für seinen Beitrag zur Wohlfahrtsökonomie. Sen, der neben Ökonomie auch Philosophie studiert hatte, hat auch die Gerechtigkeitstheorie weiterentwickelt und das Wechselverhältnis von wirtschaftlicher, sozialer und politischer Freiheit untersucht. Auf Sens Initiative geht der Human Development Index der Vereinten Nationen zurück, der neben dem Pro-Kopf-Einkommen auch Bildung und Gesundheit misst.
Mit Sen ehrte das Komitee erstmals seit vielen Jahren einen Kritiker neoliberaler Ideen, die in den Vorjahren die Preise meist unter sich ausgemacht hatten. 1997 ging der Preis an Robert Merton und Myron Scholes für eine Methode zur Bewertung von Finanzderivaten. Deren auf dieser Theorie aufgebauter Hedgefonds LTCM kollabierte 1998, ein schwerer Schlag für die Glaubwürdigkeit des Preises.

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Einziger deutscher Preisträger ist der Bonner Reinhard Selten. 1994 wurde er gemeinsam mit dem Mathematiker John Nash (dessen Leben als "A Beautiful Mind" verfilmt wurde) und John Harsanyi für deren Beiträge zur Spieltheorie geehrt. Selten gilt als Mitbegründer der experimentellen Ökonomie und der Theorie der eingeschränkten Rationalität.

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1976 zeichnete das Stockholmer Komitee mit Milton Friedman den Übervater der konservativen Ökonomen aus. Friedman, der für seine Beiträge zur Konsumanalyse, zur Geldgeschichte und -theorie und für seine "Demonstration der Komplexität von Stabilisierungspolitik" geehrt wurde, ist der Begründer der monetaristischen Denkschule, die als einziges wirtschaftspolitisches Mittel die Kontrolle des Geldmengenwachstums zulässt. In seinem Buch "Kapitalismus und Freiheit" argumentiert Friedman auch politisch umfassend für eine zurückhaltende Rolle des Staates.
Von der Universität Chicago aus baute er eine Gegenmacht zum bis dahin vorherrschenden Keynesianismus auf. Als Gegenmittel zu einer schweren Wirtschaftskrise wie Anfang der 30er Jahre empfahl Friedman, große Mengen Geld zu schöpfen - die Washingtoner Notenbank beherzigt diese Lehre zum Unmut vieler heutiger Friedman-Anhänger.

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Einer der ersten Träger des Nobelpreises, der offiziell Wirtschaftswissenschaftlicher Preis der Schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel heißt, war 1970 Paul Samuelson. Der Autor des meistverkauften ökonomischen Lehrbuchs hatte laut der Jury "mehr als jeder andere zeitgenössische Ökonom beigetragen, um das Niveau der wissenschaftlichen Analyse in der Wirtschaftstheorie zu heben".
Samuelson, der unter anderem die Präsidenten Kennedy und Johnson beriet, war stark keynesianisch beeinflusst, nahm aber auch neoklassische Ideen auf. In der Zeitschrift "Newsweek" lieferte er sich regelmäßige Debatten mit Milton Friedman. Er führte mathematische Modelle ein, die auch eine Analyse der Volkswirtschaft im Zeitverlauf ermöglichten.

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